12.09.2019 - 13:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Finanzminister lehnt CO2-Steuer ab

Der bayerische Finanzminister Albert Füracker ist kein Freund der CO2-Steuer. Viel lieber will er den Ausstoß des Klimagases über Anreize zur Innovation "steuern". Aber das war eigentlich nicht der Grund für seinen Besuch an der OTH.

Aufmerksame Zuhörer. Zum Treffen der Energie-Netzwerke schaute auch Finanzminister Albert Füracker an der Ostbayerischen Technischen Hochschule vorbei. Aus reinem Interesse übrigens, wie er betonte.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wenn sich ein bayerischer Finanzminister auffallend oft an einer bestimmten Hochschule – in diesem Fall der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Amberg – aufhält, liegt der Verdacht nahe, dass er dieser besonders viel Geld zukommen lässt. Falsch gedacht, so machte Albert Füracker am Donnerstag an der OTH deutlich. Er hat einfach großes Interesse an der Arbeit der Hochschule - insbesondere im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Von daher war es für ihn selbstverständlich, zur Eröffnung der 1. Bayerischen Netzwerkkonferenz nach Amberg zu kommen.

Bekanntlich berät das KWK-Institut um Professor Markus Brautsch inzwischen eine Vielzahl von Netzwerken in ganz Bayern unter anderem in Sachen Energieeffizienz oder neuerdings auch Klärschlammentsorgung. Am Donnerstag trafen sich nun Vertreter all dieser Netzwerke an der OTH. Ein Netzwerktreffen der Netzwerke quasi, wie OTH-Präsidentin Andrea Klug in ihrer Begrüßung feststellte. Eine Bezeichnung, die sie übrigens wesentlich sympathischer fand als das englische "Cross-Clustering", das auch nichts anderes bedeutet.

Meist nur Theorie

"Es gibt viele Wege zur Energieeinsparung", machte Klug deutlich, "doch die meisten davon spielen sich nur in der Theorie ab." Im Gegensatz zur Amberger OTH, die sich der Praxis verpflichtet fühle. "Wo braucht man Unterstützung, woran hakt die Energiewende." Das ist laut Professor Markus Brautsch der Ansatz für die Netzwerk-Tätigkeiten der Hochschule. Kommunen, Institutionen oder Unternehmen könnten sich in ihren Netzwerken dazu Antworten holen. Und konkrete Fragen führten aufseiten der OTH zur Entwicklung von passenden Technologien.

Mit echtem Nutzwert

"Was hier gemacht wird, das hat einen echten Nutzwert", kommentierte das der Finanzminister. In seinen Ausführungen betonte Albert Füracker - obwohl eigentlich fachfremd - die Notwendigkeit dieser OTH-Netzwerke, der inzwischen von Aschaffenburg im Norden bis ins Berchtesgadener Land im Süden rund 200 Gemeinden, Institutionen, Diözesen oder Firmen angehören.

"Regenerativen Strom produzieren kann jeder", so Füracker. Das eigentliche Problem liege aber daran, dass es gegen jede Form der Energieerzeugung Widerstände gebe: gegen Atom, Kohle, Wind, Photovoltaik oder Biogas ebenso wie gegen den Transport von Strom über weite Strecken. Umso wichtiger sei es daher, den Strom vor allem da zu produzieren, wo er auch verbraucht werde. Dezentral und sehr gezielt. "Die Menschheit leistet sich zu viel Energieverbrauch", stellte Füracker nüchtern fest. 20 Prozent der Menschen auf der Welt würden zudem rund 80 Prozent des Stroms verwenden. Trotzdem sprach sich Füracker gegen eine CO2-Steuer aus. Denn letztendlich stehe eine Steuer immer gleichbedeutend für das Abkassieren.

"Wenn man etwas steuern will, muss man sich überlegen, wie man das macht", sagte Füracker. "Eine CO2-Steuer ist da zu kurz gesprungen." Füracker schweben da eher Anreize für die Forschung vor. Die Förderung der energetischen Sanierung von Gebäuden, die Verbilligung des Bahnfahrens. Für ein weiteres probates Mittel hält er die Steuerung des CO2-Ausstoßes über den Emissionshandel - ohne aber die Wirtschaftskraft abzuwürgen. Im Anschluss ging es im Audimax der OTH um aktuelle energiepolitische Entwicklungen und den Erfahrungsaustausch zwischen den Netzwerken.

Aufmerksame Zuhörer. Zum Netzwerktreffen der Energie-Netzwerke schaute auch Finanzminister Albert Füracker an der Ostbayerischen Technischen Hochschule vorbei. Aus reinem Interesse übrigens, wie er betonte.
Großes Interesse herrschte für das Netzwerktreffen der Energie-Netzwerke in Amberg.
Großes Interesse herrschte für das Netzwerktreffen der Energie-Netzwerke in Amberg.
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