15.01.2020 - 12:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Flika profitiert von eigenwilligem Angeklagten

Ein 40-Jähriger muss sich vor dem Amtsgericht Amberg wegen Betrugs verantworten. Er zahlt 2000 Euro lieber an eine gemeinnützige Einrichtung, als es dem angeblich Geschädigten zu überlassen. Nun droht eine Zivilklage.

Am Dienstagmorgen musste sich ein 40-Jähriger vor dem Amtsgericht in Amberg wegen Betrugs verantworten.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Der Betrugsfall, um den es vor dem Amtsgericht am Dienstag ging, zählte nicht zur spektakulären Sorte. Die Entscheidung, die der Angeklagte traf, war zumindest außergewöhnlich. Amtsrichter Florian Meißner sagte dazu in der Verhandlung: "Das ist emotional nachvollziehbar, rational nicht."

Vor Gericht stand ein 40-Jähriger, der vor ein paar Monaten noch im Landkreis lebte, mittlerweile aber in Berlin wohnt. Bereits im Oktober 2018 hatte er einen Audi A4 gekauft. Er und der Verkäufer einigten sich auf einen Betrag von 5500 Euro. Als Anzahlung soll der 40-Jährige 700 Euro und einen VW Lupo getätigt haben. Der Restbetrag, 4000 Euro, sollte überwiesen werden. Nachdem sich die beiden Herren handelseinig waren, ging es zur Zulassungsstelle, um den Audi A4 umzumelden.

Der Fall landete vor Gericht, weil das Geld nie auf dem Konto des Verkäufers angekommen sein soll. Wie es sich genau zugetragen hat, bleibt ungewiss. Denn noch bevor Zeugen gehört und der Fall aufgearbeitet wurden, zogen sich Richter Meißner, der Verteidiger und die Staatsanwältin zu einem Rechtsgespräch zurück. Mit dem Ergebnis: Wenn der Angeklagte 2000 Euro - der Mittelwert des Streitbetrags - an den angeblich Geschädigten zahlt, ist die Sache erledigt. Juristisch ausgedrückt: Der Rechtsfrieden wäre wieder hergestellt.

Damit wollte sich der Mann, der den Audi vor etwas über einem Jahr verkaufte, nicht zufriedengeben: "Ich will das ganze Auto zurück oder den vollen Betrag." Das Gericht hatte aber dennoch die Möglichkeit, den Fall zu den Akten zu legen. Richter Meißner erläuterte: Der Angeklagte habe trotz abgelehntem Vergleich die Möglichkeit, die 2000 Euro zu zahlen. Das Verfahren werde damit eingestellt. Allerdings mit der Gefahr, dass der Geschädigte ein Zivilverfahren anstrengen und den Restbetrag einklagen könne.

Prinzipiell zeigte sich der Angeklagte von dieser Möglichkeit angetan, betonte aber: "Lieber zahle ich das Geld an eine gemeinnützige Einrichtung." Juristisch ebenso machbar. Für den Angeklagten bedeutet das aber auch: Wenn der Autoverkäufer gegen den 40-Jährigen vor ein Zivilgericht zieht, kann er die vollen 4000 Euro einfordern, die ihm seiner Ansicht nach noch zustehen. Dieses Risiko nahm der Berliner trotz persönlich angespannter finanzieller Lage in Kauf. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt. Aus dem Streit ging Flika (Förderverein Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum St. Marien Amberg) als glücklicher Dritter hervor. Der Verein bekam die 2000 Euro vom Gericht zugesprochen.

Das ist emotional nachvollziehbar, rational nicht.

Richter Florian Meißner über die Entscheidung des Angeklagten

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