02.11.2018 - 15:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Flüchtlinge oft noch ohne echtes Zuhause

Der Wohnungsmarkt in Amberg ist angespannt. Neben Einheimischen tun sich auch Flüchtlinge nach wie vor schwer, auf dem Mietsektor etwas zu finden.

In der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an der Kümmersbrucker Straße leben derzeit 19 Flüchtlinge, die das Anerkennungsverfahren positiv durchlaufen haben und eigentlich ausziehen dürften. Doch es ist nach wie vor schwer in Amberg, für die sogenannte dezentrale Unterbringung auf dem Privatmarkt eine Wohnung zu finden – oder zu bekommen, weil die finanziellen Möglichkeiten der Bewerber von Amtswegen begrenzt sind.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Obwohl die Situation nicht mehr ganz so schlimm ist wie vor zwei, drei Jahren, als der starke Zustrom von Asylbewerbern die Lage verschärfte. Von einer "minimalen Entspannung" spricht zum Beispiel Sylvia Benjamin, die Migrationsberaterin des Caritas-Kreisverbandes Amberg-Sulzbach.

Dadurch dass insgesamt nicht mehr so viele Neubürger kommen wie vorher, habe sich die Lage etwas beruhigt. Das massive "Reindrücken" von Zuzügen sei gestoppt, was aber nicht heiße, dass sich die Leute, die eine Wohnung suchen, immens leichter täten. An die zwei Jahre kann es für anerkannte Asylbewerber immer noch dauern, bis sie fündig werden und aus Gemeinschaftsunterkünften ausziehen können, schildert Benjamin. Nur die Gesamtzahl der Menschen, die sucht, ist nach ihren Worten geringer geworden.

Ein Problem bleibe aber die Bereitschaft gerade von privaten Vermietern, auch Flüchtlingen und ihren Familien eine Chance zu geben. "Manche sagen zwar schon, dass sie diese Leute gerne nehmen würden", schränkt Benjamin ein, als Hürde entpuppe sich dann aber oft die sogenannte Angemessenheitsgrenze des Jobcenters. Das ist praktisch der Betrag, den die Behörde nach einer bestimmten Berechnung je nach Personenzahl und festgelegten Quadratmeteransprüchen als Miete zahlt. Diese Summen, die die Flüchtlinge aus eigenen Mitteln meist nicht aufstocken können, sind vielen Wohnungseigentümern dann aber zu niedrig. Sie möchten in der Regel mehr erlösen für ihre Räume, vor allem wenn sie gut ausgestattet bzw. saniert oder modernisiert sind.

Das ist ein Thema, das auch die Regierung der Oberpfalz bestens kennt. Die stellvertretende Pressesprecherin Kathrin Kammermeier bestätigt, dass "Wohnen für anerkannte Asylbewerber auf dem Privatmarkt ein Thema bleibt". Vermieter, die über ihren Schatten springen und trotz mancher (finanzieller) Einschränkungen Flüchtlinge aufnehmen, seien dringend gesucht. Vor allem in den kreisfreien Städten - auch in Amberg.

Dabei geht es laut Kammermeier nicht allein ums Wohnen, sondern auch um den Integrationsgedanken. Wenn Asylbewerber dezentral inmitten einheimischer Bürger leben, gelinge auch die vielbeschworene Integration deutlich besser.

Hintergrund:

In der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an der Kümmersbrucker Straße ist die Zahl der sogenannten Fehlbeleger deutlich zurückgegangen. Darunter versteht man anerkannte Flüchtlinge, die eigentlich nicht mehr hier leben müssten, weil ihr Verfahren positiv abgeschlossen ist und sie dezentral in einer eigenen Wohnung untergebracht werden könnten.

Dass es davon immer noch zu wenige gibt, beschreibt dieser Artikel. Dennoch ist an der „rückläufigen Tendenz“ der Fehlbeleger – derzeit laut Kammermeier 19 in der Kümmersbrucker Straße – erkennbar, dass sich die Gesamtlage langsam bessert. Vor einem Jahr und acht Monaten waren es noch rund 60 Leute an der „falschen Stelle“ in der Gemeinschaftsunterkunft gewesen, informierte Kammermeier.

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