08.05.2019 - 18:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Forum-Nutzung: Nur Mieter-Mix zieht in die Altstadt

Ulrich Schmid sieht das Forum mit einem eigenen Blick. Er weiß, was es Interessenten bieten muss, um attraktiv zu sein. Und er hofft, dass mit der Belegung dieser Immobilie gelingt, was der Wettbewerb zum Bürgerspitalgelände nicht schaffte.

Derzeit der Punkt, um den sich die Diskussionen zur Stadtpolitik bevorzugt drehen: die Bahnhofstraße an der Stelle, wo sie vom Forum-Areal (oben) und dem Bürgerspitalgelände (unten) flankiert wird. Aus der Luft wird auch offensichtlich, was laut Ulrich Schmid dem (aktuell noch leeren) Bürgerspitalareal fehlt, um als 1a-Fläche gelten zu können: der unmittelbare Zugang zur Bahnhofstraße. „Dadurch ist es vom Filetstück zum Hinterlieger-Grundstück geworden.“
von Markus Müller Kontakt Profil

Schmid, der seit 1977 mit einem Steuerbüro in der Altstadt ansässig ist, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Innenstädten, sowohl über eigene Objekte als auch über die von Mandanten. Die AZ hat ihn deshalb um eine Einschätzung zur Situation rund um das Forum nach dem Absprung eines potenziellen Mieters gebeten.

Grundsätzlich bewertet es Schmid als zentrale Aufgabe des Stadtrats, vermehrt Leute aus dem Umland in die Altstadt zu bringen. Diese Frequenzerhöhung erreiche man nicht mit Wohnungen. Auch die Ten-Brinke-Lösung, die den Ideenwettbewerb für das Bürgerspitalareal gewonnen habe, werde das damit verbundene Ziel der Belebung der Bahnhofstraße "nur bedingt erreichen". Ein Nahversorger sei nicht schlecht, "aber ein Magnetfaktor ist das nicht". Für umso wichtiger hält es Schmid, dass das ehemalige Forum zugkräftig belegt wird. "Die Lage dort ist wirklich gut, das ist ein alter Handelsstandort", geht er von günstigen Voraussetzungen aus. Dass die Gewerbebau das Gebäude gekauft hat, war seiner Meinung nach die "komplett richtige Entscheidung". So habe die Stadt das Signal gegeben "wir machen das jetzt, keine Spielchen mehr". Von einem Investor allein sei das Forum-Gebäude ohnehin nicht gewinnbringend zu betreiben.

Ulrich Schmid ist im Gespräch über die Situation an der Bahnhofstraße die Leidenschaft deutlich anzumerken, mit der er die Entwicklung um das Forum und das Bürgerspitalgelände verfolgt. Für seine Heimatstadt habe es in den letzten Jahren nichts Wichtigeres gegeben als diese beiden Projekte, sagt er.

Vorbild Storg

Aus Schmids Sicht wären Handel und Gastronomie bei der Belegung der Hauptflächen erste Wahl. Nur ein Mieter-Mix könne die erwünschte Anziehungskraft entfalten. "Rein textil bringt es nicht, ein reiner Ausstatter auch nicht. Es muss etwas sein, das viele im Umland anspricht. Auch über Dinge des täglichen Bedarfs. Haute Couture leistet das nicht. Man braucht da Dinge, die Storg-Nähe haben." Positive Vorschläge seien hier willkommen. Dem von der SPD-Bürgermeisterkandidatin Birgit Fruth propagierten Markthallen-Konzept traut Schmid aber diese Zugkraft nicht zu: "Das funktioniert nur dort, wo Sie schon eine enorme Frequenz haben. Es kommt doch keiner aus Hirschau, um hier Tomaten einzukaufen. Und dann ist eine Markthalle ja noch extrem kostenintensiv."

Frequenzbringer nötig

Wichtig ist es aus Schmids Sicht zudem, hier eine schnell realisierbare Maßnahme anzustreben. Darauf legten potenzielle Interessenten Wert. Und auch für die Stadt sei das unerlässlich, "denn wenn jetzt kein Frequenzbringer kommt, dann sind die beiden großen Grundstücke in der Altstadt unwiederbringlich vertan. Das ist meine Sorge."

Und welche Rolle spielen Parkplätze in der Altstadt dabei? Hier warnt Schmid davor, etwa von Münchener Erfahrungen auf Amberg zu schließen: "Je kleiner eine Stadt ist, desto kürzer sind die Wege, die die Leute akzeptieren. Das ist ein alter Erfahrungssatz." Deshalb könne man die Masse der Parkplätze in den Parkhäusern am Rand der Innenstadt nicht als Altstadt-relevant betrachten. In den 70er Jahren sei es ein vernünftige Entscheidung gewesen, sie an den Rand der Fußgängerzone zu setzen, doch heute müsse man die Leute näher an die Altstadt bringen. Wenn es auf Kunden von außen abziele, sei die Einfahrt für ein Parkhaus in der Bahnhofstraße richtig platziert, da sie dort einfach zu erreichen sei. Sichere Parkmöglichkeiten seien das A und O für die Attraktivität der Innenstadt. "Dann kommt der Kunde auch öfter. Es gibt doch nichts Abschreckenderes, als wie wenn jemand wieder rausfahren muss, weil er in der Altstadt keinen Parkplatz findet."

Ulrich Schmid hat viel Erfahrung mit Immobilien in Innenstädten.
Hintergrund:

Die Baugenehmigung für das Forum hat nach Ansicht von Ulrich Schmid in der Praxis keine große Bedeutung obgleich sie natürlich notwendig ist. Entscheidend für alle weiteren Aktivitäten sei jedoch der Mietvertrag. Der Mieter lege vorher genau fest, was er haben wolle – etwa bodentiefe Schaufenster –, und präsentiere dem Vermieter eine dicke Baubeschreibung. Erst dann könne dieser konkret planen und anschließend Aufträge an Baufirmen vergeben. Und am besten setze er auch alles akkurat und pünktlich um, „denn Sie sitzen hier nicht Leuten gegenüber, die um die Fläche betteln“. (ll)

Im Blickpunkt:

Was Ärzte aus der Innenstadt treibt

„Die Frequenz in Amberg nimmt seit Jahren kontinuierlich ab“, sagt Ulrich Schmid zum Thema Innenstadt. Erster Reflex sei da immer, das auf „das böse Internet“ zu schieben. „Aber auch Rechtsanwälte, Notare und Ärzte gehen raus aus der Innenstadt, und die haben mit dem Internet ja nichts am Hut.“ Ihr Problem aus der Sicht von Schmid: Es fehlt in der Altstadt an sicherem Parkraum. Auf der Kräuterwiese nutze der nichts. „Wer seine betagte Mutter zum Arzt bringt, muss wissen, wo er parken kann.“ In der Nähe. Ideal wären hier laut Schmid „dezentrale kleinere Parkhäuser mit 80 bis 100 Plätzen“, die preisgünstige und sichere Parkmöglichkeiten bieten. „Nur so kann man Ärzte und Dienstleister wieder in die Altstadt bringen.“ Der Effekt wäre seiner Meinung nach gewaltig. 10 (Gemeinschafts-)Praxen mit täglich 100 Patienten brächten jeden Tag 1000 Leute zusätzlich in die Altstadt. (ll)

Nachgefragt:

Klage in Wirkung keine Lachnummer

Klagen gegen Bauprojekte schrecken potenzielle Investoren natürlich ab, sagt Ulrich Schmid zur Situation beim Forum. Bereits die Androhung einer Klage erzeuge ein negatives Image und verbreite in der Branche die Neigung, von Amberg lieber die Finger zu lassen. „Das ist nicht gut für die Stadt.“ Wer hier Geld reinstecken wolle, sei an einer schnellen und reibungslosen Umsetzung interessiert. Was dabei bremse, komme nicht gut an. Wobei die Erfolgsaussicht einer Klage gar nicht entscheidend sei. Speziell mit Blick auf Forum und Bürgerspitalareal hat Schmid den Eindruck, „dass hier Klagen eingereicht wurden, die so unbegründet sind, dass man sie nur als Lachnummer werten kann“. (ll)

Kommentar:

Das halbierte Ei

Auch bei Amberg hilft der Blick von außen, die innerstädtischen Probleme besser zu erkennen. Etwa wie die Vils das Altstadt-Ei halbiert und so Autos teilweise aussperrt. Doch man kann von den Lösungen anderer Städte lernen, meint Ulrich Schmid. Zum Beispiel, indem man die Fußgängerzone verkürzt oder über den Roßmarkt eine gute Zufahrt zur Georgenstraße schafft. Möglich ist vieles, man muss es nur wollen. Und diesen Gestaltungswillen im Stadtrat setzen wir jetzt einfach mal voraus.

Markus Müller

Ausführliches Dossier zum Thema

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.