27.05.2021 - 09:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Freie Mitarbeiter: Immer dort, wo was passiert

Mehr als 300 Menschen aus der nördlichen Oberpfalz sind für Oberpfalz-Medien als freie Mitarbeiter unterwegs. Sie berichten von den kleinen und großen Ereignissen der Region. Einer von ihnen ist Gerhard Franz aus Schäflohe.

Gerhard Franz in Aktion: Immer auf Achse für das Onetz und die Amberger Zeitung - seit nunmehr 50 Jahren.
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Nix passiert!" Wenn sich Gerhard Franz (75) mit diesen Worten am Telefon der Lokalredaktion in Amberg meldet, legt sich bei Reporterchef Markus Müller die leichte Anspannung wieder, die ihn stets erfasst, wenn die Nummer von Franz auf seinem Display aufleuchtet.

"Nix passiert!" – das heißt, es geht nicht um einen Blaulicht-Einsatz und Müller muss nicht in den Alarmmodus schalten und schon mal überlegen, wie viel Zeit noch bis zum Andruck bliebe oder welcher Artikel der aktuellen Ausgabe für den Unfallbericht rausgenommen werden könnte.

"Nix passiert!" – das heißt, jetzt können die zwei mal in Ruhe reden, über Hintergründe zu Entwicklungen in der Kommunalpolitik, über Beobachtungen, aus denen ein Artikel werden könnte, oder über Feinheiten beim Schreiben eines Berichts.

Seit nunmehr 50 Jahren ist Gerhard Franz aus Schäflohe, einem Stadtteil von Amberg, als freier Mitarbeiter für die Amberger Zeitung, den Neuen Tag und vom ersten Tag an natürlich auch für das Onetz tätig. In den vergangenen Jahren vornehmlich dort, wo Blaulicht zum Einsatz kommt: bei Bränden, Unfällen und Unwettern zu jeder Tages- und Nachtzeit. "Bei der Feuerwehr und der Polizei, da kennen sich mich schon", sagt er nicht ohne Stolz. Zurecht, weil das, was er kennen nennt, wohl eher wertschätzen heißt. Die Einsatzkräfte können fest damit rechnen, dass bei einem größeren Einsatz irgendwann dann auch das rote Auto des Reporters aufkreuzt. Dann wissen sie, dass jemand berichtet, dem es nicht um den schnellen Schnappschuss geht.

Nicht mehr so starr wie früher

Gerhard Franz hat den Wandel der Medienbranche vom Bleisatz bis zum Story-Telling miterlebt und weint den alten Zeiten nicht hinterher. "Früher war das alles ein bisschen anders", lächelt der 75-Jährige und denkt an seine ersten Artikel, die er Anfang der 1970er-Jahre bei der Zeitungsredaktion eingereicht hat. Vereinsberichterstatter war er damals, hat Berichte streng nach Protokoll abgefasst und selbst die Ehrengäste noch erwähnt, die gar nicht anwesend waren. "Das ist heute undenkbar", sagt er. Die Zeitung ist lockerer geworden und bunter.

Freie Mitarbeiter bringen Farbe in die Zeitung und auch ins Onetz. Die Farbtupfer am richtigen Ort platzieren, das darf dann unter anderem Reporterchef Markus Müller. Er hält engen Kontakt zu den Berichterstattern, die draußen in den Gemeinden auf Geschichtensuche sind. "Gerhard Franz ist einer von denen, die gar nicht groß auf Suche gehen müssen. Die Geschichten finden ihn", sagt Müller. Er erinnert daran, dass der Schäfloher seit Jahren einen Sitz im Gemeinderat von Poppenricht und Gebenbach hat. "Da wird für ihn tatsächlich ein Platz frei gehalten – natürlich nur im öffentlichen Teil und als Berichterstatter ohne Stimmrecht."

Zeilen zählen mit den Politikern

Neutralität ist ihm daher vor allem bei der politischen Berichterstattung wichtig. Dass Parteien ganz genau hinschauen, welche ihrer Vertreter wo und wie zitiert werden, ist ihm völlig klar. "Da werden manchmal sogar die Zeilen gezählt und gegenübergestellt", erzählt Reporterchef Müller von den täglichen Herausforderungen des Zeitungsmachens. "Wenn es dabei verschiedene Gewichtungen gibt, dann können wir das meistens gut erklären."

Die Sitzungen der Gemeinderäte absolviert Gerhard Franz routiniert. Die Kür waren für ihn da schon eher seine Artikel über die Motorsportveranstaltungen in der Region. An das Atzmannsrichter Bergrennen in den 1970er Jahren erinnert er sich gerne. Aber auch an den Tag, als er im Auftrag der Amberger Zeitung 1992 über das Rennen auf dem Norisring in Nürnberg berichtete und bei der Gelegenheit den damals noch recht jungen Michael Schumacher traf. Natürlich hat er auch schon die Rennfahrer Walter Röhrl und Strietzel Stuck interviewt. Dazu kamen noch Keke Roßberg, Klaus Ludwig, Joachim Winkelhock und Prinz Poldy von Bayern.

Das Atzmannsrichter Bergrennen

Atzmannsricht bei Gebenbach

"Nix passiert!", sagt Gerhard Franz immer, wenn er nicht wegen eines akuten Blaulicht-Einsatzes anruft. Dabei ist doch so viel passiert in den vergangenen 50 Jahren, in denen er unter dem Kürzel (gf) für die Zeitung schreibt. Als freier Mitarbeiter hat er die Region ein halbes Jahrhundert in vielen Facetten porträtiert. Und dieses Gemälde ist noch lange nicht vollendet.

 

 

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