03.07.2019 - 18:01 Uhr
AmbergOberpfalz

"Fridays for Future" Amberg: Aktivisten, Politiker und Experten diskutieren

Drei Themenschwerpunkte, 14 Diskutanten und jeweils 100 Sekunden, um den Standpunkt klar zu machen. Zu einer Podiumsdiskussion hat die Amberger "Fridays for Future"-Ortsgruppe Politiker und Experten im alten Ring-Theater zusammengebracht.

Im Mittelpunkt stand ein 18-seitiges Dokument mit Forderungen, die die "Fridays for Future"-Ortsgruppe an Oberbürgermeister Michael Cerny übergeben hatte. Thematisch drehte sich der Abend um die Bereiche Mobilität, Energie und Stadtentwicklung.

Die Frage, die zunächst im Raum stand, war: "Wie komme ich schnell, sicher und nachhaltig von A nach B? Cerny sagte: "Die Leute müssen aufs Rad. Das ist ein Weg zu mehr Mobilität." Allerdings müsse die Nachricht allen voran in den Köpfen der Menschen verankert werden. "In Amberg sind nicht alle Strecken perfekt, aber es ist schon so, dass ich mit dem Rad schneller an mein Ziel komme."

Dem entgegnete Benedikt Lueger, Schülersprecher am Erasmus-Gymnasium und Mitorganisator der Veranstaltung: "Wollte keiner aufs Rad steigen, dann bräuchten wir auch keine Radwege. Aber da ist Interesse da. Ich habe selbst schon erlebt, dass es gefährlich sein kann, mit dem Rad unterwegs zu sein." Er zeigte sich überzeugt, dass es enorm wichtig sei, zunächst für die nötige Infrastrukturen zu sorgen. "Im Moment enden Radwege viel zu oft im Nichts. Die verantwortlichen Instanzen sind in der Pflicht, die Konzepte umzusetzen."

Thema Energie

Mobilität betrifft nicht nur die Radwege. Klaus Mrasek (ÖDP) kam auf einen anderen Punkt zu sprechen. "Was mir an der Debatte bisher fehlt, ist, dass über das große Übel des motorisierten Individualverkehrs nicht gesprochen wird." Der Einzelverkehr müsse reduziert und durch Angebote des öffentlichen Nahverkehrs ersetzt werden. Stadtrat Helmut Weigl (CSU) hingegen betonte, einen Ausschluss des Verkehrs aus dem Stadtgebiet könne dem Einzelhandel schaden. Dem widersprach Klaus Ebenburger (Grüne). "Es ist schlichtweg falsch, dass weniger Verkehr schädlich für die Geschäfte ist." Um Amberg herum gebe es um die 1000 Parkmöglichkeiten. "Wir müssen darüber nachdenken, wie die Leute in die Stadt kommen."

In dieselbe Kerbe schlug Lueger. "Ich bin davon überzeugt, dass eine autofreie Stadt nicht schädlich für den Einzelhandel wäre. Im Gegenteil. Wenn ich durch eine verkehrsfreie Stadt gehe, dann habe ich doch erst das Gefühl, dass ich mich hier wohl fühle und gerne einkaufe."

Hans-Jürgen Frey, der Vorsitzende des Solarfördervereins Amberg-Sulzbach, erinnerte an das Regensburger E-Bus Programm "Emil". "Wenn so etwas in Amberg möglich wäre, dann hätten wir schon viel erreicht." Es sei auch eine Form von Nachhaltigkeit, zu versuchen, alte Dieselbusse auf Elektroantrieb umzurüsten. Lueger dazu wörtlich: "Wenn wir schon über Busse als Alternative nachdenken, dann müssen wir uns auch gleich mit deren Antrieb auseinandersetzen."

Kommentar:

Mehr Respekt

Es ist beeindruckend, was ein paar Jugendliche und junge Erwachsene auf die Beine gestellt haben. Sie bekommen jede Menge Aufmerksamkeit, weil sie für das eintreten, woran sie glauben. Da macht’s auch nichts, wenn sich eine 17-Jährige bei einem Vortrag vor 100 Menschen mal kurz verhaspelt. Eins ist klar: Respekt haben sie verdient. Nur scheint es, als würde ebensolcher gerade dann fehlen, wenn der eine oder andere Vertreter der Stadt Amberg während der Veranstaltung nicht an den Lippen der Redner, sondern am Bildschirm seines Smartphones hängt.

Wolfgang Ruppert

Klima verpflichtet

Auf dem Dach des neuen Parkdecks in der Marienstraße ist keine Photovoltaik-Anlage installiert, obwohl es die Statik zuließe. "Warum ist da eigentlich keine drauf?", wollte Lueger von Cerny wissen. Der Bürgermeister erklärte: "Wenn wir ein Projekt ausschreiben, dann werden die Anbieter nach einem Punktsystem bewertet. Wer die meisten Punkte zusammenbringt, bekommt den Zuschlag. In dem Fall wollte keiner eine PV-Anlage auf das Dach bauen." Das Parkhaus wurde so angelegt, dass Solar-Panels jeder Zeit nachgerüstet werden können.

"Das reicht aber nicht", erwiderte Lueger. "Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Sollte man denn nicht so konsequent sein und sagen, ich baue das Parkhaus nur, wenn ich sicherstellen kann, dass das Konzept auch tatsächlich so umgesetzt wird?"

Fridays for Future in Amberg: Vierte Demo, 300 Teilnehmer

Amberg

Lueger ist sich sicher: "Die Hütte brennt, ein Paradigmenwechsel ist real. Wer das in der Politik nicht begreift, wird abgewählt." Organisatorin Aziza Ernst stellte die drei Säulen vor, auf denen die Forderungen der Klima-Aktivisten basieren: "Es geht um Aufklärung und darum, den Menschen die nötigen Klimaschutzmaßnahmen attraktiver zu machen. Schließlich müssen wir auch mit Gesetzen und Preissteuerung arbeiten, um uns in die richtige Richtung zu entwickeln."

Info:

Erneute Demo in Amberg

Während der Veranstaltung haben es Aziza Ernst und Benedikt Lueger angekündigt. Kommenden Freitag, 5.Juli, findet wieder eine Klima-Demo statt. Um 14 Uhr treffen sich die Teilnehmer im Malteser-Garten, um gemeinsam durch die Stadt Richtung Marktplatz zu ziehen. „Wir wollen die Gelegenheit nutzen, um noch einmal Druck auf die Amberger Fraktionen auszuüben. Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnehmer“, sagte Lueger.

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