Amberg
17.03.2025 - 16:15 Uhr
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FSME: Welche dramatischen Folgen ein Zeckenbiss haben kann

"FSME ist hinterfotzig." Das sagt ein Mann aus Amberg-Sulzbach über diese Erkrankung, die von Zecken übertragen wird. Er weiß das: Ein unbemerkter Biss hat ihn in Lebensgefahr gebracht. Davon erzählt er jetzt – als Motivation zur Impfung.

Die ersten frühlingshaften Tage locken viele Menschen schon raus zum Garteln, Sporteln oder Wandern: Dabei sollte man unbedingt jetzt schon an Zeckenschutz denken, empfiehlt Dr. Roland Brey, der Leiter des Gesundheitsamts Amberg. Der Klimawandel mit oft milden Wintern bietet günstige Bedingungen für Zecken: Sie werden inzwischen schon sehr früh im Jahr aktiv.

Die winzigen Blutsauger können Menschen gefährlich werden: Sie übertragen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME/eine kombinierte Entzündung des Gehirns/Enzephalitis und der Hirnhäute/Meningitis) und Borreliose (Infektionskrankheit mit sehr unterschiedliche Folgen, zum Beispiel Gelenkentzündungen, Herzbeschwerden und Nervenschäden). Gegen die FSME kann eine Impfung schützen, gegen Borreliose nicht. Dafür kann man Borreliose (mit Antibiotika) behandeln – aber die FSME nicht.

Dem Tod entkommen

Wie dramatisch FSME werden kann, darüber kann ein Mann (66) aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach berichten: Er hat sich 2024 diese Krankheit durch einen Zeckenbiss eingehandelt. "Ich bin dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen", sagt er heute, als er in der Redaktion, wo man ihn gut kennt, über seine Geschichte spricht. Die will er öffentlich machen, um zu zeigen, was FSME anrichten kann. Allerdings will er dabei nicht namentlich genannt werden: Er will sich Aufsehen um seine Person ersparen – aber er hofft, dass seine Geschichte andere dazu bewegen kann, auf sich zu achten, FSME nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sich impfen zu lassen.

Dass ihn eine Zecke gebissen hatte, hat der 66-Jährige zuerst gar nicht gemerkt. Der ehemalige Leistungssportler ist viel draußen unterwegs, vor allem beim Laufen oder Radeln. Er vermutet, dass er sich den folgenschweren Zeckenbiss in seinem Garten eingehandelt hat. Den kleinen Blutsauger entdeckte er nicht gleich, entfernte ihn dann aber einfach: Es war nicht sein erster Zeckenbiss. Und er war auch geimpft. Allerdings, das war ihm nicht bewusst – er hatte eine Auffrischungsimpfung vergessen.

Unsägliche Schmerzen

Die FSME machte sich erst Tage später bemerkbar. Da dachte der 66-Jährige schon nicht mehr an die Zecke. Stattdessen wunderte er sich: "Ich war kraftlos, lustlos." Vor allem musste er sich zum Sport zwingen – für ihn sehr ungewöhnlich. Und: "Ich habe gefroren beim Radfahren – bei 25 Grad draußen." Sorgen machte er sich trotzdem nicht, sondern vermutete eine Erkältung. "Ich hab' gedacht, ich brüt' was aus." Es wurde schlimmer, Fieber und Schüttelfrost kamen dazu. Für den 66-Jährigen noch kein Grund zur Sorge – für seine Frau schon. Sie bestand darauf, dass er zum Arzt ging. Es folgte eine kleine Odyssee, erst zum Hausarzt, dann in die Notaufnahme, schließlich stationär ins Krankenhaus.

Die Mediziner seien ratlos gewesen, erinnert sich der 66-Jährige. Der hatte "unsägliche Schmerzen im gesamten Körper. Ich war völlig entkräftet, hab' nicht mal mehr aufstehen können." Erst da fiel ihm der Zeckenbiss wieder ein, von dem er dann auch den Ärzten erzählte. Die daraufhin folgende Rückenmarkspunktion bestätigte: Er hatte FSME. Und, das wusste er: "Es gibt kein einziges Medikament auf dieser Welt gegen FSME."

Kein Medikament gegen FSME

Das bedeutet: Man kann diese Krankheit nicht heilen, sondern nur versuchen, ihre Symptome zu behandeln – mit starken Schmerzmitteln, die der Landkreisbewohner aber nicht gut vertragen hat. "Mir ist es immer schlechter gegangen." Er schildert drastisch, was das in seinem Fall bedeutete: "Plötzlich waren beide Arme gelähmt, ich hatte kein Gefühl mehr, konnte nicht mehr aufstehen, nicht mehr sprechen, nicht mehr denken. Das war brutal. Mir ging es echt beschissen." Über Nacht kam starkes Fieber dazu, "weit über 42 Grad: Ich habe um mein Leben gekämpft." Er dachte, er würde das nicht überleben: "Mir war das wurscht, vor lauter Schmerzen. Ich hab' schon abgeschlossen gehabt und gedacht: Ich will das nicht mehr ertragen – das packst du nicht."

Der 66-Jährige hat es gepackt. Nach dieser schlimmen Nacht wurde es besser, wenn auch nur sehr langsam. So langsam, dass der Patient tagelang eisern versuchte, mit kleinsten Übungen gegen seine Lähmungen und die Kraftlosigkeit anzutrainieren. Zuerst im Krankenhaus, dann daheim. "Als ich zum ersten Mal wieder vor meinem Haus stand, hab ich geweint", sagt er: "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich mein Haus nochmal sehe."

Luftnot nach zwei Treppenstufen

Es dauerte Monate, bis er die Folgen seiner FSME überwunden hatte. Er versuchte es zunächst mit Spazierengehen – und schaffte nur 100 Meter. Der Sportler wollte nicht aufgeben: "Ich hab' mich aufs Radl gesetzt, bin 200 Meter gefahren – und dann abgestiegen, vor lauter Luftnot. Dann hab ich das Rad geschoben. Und erst mal geschaut, ob ich das Gleichgewicht halten kann. Mir war schwindelig beim Gehen." Beim Treppensteigen schaffte er zwei Stufen, "dann musste ich stehenbleiben, hab' nach Atem gerungen. Das war grausam."

Aber es hätte viel schlimmer kommen können: Das weiß der 66-Jährige. Als Patient, der eine so gravierende FSME überlebt hat und inzwischen fast wieder so gut beieinander ist wie davor, ist er inzwischen ein gefragter Gesprächspartner für Mediziner und Studenten, die auf FSME spezialisiert sind und dazu forschen. Und er kennt jetzt auch andere Patienten, die weniger Glück hatten: Einer von ihnen sei nach einer FSME dauerhaft querschnittsgelähmt, ein anderer völlig erblindet, eine 40-jährige Frau sei schwer dement geworden, lebe nun im Heim – und zwei weitere der ihm bekannten Patienten seien gestorben.

"Ich will keinen Zirkus draus machen, aber meine Geschichte ist es wert, sie zu erzählen", sagt der 66-Jährige, denn: "FSME ist hinterfotzig." Er hofft, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen, um sich zu ersparen, was er erlebt hat. In einem besonderen Fall hatte er damit schon Erfolg. "Meine Frau, eigentlich eine Impfgegnerin, hat sich gegen FSME impfen lassen."

Was man über Zecken, FSME und Borreliose wissen sollte und wie man sich schützen kann:

  • Zecken können durch Stiche/Bisse die Krankheiten FSME und Borreliose übertragen.
  • FSME ist eine virusbedingte akute Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) und eventuell auch des Gehirns (Enzephalitis) und des Rückenmarks (Myelitis).
  • Borreliose wird durch Bakterien ausgelöst. Diese Krankheit kann durch Antibiotika in der Regel gut behandelt werden.
  • Vor Ausbruch der Borreliose tritt oft eine ringförmige Rötung, die sogenannte „Wanderröte“, im Bereich der Stichstelle auf.
  • Seit 2013, als die Meldepflicht für Borreliose eingeführt wurde, gab es im Landkreis Amberg-Sulzbach fast 600 gemeldete Fälle. Todesfälle sind dem Gesundheitsamt Amberg in diesem Zusammenhang nicht bekannt.
  • Seit Einführung der FSME-Meldepflicht 2001 wurden in Amberg-Sulzbach 244 Fälle registriert. Mehrere der zum Teil schwerstkranken Patienten starben.
  • Die Dunkelziffer ist wohl hoch, da meist nur schwerere Fälle bemerkt und dem Gesundheitsamt von Ärzten in Praxis und Klinik gemeldet werden.
  • Bei vielen FSME-Infizierten treten oft nur grippeähnliche Beschwerden auf, die nicht zu einem Arztbesuch und zu einer Laboruntersuchung führen.
  • Impfen ist der beste Schutz vor einer FSME-Erkrankung: Mit diesem Appell zitiert das Gesundheitsamt Professor Gerhard Dobler, Zeckenexperte am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.
  • Mit Dobler arbeitet die Amberger Behörde seit Jahren eng zusammen. Er sammelt Zecken ein und untersucht sie auf das Virus.
  • Die Impfung gegen FSME ist in der Regel sehr gut verträglich und wird in Bayern von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
  • Für eine Grundimmunisierung werden drei Impfungen im Abstand von einigen Monaten benötigt.
  • Die erste Auffrischungsimpfung wird im Abstand von drei Jahren nach der Grundimmunisierung fällig.
  • Weitere Auffrischungsimpfungen sollten – abhängig von der Altersgruppe und dem verwendeten Impfstoff – in Abständen von drei bis fünf Jahren folgen.
  • Vorsichtsmaßnahmen: In der Natur möglichst geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen tragen, Socken über die Hosenbeine ziehen.
  • Nach dem Aufenthalt draußen sollte man sich selbst und Kinder nach Zecken absuchen.
  • Bevorzugte Stellen sind Kniekehlen, Bauch- und Brustbereich, Schritt, Kopf, Nacken und Haaransatz.
  • Zecken möglichst schnell entfernen, ohne die Tiere dabei zu drücken.
  • Hunde und Katzen durch zeckenabweisende Präparate oder Halsbänder schützen: Das schützt indirekt auch den Tierhalter.
  • Laut Gesundheitsministerium sind in Bayern 95 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte als Gebiete eingestuft, in denen bei einem Zeckenstich ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem FSME-Virus besteht. Einzige Ausnahme ist die Stadt Schweinfurt.
  • Fragen zum Thema beantworten das Gesundheitsamt Amberg (gesundheitsamt[at]amberg-sulzbach[dot]de, 09621-397600) sowie die Haus- und Kinderärzte.
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Wackersdorf14.03.2024
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