07.03.2021 - 18:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Fünffache Mutter muss für sechs Monate ins Gefängnis

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Das Frauengefängnis in Aichach kennt sie schon. Jetzt muss die 42-jährige Mutter von fünf Kindern wieder in diese Haftanstalt. "Weil Sie nichts aus der Vergangenheit gelernt haben", sagt der Richter.

Das Urteil ist gesprochen: Eine fünffache Mutter muss für sechs Monate ins Gefängnis.
von Autor HWOProfil

Erneut hinter Gitter muss eine fünffache Mutter. Und das alles wegen gestohlener 550 Euro, mit denen die Mutter von fünf Kindern nach eigenen Angaben eine gegen sie verhängte Geldbuße begleichen wollte.

Die Frau hat vor ein paar Monaten ihren Ehemann und ihre Heimat im nördlichen Teil der Oberpfalz verlassen, ist mit zwei ihrer Kinder nach Sachsen gezogen. "Ein Neuanfang", wie die 42-Jährige vor der 3. Strafkammer des Amberger Landgerichts mitteilte. Im jetzigen Umfeld gebe es eine gesicherte Arbeitsstelle, stünde einer positiven Zukunft nichts im Wege.

87-Jährige wegen Diebstahls angeklagt

Weiden in der Oberpfalz

"Das hört sich alles gut an", sagte der Vorsitzende Richter Peter Hollweck und kam dann auf den Grund der Berufungsverhandlung zu sprechen. Im Jahr 2019 hatte sich die 42-Jährige ein Zubrot als Putzfrau verdient. Bei ihrer Arbeitgeberin klaute sie ein Kuvert mit 550 Euro Inhalt. Als der Diebstahl ruchbar wurde, leugnete die Diebin und gestand erst, als ein anderer in Verdacht geriet.

Keine Bewährung

Das Schwandorfer Amtsgericht fällte ein auf den ersten Blick hartes Urteil. Es verhängte sechs Monate Haft und sah keinerlei Anlass, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Warum das so war, offenbarte sich jetzt im Berufungsprozess: Die Frau brachte sechs Vorahndungen mit. Als Richter Hollweck die Sachverhalte verlas, wurde deutlich: Es gab fast deckungsgleiche Gelddiebstähle, außerdem Betrügereien, eine Unfallflucht mit hohem zurückgelassenem Schaden und die Fälschung eines amtlichen Zulassungsstempels auf dem eigenen Drucker.

Für die Richter kam hinzu: Der Gelddiebstahl wurde unter laufender Bewährungszeit begangen. Zudem ist offenbar bei der Staatsanwaltschaft Weiden noch ein Verfahren wegen zahlreicher Internetbetrügereien anhängig. "Das hört sich jetzt alles nicht mehr gut an", befand Richter Hollweck und bekam Zustimmung von Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler. Er war, wie auch die Angeklagte, nach dem Schwandorfer Urteil in Berufung gegangen. Sieben Monate Haft zum Absitzen verlangte Kinzler im Schlussvortrag. Sein Kommentar an die Adresse der Angeklagten: "Sie hätten es wissen müssen."

Nichts daraus gelernt

"Sie ist jetzt auf einem neuen und guten Weg", resümierte Verteidiger Marc Steinsdörfer (Weiden). Der Anwalt hielt eine Geldstrafe für ausreichend und fügte hinzu, man müsse die Frau, die schon einmal neun Monate hinter Gittern saß, nicht erneut einsperren.

Die 3.Strafkammer schlosss sich dem Erstrichter in Schwandorf an und verhängte ein halbes Jahr Gefängnis zum Absitzen. "Sie haben nichts aus der Vergangenheit gelernt", tadelte der Kammervorsitzende Hollweck und ergänzte, dass in diesem Fall menschliche Aspekte hinter dem Gesetz zurückzutreten hätten.

Was für die 42-Jährige jetzt kommt, ist bitter. Sie muss sechs Monate in die Frauenhaftanstalt und kann damit rechnen, dass eine noch offenstehende Bewährung widerrufen wird. Geschieht dies, würde sich der Aufenthalt hinter Gittern um ein weiteres halbes Jahr verlängern.

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