Amberg
09.12.2020 - 13:46 Uhr

Gebrauchtes Wohnmobil bringt jede Menge Ärger

Der Fall hat den Behördenapparat in bemerkenswert umfangreicher Art beschäftigt. Er lief seit 2018 und drehte sich um ein Wohnmobil, das ein Amberger in Italien kaufte und über den Brenner in seine Heimat brachte.

Symbolbild Bild: Peter Steffen/dpa
Symbolbild

Drei Prozesstage lang verhandelte das Amtsgericht die als Hehlerei angeklagte Begebenheit. Dabei stellte sich heraus: Der 46-jährige Amberger hatte über Internet erfahren, dass in Mailand ein Wohnmobil angeboten wurde. Er reiste nach Italien, bekam Kontakt zu zwei Leuten und erwarb das Fahrzeug samt dazugehörigen Papieren für 10.000 Euro.

Dieser Betrag war ein Schnäppchen. Denn nach einem Gutachten, das sowohl der Staatsanwaltschaft als auch Amtsrichter Florian Meißner vorlag, hatte das Wohnmobil einen Zeitwert von über 20.000 Euro. Daraus ergab sich jetzt die Frage: Hätte der 46-Jährige dies wissen und bei seinem Kauf argwöhnisch werden müssen?

Amberg30.11.2020

Tatsache war: Das Fahrzeug stammte aus einem Betrug. Der ursprüngliche Eigentümer hatte es in Mailand an eine Frau verkauft und dafür einen ungedeckten Scheck über 22.000 Euro erhalten. Danach ging alles sehr rasch: Die Betrügerin und ein bisher noch unbekannter männlicher Begleiter trafen sich mit dem aus der Oberpfalz angereisten Interessenten, erhielten 10.000 Euro und übereigneten ihm das Mobil. Als es nach Amberg gebracht worden war und hier bei der Kfz-Behörde von dem 46-Jährigen abgemeldet werden sollte, ergaben sich Ungereimtheiten.

4500 Euro an Welthungerhilfe

Daraufhin erschien die Polizei, begannen umfangreiche Ermittlungen. Sie führten über eine internationale Ermittlungsstelle in Bozen bis hinunter nach Mailand. Das ungewöhnliche Verfahren, mit viel Aufwand betrieben, endete schließlich mit einer Einstellung. Allerdings unter Bezahlung von 4500 Euro Geldauflage, die der Amberger nun an die Welthungerhilfe überweisen muss. Ein Betrag in dieser Höhe war ursprünglich auch in einem Strafbefehl wegen Hehlerei gestanden, den der 46-Jährige angefochten und damit den Prozess vor dem Amtsgericht in Gang gebracht hatte. Sein Vorteil ist nun, dass er keinen Eintrag in das bisher völlig saubere Strafregister bekommt.

"Es könnte allerdings sein, dass Sie der ursprüngliche Besitzer zivilrechtlich verklagt", gab Richter Meißner dem Mann aus Amberg mit auf den Weg. Wie das dann auf internationaler Ebene vonstatten gehen könnte, wäre mutmaßlich eine gute Prüfungsaufgabe für Jurastudenten. Zumal das Fahrzeug noch immer in Amberg steht und sich seit zwei Jahren auf dem Gelände des 46-Jährigen befindet.

 
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