07.11.2019 - 09:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Es geht um die Zukunft

Mitdenken macht sich bezahlt: Wer Energie spart, spart in der Regel auch Geld. Der Amberger Umweltingenieur Florian Urmann hat Tipps für Hausbesitzer.

von Reiner Wittmann Kontakt Profil

Die Kosten für Heizung und Strom schlagen in jedem Privathaushalt kräftig zu Buche. Für den Amberger Umweltingenieur und Energieberater der Verbraucherzentrale, Florian Urmann, ist daher klar: Energieeinsparung ist das Gebot der Stunde. Wer neu baut, muss sich schon allein aufgrund gesetzlicher Vorschriften Gedanken über Energie-Standards im Haus machen. „Es lohnt sich, sich in der Planung frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt der Experte. „Es geht nicht nur um gesetzliche Vorschriften, sondern unter anderem natürlich auch um das Budget, das zur Verfügung steht, und um die Entwicklung der laufenden Betriebskosten.“

Gerade in bereits bestehenden Gebäuden lässt sich durch geeignete Maßnahmen viel Energie einsparen. Das kommt dem Geldbeutel zu Gute, aber auch dem Klima. Eine fundierte Energieberatung sei daher sehr bedeutsam. Die gebe es zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen. „Bei der sogenannten Erstberatung kommt ein Fachmann gegen eine Kostenbeteiligung von 30 Euro in das entsprechende Gebäude und macht eine Bestandsaufnahme. Neben baulicher und anlagentechnischer Aspekte gilt es bei dem Beratungsgespräch auch herauszufinden, was dem Einzelnen wichtig ist: Geht es vorrangig um ökonomische Effekte? Oder will der Bauherr beziehungsweise Hauseigentümer möglichst niedrige Emissionen erreichen, um den Ausstoß von Treibhausgasen gering zu halten? Möchte er einen hohen Grad an Unabhängigkeit? Hat er genügend Budget? Oder will er später peu à peu nachrüsten?“

Urmann empfiehlt einen Dreisprung, wie er es nennt: „Weniger, anders, besser.“ Weniger: Es geht darum, grundsätzlich weniger Energie zu verbrauchen. Anders: Diese Energie muss anders erzeugt werden als traditionell, also weg von fossilen Energieträgern, hin zu erneuerbaren Ressourcen. Besser: Es gilt, den Nutzungsgrad der erzeugten Energie zu erhöhen. „Wer ein Haus baut, muss heute standardmäßig 15 bis 50 Prozent seines Wärmebedarfs aus Erneuerbaren Energien decken“, sagt Urmann.

Typische Lösungen bei der Wärmeerzeugung seien Wärmepumpen oder Kombinationen aus Gas- oder Ölheizung mit Solarthermie. „Man sollte versuchen, schon in der Planung den voraussichtlichen Bedarf an Wärmeenergie niedrig zu halten. Das ist durch architektonische und bauphysikalische Maßnahmen möglich: Welche Form soll der Baukörper haben? Gibt es große Fensterflächen Richtung Süden und Westen, eher kleine nach Norden? Wie gut ist die Dämmung?“

Auch die Wahl des Baumaterials, Holz oder massiv, sei natürlich ein Thema. Doch: „Jedes Material hat Vor- und Nachteile. Weder ist Holz generell besser als Stein, noch umgekehrt. Holz ist im Winter gut, kann im Sommer aber tendenziell zu überhitzten Räumen führen. Stein ist dagegen ein guter Massespeicher, kann Wärme aufnehmen und später wieder abgeben.“

Gerade bei Neubauten geht es auch um Zuschüsse, die energiebewusste Bauherren abgreifen können: „Die KfW gewährt Tilgungszuschüsse auf Darlehen in unterschiedlicher Höhe, je nachdem nach welchem Energie-Standard gebaut wird. Werden lediglich die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt, gibt es keinen Zuschuss. Errichtet der Bauherr ein sogenanntes KfW-Effizienzhaus 55 kann er einen Zuschuss über 5000 Euro erhalten, für ein KfW-40-Haus 10 000 Euro und für ein sogenanntes KfW-40-Plus-Haus 15 000 Euro.“ Je kleiner die Zahl also wird, desto weniger Wärme – im Vergleich zur gesetzlichen Norm – verbraucht das Gebäude. Bei einem KfW-Effizienzhaus 40 teilweise mehr als 60 Prozent weniger als die gesetzliche Mindestanforderung. Die Zuschüsse werden dabei nicht pro Gebäude, sondern pro Wohneinheit gewährt.

„Über den Daumen gepeilt gehen wir davon aus, dass ein Energieeffizienzhaus rund zehn Prozent mehr kostet als ein Haus, das nur die gesetzlichen Auflagen erfüllt. Unterstellen wir ein Haus, das 400 000 Euro Baukosten verursachen würde, läge dann also bei 440 000 Euro. Hat es zwei Wohneinheiten, erhält der Bauherr zweimal 15 000 Euro, also zusammen 30 000 Euro, Zuschuss. Das hieße: Das Gebäude verursacht echte Zusatzkosten von 10 000 Euro. Beim momentanen Stand der Kosten für Strom und Wärme hätte es sich nach 20 Jahren wirtschaftlich amortisiert. Tatsächlich dürfen Sie aber davon ausgehen, dass Energie teurer wird, die Amortisation also früher eintritt. Das ist freilich nur eine grobe Überschlagsrechnung, sie macht aber die grundsätzliche Überlegung deutlich und zeigt: Energieeinsparmaßnahmen rechnen sich in aller Regel über kurz oder lang.“

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Wohngebäuden in Deutschland liege bei 80 bis 120 Jahren. „Selbst bei einer 20-jährigen Amortisationszeit verbleiben immer noch 60 bis 100 Jahre, in denen der Hausbesitzer den Geldbeutel, die Ressourcen und die Umwelt schont.“

Das Thema Amortisation sollte aber differenziert betrachtet werden, ergänzt Urmann: „Bei der wirtschaftlichen Amortisation geht es um die Frage: Wann hat man die Mehrkosten wieder herinnen? Hierbei kommen oft Jahre heraus. Bei der energetischen Amortisation will man wissen: Wie lange dauert es, bis der zusätzliche Energieaufwand für die dickere Dämmung oder die zusätzliche Glasscheibe eingespart ist? Hier liegen wir häufig bei drei bis sechs Monaten. Bei der ökologischen Amortisation stellt sich die Frage so: Ab wann profitiert die Umwelt, das Klima, der Planet davon? Hier sind die Zeiträume nochmal kürzer und wir reden von Tagen.“

Verbesserungs- und Einsparpotenziale hängen aber immer vom Einzelfall ab: „Nichts lässt sich über einen Kamm scheren.“ Urmann empfiehlt daher Bauherren und Hauseigentümern eine neutrale Beratung, so wie sie die Verbraucherzentralen anböten: „Für Bestandsbauten sollte ein Vor-Ort-Termin vereinbart werden. Wir nehmen das Haus in Augenschein, benennen erkannte Probleme und geben einen schriftlichen Kurzbericht mit Lösungsvorschlägen ab.“

In Neubaugebieten sollte Urmanns Auffassung nach auch an Quartierslösungen gedacht werden: „Ein gemeinschaftliches Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme erzeugt, kann für alle Beteiligten sinnvoll sein. Flächen dafür müssten aber im Bebauungsplan der Kommune vorgesehen sein.“

Weitere Informationen bei der Verbraucherzentrale Bayern:

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