26.10.2020 - 14:20 Uhr
AmbergOberpfalz

„Die Geister, die ich rief“ begeistert im Amberger Stadttheater

Das ist schon etwas Besonderes: Wenn über 60 Minuten spannende Ruhe im Stadttheater herrscht, wenn eine atemlose Aufmerksamkeit spürbar ist, dann muss tatsächlich etwas Besonderes geboten sein.

„Die Geister, die ich rief“ – das waren Balladen in Wort und Musik mit Heiko Ruprecht (Wort) und Veronika Ponzer (Musik), die begeisterten.
von Helmut FischerProfil

Etwas ganz Besonderes bot eine Veranstaltung der Amberger Stadtbibliothek im Stadttheater mit dem Titel "die Geister, die ich rief". Balladen von Goethe und Schiller, die (eigentlich) jeder aus der Schule kennt, wurden kombiniert mit Harfenklängen zwischen den jeweiligen Balladen. Heiko Ruprecht und Veronika Ponzer waren die beiden Künstler, die das Publikum mit ihren Präsentationen fesselten. Der Schauspieler Heiko Ruprecht, bekannt aus der Fernsehserie "Der Bergdoktor" trug die Balladen vor. Nein, er trug sie nicht vor, er machte die Dramatik der geschilderten Handlungen lebendig. Ausgewählt hatte er die Goethe-Balladen "Der Zauberlehrling", den "Erlkönig" und "Der König von Thule", sowie von Schiller, im Wechsel zu den Goethe-Balladen "Der Ring des Polykrates" sowie "der Taucher" und "Die Bürgschaft" und "Der Handschuh". Seine wandlungsfähige Rezitation, gepaart mit sparsamen Gesten, zog das Publikum sofort in den Bann der deutschen Klassiker. Sein "Erlkönig" faszinierte durch die sprachliche Nuancierung der verschiedenen Personen: Die immer sorgenvoller klingende Beruhigung des Vaters, die zunehmende fiebernde Fantasie des Jungen und die sich steigernde Forderung des Erlkönig, sie wurden sprachlich unglaublich plastisch geschildert. Gewaltig in der Dramatik des Geschehens die Präsentation von Schillers "Der Taucher", und unglaublich fesselnd "Die Bürgschaft". Der Sprecher vermochte es, die Situationen der Handlungen, die Charakterisierung der Akteure und die so unterschiedlichen "Schlusspunkte" der Erzählungen in einer fast körperlich spürenden Intensität zu vermitteln. Das war "Sprachkunst" auf ganz hoher Stufe.

Diese hohe künstlerische Stufe wurde von der Harfenistin Veronika Ponzer musikalisch weitergeführt und instrumental "überhöht". Ihr feinfühliges, gleichermaßen sensibles wie virtuos so selbstverständliches Spiel zeichnete die gesprochenen Erzählungen musikalisch nach. Dazu hatte sie Kompositionen aus der romantischen Musikepoche ausgewählt. Diese klangliche "Nachzeichnung" wurde beispielsweise nach dem "Erlkönig" bei einem Impromptu von Fauré so deutlich. Düstere, verstörende Klänge, fast kindlich fragende Passagen mit schnellen Läufen und verklingenden Akkorden ließen die Dramatik des Geschehens nachwirken. Das Gleiche nach dem "Taucher" bei "La Source" von Alphonse Hasselmans. Als nach dem abschließenden "Handschuh" in einer Sonate von Godefroid der Gassenhauer "Mein Hut, der hat drei Ecken", verschlüsselt zu hören war, da war auch das eine Fortführung der (kurzen) Schlussballade. Das Publikum zeigte seine Begeisterung mit einem fast euphorischen langen Schlussapplaus

Furioser Auftritt im Stadttheater

Amberg
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