Welche Rolle spielte dieser 42-Jährige in der Hierarchie einer offenbar vom Bosporus aus gesteuerten und in ganz Deutschland operierenden Betrügergruppe? Als man ihn aus der U-Haft vorführte, ließ der Vater dreier Kinder übersetzen: "Ich bin gezwungen worden, da mitzumachen." Vor dem Amberger Schöffengericht wurde von ihm eine Geschichte erzählt, die von jemandem handelte, der in München wohnte, ein ehrenwertes Kaffeehaus betrieb, sich von einem Landsmann 5000 Euro lieh und der, als nicht alles sofort mit 2000 Euro Zinsen zurückgezahlt werden konnte, "keine andere Wahl hatte, als mitzumachen."
Der Geldgeber in München soll die Schraube im Lauf der Zeit noch etliche Umdrehungen enger angezogen haben. "Sie haben mir Bilder meiner Kinder gezeigt und gedroht, dass denen etwas zustößt, wenn ich die Aufträge nicht erfülle", hörte die Gerichtsvorsitzende Kathrin Rieger. Zu diesem Zeitpunkt des Geständnisses war nach einem Rechtsgespräch zwischen den Richtern, Pflichtverteidiger Andreas Lösche und Staatsanwalt Sebastian Eckl bereits klar: Bewährung konnte es für den Angeklagten nicht geben. Ihm war für seine gewerbsmäßigen Betrügereien eine Gefängnisstrafe zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren in Aussicht gestellt worden. Also keine erhoffte Freilassung nach sieben Monaten Untersuchungshaft.
"Hatte keine andere Wahl"
Der 42-Jährige ("Ich hatte keine andere Wahl") war nach eigenen Angaben im September letzten Jahres von München aus losgeschickt worden, um bei Autoverleihfirmen Fahrzeuge anzumieten. Zur Debatte standen jetzt sechs einzelne Fälle. Der erste ging am 15. September 2022 um 13.40 Uhr in der Stadt Schwandorf vonstatten. Der Mann legte einen total gefälschten Personalausweis vor, händigte einen ebenfalls perfekt nachgemachten falschen Führerschein aus und zahlte mehrere Hunderter auf die Mietgebühr an. Dann fuhr er mit dem BMW davon. Das Auto bekam später für 67.500 Euro per Internetannonce einen neuen Besitzer. Mit echt aussehenden Papieren.
Es gab weitere Aufträge für den angeblich zu unrechtem Handeln gezwungenen Familienvater. Er wurde in Oberschleißheim bei München tätig, tauchte bei einem Autoverleiher in Regensburg auf, holte innerhalb von 90 Minuten in Heidelberg zwei Sprinter-Transporter und wurde nach Vaihingen an der Enz (Baden-Württemberg) geschickt. Dort endete die Betrugstour mit einer Festnahme durch die Kripo. Beamte sahen im Computer nach und merkten, dass nach der Straftat in Schwandorf ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Amberg bestand. Daraufhin wurde der 42-Jährige in die Oberpfalz gebracht.
Wert rund 170.000 Euro
Einer der in die Diskussion gelangten Fälle wurde jetzt eingestellt, weil der Beschuldigte darauf beharrte, dass "ich dort nicht war". Womit sich der Wert erbeuteter Fahrzeuge auf rund 170.000 Euro summierte. Sie waren Bestandteil gleichgelagerter Vorgehensweisen in ganz Deutschland mit Verlustanzeigen in Millionenhöhe. Im Amberger Prozess erfuhr man jetzt: Zahlreiche Kriminaldienststellen räumten in den Reihen der Bande auf und brachten etliche Mitglieder der kriminellen Vereinigung hinter Gitter. Die bei Autovermietern erbeuteten Fahrzeuge wurden mit professionell gefälschten Papieren ausgestattet und an arglose Interessenten verkauft. Im Fall der jetzt in Amberg verhandelten Betrugsserie wurden zur Fälschung der Unterlagen auch Datensätze aus Österreich verwendet.
Es wird dauern, bis die drei Kinder ihren Vater wiedersehen. Das Amberger Schöffengericht verurteilte den kein Wort Deutsch sprechenden Kaffeehausbesitzer aus München zu drei Jahren Freiheitsentzug. "Das war gewerbsmäßiger Betrug", befand Richterin Kathrin Rieger. Unklar blieb, ob der 42-Jährige allein nur bei Autoverleihfirmen vorsprach. Er soll, wie mehrfach anklang, auch an den Gesprächen mit Interessenten teilgenommen haben, die über Internet zum Beispiel einen "fast neuen VW Golf" angeboten bekamen. Das Fahrzeug wurde im Wert auf über 40 000 Euro taxiert.



















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