18.05.2020 - 16:18 Uhr
AmbergOberpfalz

"Gemischte Gefühle" beim ersten Kaffee

Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und – halbvolle Cafés. Am ersten Tag nach der Wiedereröffnung der Gastro-Betriebe ist ein Stück Normalität in die Amberger Innenstadt zurückgekehrt.

Unter dem aufmerksamen Blick einer Polizeistreife und bei bestem Frühlingswetter genießen die Gäste am Marktplatz den ersten Kaffee in den nach zweimonatiger Zwangspause wieder geöffneten Gastro-Betrieben. Pro Tisch dürfen meist nur zwei Personen Platz nehmen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Bei Gastronomen wie bei den Bürgern wurde der gestrige Montag sehnsüchtig erwartet: Nach zwei Monaten Zwangspause durften Gaststätten erstmals wieder öffnen und im Außenbereich Kunden bewirten. Das Angebot wurde von vielen dankend angenommen. In der Amberger Innenstadt waren Cafés und Restaurants bereits am Vormittag gut besucht. Bei sonnig-warmem Frühlingswetter und in bester Laune genossen viele Kunden den ersten Kaffee nach dem Corona-Lockdown.

"Es ist wirklich schön, wieder hier zu sein. Früher haben wir uns regelmäßig jeden Montag getroffen." Christine Yel hat sich mit ihrer Freundin Inge Kunze zum Frühstücken im Café Lieblingsplatz verabredet. Die beiden Mütter genießen es, sich endlich wieder in Gaststätten treffen zu können. "Ich habe das schon vermisst", gesteht Yel. Die 37-Jährige findet, dass die Bedienungen trotz zahlreicher Auflagen die Lage "super im Griff" haben. "Es ist alles fast wie vorher", lobt die Ambergerin.

Zwar ist wegen des Abstandsgebots nur jeder zweite Tisch im Lieblingsplatz besetzt, doch das stört auch Inge Kunze nicht. "Für uns Mütter mit Kinderwagen ist es sogar besser, weil jetzt nicht mehr alles dicht an dicht steht", freut sich die 33-Jährige über das größere Platzangebot.

Es ist wirklich schön, wieder hier zu sein.

Inge Kunze (33)

Inge Kunze (33)

Kritik an Datenerfassung

Auch Wolfgang Ignatz ist froh, endlich wieder Gaststätten besuchen zu dürfen. Gemeinsam mit seinem Bekannten Reinhard Schmid sitzt der 55-jährige Kümmersbrucker bei einem Cappuccino im Café Zentral. "Wir sind alte Wirtshausfreunde, das ist unser erstes Treffen seit sechs Wochen. Der Mensch braucht einfach den sozialen Kontakt und die direkte Kommunikation. Eine Videokonferenz am PC kann das nicht ersetzten", sagt Ignatz.

Sein Begleiter Reinhard Schmid ist aber mit "gemischten Gefühlen" ins Café Zentral gekommen. "Ich bin gerne hier, aber an die ganzen Restriktionen muss man sich erst mal gewöhnen", sagt der 60-Jährige. Auch die strengen Vorgaben hält Schmid für "ein bisschen übertrieben". Besonders die akribische Erfassung der Kontaktdaten jedes einzelnen Gastes durch die Bedienungen gefallen ihm nicht. "Ich weiß nicht, ob das gerechtfertigt ist." "Abstand halten und Mundschutz tragen wäre eigentlich ausreichend", pflichtet ihm Ignatz bei.

Reinhard Schmid (links) und Wolfgang Ignatz haben es vermisst, sich zu einem Frühstücks-Kaffee zu treffen. Manche der Vorschriften halten die beiden Freunde aber für übertrieben.

Frühstück im Englischen Garten

Ein paar Straßen weiter hat sich Josef Köferl im Eiscafé Rossini einen Frühstücksteller bestellt. Für den selbstständigen Landschaftsgärtner ist der Besuch in dem Lokal im Englischen Garten ein liebgewonnenes Ritual, das durch Corona unterbrochen wurde. "Ich habe mir extra eine Stunde Auszeit genommen, um hier in Ruhe zu essen. Frühstück, Kaffee, dazu eine gute Zigarre und Zeitung lesen - ich habe das schon sehr vermisst", freut sich der 58-Jährige über die Wiedereröffnung seines Stammlokals.

Für die Corona-Maßnahmen hat der Amberger Verständnis: "Die Bedienung hat meine Telefonnummer und die Adresse aufgeschrieben. Aber das ist okay."

Auch die Vertreterin der Rossini-Geschäftsleitung, Birgit Spangler, ist mit dem Start des Bewirtungsbetriebs zufrieden. "Wir sind gut vorbereitet, alles läuft in seinen Bahnen", freut sich die 52-Jährige. Obwohl die Auflagen streng seien, würden die Kunden keine Probleme bereiten. "Jeder muss sich mit der Situation arrangieren, wir müssen das Beste daraus machen."

Josef Köferl (58) freut sich im Eiscafé Rossini im Englischen Garten auf ein Frühstücken mit Kaffee und Zigarre. Für den ersten Besuch nach zwei Monaten geschlossener Gastro-Betriebe hat sich der selbstständige Landschaftsgärtner extra eine Auszeit genommen.

Security am Vatertag

Von ursprünglich 150 Sitzplätzen kann das Rossini momentan nur circa 90 anbieten, sagt Spangler. Auch Gäste ohne Reservierung seien willkommen. Sorgen bereitet der stellvertretenden Geschäftsleiterin lediglich der bevorstehende Vatertag. "Das Wetter wird schön, und wenn dann hundert Leute anstehen, auf einen Platz warten und ich soll dafür sorgen, dass der Abstand eingehalten wird, das kann anstrengend werden." Spangler überlegt deshalb, zumindest an Christi Himmelfahrt einen Security-Mann anzustellen, um auch bei großem Andrang die Regeln einhalten zu können.

Im Eiscafé Rossini warten Kunden am Eingang zur Terrasse, bis ihnen die Bedienung einen Platz zuweist. Besonders am Vatertag erwartet das Lokal einen großen Andrang.

Die Wirte im Landkreis Amberg-Sulzbach haben die Vorbereitungen für die Wiederöffnung abgeschlossen. Sie sind genervt und erfreut zugleich, dass die ersten Kunden wieder kommen.

Amberg
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