17.05.2020 - 09:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg-Sulzbacher Wirte in den Startlöchern: Gastro-Öffnung mit Spannung erwartet

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Keine freie Platzwahl, Maskenpflicht, Datenerfassung aller Kunden: Wenn am Montag nach langer Zwangspause der Gastro-Betrieb im Freien wieder anläuft, ist kaum etwas wie vor Corona. Die Wirte sind genervt und erfreut zugleich.

Ab Montag, 18. Mai, ist die Bewirtung von Gästen im Freien wieder erlaubt. Der Chef des Café Kult, Norbert Stöckl (rechts) glaubt, dass das Geschäft nur langsam wieder anlaufen wird. Wie in den vergangene Wochen wird es auch künftig Essen zum Mitnehmen geben.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Kunden wie Gastronomen haben seit Wochen auf den 18. Mai gewartet: Pünktlich zur Vatertagswoche mit bester Wetterprognose dürfen Gastro-Betriebe wieder Kunden bewirten. Jedoch nur bis 20 Uhr, nur mit Mundschutz und Sicherheitsabstand, nicht mit freier Platzwahl, meist nur mit Reservierung und auch nur mit akribischer Erfassung aller Daten der Kunden. Trotz aller Vorfreude - die Liste an Einschränkungen und Auflagen zeigt, dass im Gastrogewerbe vorerst nichts sein wird wie gewohnt.

Kolumne "Virus und wir": Auf ein Radler hinterm Mundschutz

Amberg

Rentiert sich der Aufwand dann überhaupt noch? "Vom Umsatz her bringt es gar nichts. Wir können lediglich zeigen, dass wir wieder da sind", sagt der Betreiber des Cafe Kult in Amberg, Norbert Stöckl. "Ich brauche mehr Personal, habe weniger Sitzplätze zur Verfügung und weniger Einnahmen. Aus den roten Zahlen werden wir erst mal nicht rauskommen." Trotzdem freut sich der 51-Jährige mit seinem gesamten Team auf die Öffnung: "Wir sind Gastgeber mit Herz und Seele und wollen den Leuten guten Service bieten." Dennoch befürchtet der Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes unzufriedene Gäste wegen der strengen Auflagen. "Wenn wir um 20 Uhr schließen müssen und die Sonne scheint noch, das wird bestimmt Murren geben."

Die Lage der Wirte im Kreis Tirschenreuth

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"Murren" wegen Datenschutz

Auch, dass die Kontaktdaten sowie die Uhrzeit der Anwesenheit eines jeden Gastes akribisch erfasst werden müssen, könnte nicht jedem gefallen, vermutet Stöckl: "Datenschutz spielte zuletzt eine immer größere Rolle - und jetzt soll jeder alle Daten preis geben wegen eines Kaffees? Das wird das zweite Murren geben."

Wegen einer "leichten Preisanpassung" bittet der Restaurantbetreiber die Kunden um Verständnis. "Das Personal bekommt einen Bonus wegen der ganzen Belastungen. Und ich selbst bin seit acht Wochen ohne Einkommen. Als Selbstständiger habe ich kein Kurzarbeitergeld." Auch die Lebensmittelpreise, zum Beispiel für Gemüsen seien teurer geworden. "Das kommt jetzt nicht mehr aus dem Ausland und ist deshalb deutlich teurer."

Im Brauwirtshaus Bruckmüller wähnt sich Junior-Chef Thomas Forster gut vorbereitet auf die Öffnung. "Wir haben die ruhige Zeit genutzt, Instandsetzung gemacht und eine Grundreinigung. Jetzt hoffen wir auf ein gutes Geschäft. Man merkt, die Leute wollen wieder raus." Stammtisch-Kunden oder Kartenspieler-Runden seien schon ungeduldig, berichtet Forster.

Bruckmüller bei Verstößen rigoros

Die letzten Vorbereitungen laufen auch im Biergarten des Bräuwirtshaus Bruckmüller auf Hochtouren. Junior-Chef Thomas Forster ist froh, endlich öffnen zu können und hofft besonders am Vatertag auf schönes Wetter - und viele Gäste.

Besucher des Bruckmüller-Biergarten müssen sich aber auf Änderungen einstellen: Maximal vier Gäste dürfen an einem großen Doppeltisch sitzen, am Eingang gibt es Desinfektionsmittel, Mitarbeiter tragen durchgängig Masken. "Wer sich nicht an die Regeln hält, den müssen wir im schlimmsten Fall rauswerfen. Wir sind da rigoros, denn wenn eine Kontrolle kommt, kann es für uns teuer werden."

Forster vermutet, dass das Geschäft erst wieder langsam anläuft - und auch der Umsatz weit hinter alten Zeiten zurück bleibt. "Schlechte Zeiten gleichen wir normal mit Festen aus. Aber das Altstadt- und das Bergfest fällt weg und auch das Bockbierfest war stark verkürzt. Das spüren wir enorm." Der Junior-Chef setzt deshalb besonders auf den großen Kreis an Stammkunden und Gäste an Christi-Himmelfahrt.

Gasthof Kopf bestuhlt Rasenfläche

Andreas Kopf vom gleichnamigen Gasthof in Altmannshof blickt optimistisch auf die Wiederöffnung seines Lokals. Ihn treffen die Beschränkungen weniger hart als Wirte in der Stadt. "Die Abstandsregelung ist für mich kein großer Aufwand. Ich habe ein großes Gelände und kann ausweichen." Kopf will neben seiner Terrasse auch die gesamte Rasenfläche bestuhlen. "Von ursprünglich 220 Sitzplätzen biete ich mindestens 150 an", sagt er.

Für den erwarteten Andrang am Vatertag wähnt sich der 50-Jährige gut vorbereitet. "Wir haben keine Tischdecken mehr, damit sich keine Viren im Stoff festsetzen. Salz- und Pfefferstreuer sind weggeräumt, die Speisekarten wurden extra laminiert, damit man sie gut abwischen kann." Kopf freut sich, endlich wieder arbeiten zu dürfen. "Ich bin Gastwirt mit Leib und Seele und kann es kaum erwarten."

Trotzdem klagt auch der Altmannshofer über schwere Einbußen der vergangene Monate. "Mir sind bisher rund 30 Kommunionen entgangen, 25 Geburtstage mussten abgesagt werden und 10 Hochzeiten hängen in der Schwebe, weil Großveranstaltungen bis August verboten sind", berichtet der Gastwirt.

Im Gasthaus Kopf in Altmannshof freut sich Inhaber Andreas Kopf auf die ersten Gäste: Die dürfen sich aber nicht einfach hinsetzen – die Plätze im großen Biergarten werden zugewiesen, weil die Kontaktdaten erfasst werden müssen.

Die Stadt Amberg will den Wirten mit mehr Freischankflächen in der Innenstadt helfen - doch das hilft den meisten nicht.

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