Amberg
14.04.2022 - 14:44 Uhr
OnetzPlus

Die Geschichte des Hotel Gall ist endgültig vorbei

Über Jahrzehnte hinweg war das Gasthaus und Hotel Gall in Amberg eine der ersten Adressen der Stadt. Hier trafen sich Familien, Vereine und Menschen, die einfach nur gut essen wollten. Doch jetzt ist das Gall endgültig Geschichte.

Unzählige Ambergerinnen und Amberger, die in den 1960er und 70er Jahren ihre Kommunion gefeiert, geheiratet oder einen runden Geburtstag gefeiert haben, erinnern sich daran, dass das Fest im Gasthof Gall in der Sulzbacher Straße über die Bühne gegangen ist. Das Gall war damals eines der ersten Häuser der Stadt, hier traf man sich zu Familienfeiern, hier hielten Vereine ihre Jahreshauptversammlung ab und hier konnte man überhaupt gut essen. Oder in den freundlichen Fremdenzimmern übernachten.

Doch irgendwann war Schluss mit der Herrlichkeit im Gall. Die Gaststätte machte zu, vorübergehend zogen Asylbewerber hier ein. Doch auch diese Phase währte nur ein paar Jahre, dann stand das Gall einfach nur noch leer. Jahrzehnte lang. Die Bausubstanz zerbröselte allmählich, immer mehr drang auch die Natur in das maroder werdende Gemäuer ein. Aufsehen erregte der Gasthof Gall noch einmal 2010, als ein Bauarbeiter auf der Suche nach einem Stück Isoliermaterial im Keller des Hauses eine Leiche fand. Wie sich später herausstellte, war der Obdachlose eines natürlichen Todes gestorben.

Zuletzt zwei Besitzerwechsel

Vor einigen Jahren wechselte das Anwesen dann den Besitzer. Ein Unternehmer aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach wollte das Gall wegreißen und durch ein neues Wohngebäude ersetzen. Allerdings erließ der Amberger Stadtrat Ende 2018 eine Veränderungssperre für den weiteren Bereich, in dem das Gall steht. Diese Veränderungssperre ist zwar inzwischen längst abgelaufen, doch passierte an der Sulzbacher Straße erst einmal nichts. Bis in diesem Jahr ein Investor aus dem Landkreis Schwandorf das Grundstück samt Gebäude erwarb. Seit einigen Wochen liefen nun die Vorbereitungen für den Abbruch des Gasthofs Gall, seit einigen Tagen machen die Abbruchbagger der Firma Englhard ernst und das Gebäude dem Erdboden gleich.

Wie Susanne Schwab, die Pressesprecherin der Stadt Amberg, auf Nachfrage mitteilt, wurde das Gebäude vor dem Abbruch natürlich auf seine Denkmaleigenschaften hin untersucht. "Wegen der zahlreichen Umbauten konnte aber nichts mehr festgestellt werden", so Schwab. Damit sei ein "verfahrensfreier Abriss" des Gall möglich geworden. Ihren Informationen nach plant der Investor, anstelle des ehemaligen Gaststätten-Gebäudes zwei Mehrfamilienhäuser zu bauen. Die werden laut Schwab jeweils zwei Vollgeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss beinhalten: "Jedes der beiden Häuser wird sechs bis acht Wohnungen beinhalten."

Entspricht künftigem Bebauungsplan

Die jetzige Entwicklung entspricht laut Susanne Schwab auch dem bereits angedachten Bebauungsplan für dieses Areal, der bisher aber noch nicht angefangen worden sei. Mit dem Ablauf der Veränderungssperre von 2018 sei die Neubebauung an dieser Stelle damit problemlos möglich.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.