28.04.2020 - 10:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Geschlossene Fitnessstudios: Wie Betreiber mit dem Coronavirus umgehen

Die Branche weiß nicht, wann wieder so etwas wie Normalität herrscht: Die Coronapandemie hat bundesweit Fitnessstudios zur Schließung gezwungen. Zwischen Zweckoptimismus und Erfindungsreichtum: Zwei Betreiber erzählen von ihren Plänen.

Wolfgang (links) und Raphael Fuchs betreiben ein Fitnessstudio in Amberg. Sie nutzen die Zeit während der Coronapandemie, um die Räume zu streichen, einen neuen Boden zu verlegen und die mehr als 80 Geräte zu warten.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Die mehr als 80 Fitnessgeräte sind in die Raummitte gerückt worden. Es ist eng und es liegt noch ein Geruch von frischer Malerfarbe in der Luft. Wolfgang (58) und Raphael Fuchs (27) mussten vor gut sieben Wochen ihr Fitnessstudio in Amberg schließen. Jetzt nutzen sie die Zeit, in der wegen des Coronavirus die Mitglieder nicht mehr kommen dürfen, für Renovierungsarbeiten, die Wartung von Geräten sowie kleineren Umbauten. Neue Sanitäranlagen, ein neuer Boden für den Cardiobereich und die Umgestaltung der Umkleiden: „Es war klar, dass die Schließung länger dauert“, sagt Raphael.

Beste Wünsche von treuen Mitgliedern

Die Kunden bleiben weg, doch die Kosten bleiben weiterhin. „Es ist ungewiss, was die Zukunft bringt“, sagt Wolfgang. Das familiengeführte Studio postete daher auf seiner Facebookseite: „Wir sind auf euren Zusammenhalt und eure Hilfe in dieser schweren Zeit angewiesen.“ Man habe trotz Umsatzausfällen und weiterlaufende Fixkosten zu decken. „Ich spreche offen mit Euch, wir – als kleiner familiärer Betrieb – sehen uns daher in Existenzbedrängnis gebracht, weil wir nicht wissen, wie es weiter gehen soll, zumindest nicht mit einem kleineren Kundenstamm als andere. Ich appelliere an Euch, dass Ihr bitte nicht die Beiträge zurücklaufen lasst. Wir benötigen diese um auch weiterhin unser Studio aufrechterhalten zu können.“

Manche probieren, sich zu Hause fit zu halten

Deutschland und die Welt

Einen Termin, wann nach den Friseuren, Buchhandlungen und Fußpflegern auch die Fitnessstudios wieder mit Hygienevorschriften ihre Türen öffnen dürfen, gibt es (bislang) nicht. „Ob Kette oder inhabergeführt: Jetzt geht es um die Existenz aller Anbieter“, sagt Raphael. Die Mehrheit seiner Mitglieder will treu bleiben und verlangt kein Geld zurück. „Je länger aber die Phase dauert, umso schwieriger wird es“, glaubt Wolfgang.

Die Dutzenden Anrufe und Nachrichten von Stammkunden bauen die auf. „Viele wünschen uns alles Gute und freuen sich, wenn wir wieder öffnen dürfen.“ Teilweise seien Mitglieder schon seit 30 Jahren dem Studio treu. „Da möchten wir uns bedanken.“ Die zwei überlegen sich, wie man die trainingsfreie Zeit während Corona im Anschluss entschädigen könnte.

Eine Übersicht mit allen Fragen und Antworten zu Corona

Deutschland und die Welt

Sollte demnächst ein offizieller Termin zur Wiederöffnung genannt werden, „sind wir über Nacht bereit“, sagt Wolfgang. Denn die Mindestabstände zwischen den Mitgliedern könnten problemlos eingehalten werden. „Wir sind ein kleines Studio. Schon vor Corona waren wir nicht überlaufen.“ Zudem sei Hygiene beim Fitnesstraining sowieso das A und O.

So ganz verstehen Wolfgang und Raphael Fuchs aber nicht, weshalb die bayerische Staatsregierung ihre Branche für nicht so relevant hält, dass sie bei den ersten Lockerungsrunden dabei ist. „Manche Menschen können nicht laufen gehen, sich aufs Fahrrad setzen oder zu Hause Sport machen. Wir haben viele Kunden, die wir orthopädisch betreuen. Sie sind auf unsere Geräte angewiesen.“

Allein und doch in der Gruppe

So ähnlich sieht das auch Katharina Engelhardt. Sie bietet in Heringnohe bei Vilseck Gruppenfitnessangebote in einem 100 Quadratmeter großen Kursraum an. Vor Corona kamen ihre Kunden hierher, um bei Bodystyling, Jumping-Fitness, an den TRX-Bändern ins Schwitzen zu kommen. Seit 16. März ist der Standort geschlossen. „Nach dem Schock habe ich gleich überlegt, was ich unternehmen kann. Bloß nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagt sie energisch.

Seitdem bietet sie nahezu alle Arten – bis auf Aquafitness oder Seniorenangebote – über einen Livestream für Zuhause an. Der Stundenplan wechselt wöchentlich. „Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir uns fit halten, Sport treiben und in Bewegung bleiben. Das ist ein wesentlicher Faktor, sonst fährt man sein Immunsystem nach unten.“

Ministerpräsident Söder stellt weitere Lockerungen in Aussicht

Deutschland & Welt

Sie sein ein wenig überrascht gewesen, wie gut ihre Kunden das Angebot annehmen. Diese Woche verleiht und verteilt sie an die Kursteilnehmer Trampolins und Fitnessbänder, für Kurse, die nun starten. Kontaktlos und vor die Haustür geliefert. „Corona macht erfinderisch. Anders kommt man nicht über die Runden“, sagt Engelhardt.

Trainer kann via Kamera eingreifen

Wobei über die Runden: Natürlich habe sie Ausfälle. Das Liveangebot ist ein Service für ihre Kunden, das „ein bisschen Geld hereinspült“. Das Training im Kursraum kann es auch finanziell nicht ersetzen. „Die Fixkosten sind eins zu eins die gleichen geblieben.“

Trotz der vielen Gruppenfitnessangebote im Internet sieht Engelhardt ihren Vorteil darin, dass sie ihre Kunden kennt. „Ich weiß, wer Probleme mit seiner Schulter oder dem Knie hat“, erklärt sie. So könne sie bei Übungen eingreifen und korrigieren. Denn Engelhardt sieht, wenn der Kunde seine Kamera einschaltet, wie die Gruppe trainiert. „Das motiviert meist mehr und man verliert nicht so schnell die Lust wie bei den Videos, die es zuhauf im Internet gibt.“

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.