19.12.2019 - 08:00 Uhr
AmbergOberpfalz

In geselliger Runde

Ein Prost auf die neue und die alte Heimat: Zugereiste und Ur-Amberger treffen sich regelmäßig zum Zugroasten-Stammtisch

Prost, Oberpfalz:: Zugroasten-Stammtisch beim "Schloderer" in Amberg.
von Autor EWAProfil

So einen Stammtisch hätte ich mir schon vor zwanzig Jahren gewünscht", sagt Stefan Boxdorfer und nimmt einen Schluck von dem guten Dunklen, das direkt hier im Wirtshaus gebraut wird. Damals hätte der gebürtige Franke noch von einem "Seidla" gesprochen, heute trinkt er ein "Seidel" - so wie alle in der Oberpfalz.

Nach zwei Jahrzehnten in seiner neuen Heimat ist er inzwischen nicht nur mit dem Dialekt vertraut, sondern weiß auch die Vorzüge des nordbayerischen Regierungsbezirks zu schätzen. "Die Leute hier habe ich von Anfang an als sehr offen kennengelernt", erzählt der Studiendirektor. "Das hat mich am meisten überrascht. Ich wurde sofort überall herzlich aufgenommen - und das ist heute noch so."

Jeder willkommen

Auch beim Amberger Zugroasten-Stammtisch, der sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr beim "Schloderer Bräu" trifft, werden alle herzlich aufgenommen. "Ob Zugezogene, Rückkehrer oder Alteingesessene, bei uns ist wirklich jeder willkommen", erklärt Katja Körtge, die zusammen mit Kollegin Christina Gerl vor rund einem Jahr die Idee zu dieser geselligen Runde hatte.

"Irgendwelche Verpflichtungen gibt es bei uns nicht. Es kann jeder kommen, wenn er Lust und Zeit hat. Man lernt hier neue Leute kennen, findet Gleichgesinnte für bestimmte Hobbys oder Unternehmungen - oder verbringt eben einfach einen schönen Abend." Verständnisprobleme gibt es keine. "Die meisten sprechen hier sowieso ein gepflegtes, urbanes Hochoberpfälzisch."

Die Kulturmanagerin, die selbst vor sechs Jahren aus Baden-Württemberg nach Amberg kam, lacht und nimmt einen Schluck aus ihrem "Seidel".

Bewusst geblieben

Inzwischen hat auch sie sich bestens eingelebt. "Ich habe auch viele andere Zugroaste kennengelernt, die zunächst wegen des Jobs hierherkamen - und dann ganz bewusst geblieben sind. Denn man hat hier eine enorme Lebensqualität." Das kann auch Simon Hauck bestätigen. Der freie Journalist verlegte seinen Wohnsitz letztes Jahr von München nach Amberg und ist immer wieder aufs Neue positiv überrascht.

"Früher dachte ich ja nur an Regensburg, wenn von der Oberpfalz die Rede war", erzählt er. "Alles weiter nördlich war sozusagen Terra incognita. Jetzt stelle ich immer wieder fest, was für ein wahnsinniges Potenzial hier da ist. Und es passiert gerade so viel!"

"Von wegen nix los ", meint Christina Gerl, die nach einigen Jahren in München und Berlin in die alte Heimat zurückgekehrt ist, und schüttelt verständnislos den Kopf "Ich hatte wirklich noch nie das Gefühl, dass hier nichts geboten ist. Man kann jeden Abend etwas anderes machen, wenn man möchte. Wir haben ein kulturelles Angebot, das wahnsinnig vielfältig ist."

Dazu käme die Natur, die direkt vor der Haustür liegt. "Hier gibt es so viel Wald, man kann tatsächlich noch die Ruhe genießen", schwärmt Simon Hauck. "Das genieße ich inzwischen so richtig. Ich muss sagen, eigentlich fühle ich mich schon jetzt absolut zu Hause." Und dabei erinnert er sich noch allzu gut daran, wie sehr ihn seine Münchner Bekannten vor dem kargen Landstrich gewarnt haben. "Die konnten gar nicht verstehen, was einen in die Oberpfalz treibt."

Dafür verstehen ihn seine neuen Freunde vom "Zugroasten-Stammtisch" umso besser. Weg möchte hier so schnell keiner mehr, ganz im Gegenteil. Dafür ist immer wieder von Ankommen die Rede, von alter und neuer Heimat - und von ganz viel Herzlichkeit.

"Ich habe noch nie verstanden, warum sich die Oberpfälzer oft so klein machen", überlegt Simon Hauck. "Diese Vielfalt, die hier herrscht, könnte man viel besser verkaufen. Aber vielleicht will das auch gar keiner, denn sonst wäre es ja mit der herrlichen Ruhe vorbei."

Doch bevor es auch am Stammtisch wieder ruhig wird, wird erst noch eine neue Runde von dem guten Dunklen bestellt. Nicht umsonst ist Amberg schließlich Bierstadt.

Prost also, auf die alte und die neue Heimat, die hier alle so ins Herz geschlossen haben. Und auch Stefan Boxdorfer hebt noch einmal sein "Seidla", das inzwischen "Seidel" heißt.

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