12.12.2019 - 16:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Getanzte Gefühle in "Das Schöne und das Biest"

Das Rumänische Staatsballett präsentiert "Die Schöne und das Biest" in Amberg. Vor allem eine Figur verzaubert das Publikum.

Das Rumänische Staatsballett führt "Die Schöne und das Biest" im Stadttheater Amberg auf.
von Helmut FischerProfil

"Die Schöne und das Biest": Die Geschichte gibt es als Märchen, als Film, als Musical und eben auch als Ballett mit der Musik von Peter Tschaikowski. Das Rumänische Staatsballett führte dieses Märchen auf sehr hohem Niveau im Amberger Stadttheater auf - leider bei nur mäßiger Publikumsresonanz.

Wenn es eine kreative Choreographie schafft, menschlichen Ausdruck, Leidenschaft, Liebe und Schmerz, Wut und Verzweiflung und viele emotionale Zwischentöne so umzusetzen, dass sie die Geschichte plastischer darzustellen vermag als es der menschlichen Sprache möglich ist, dann ist ihr ein wahrhaft großer Wurf gelungen. Dieses Kunststück gelang dem Choreografen des Rumänischen Staatsballetts, Horatio Chereches. Er zeichnete auch für Libretto und Regie und das Lichtdesign verantwortlich und wurde von einem variablen Bühnenbild und einer Ausstattung (Natalia Kornikowa) unterstützt, die ein märchenhaftes Flair schafften und den passenden Raum für Tänzer gab.

Tänzer große Klasse

Die Handlung wurde von den Akteuren in starken Bildern dargeboten. Seien es die Szenen im Palast des Prinzen, das Leben auf dem Bauernhof des verarmten Kaufmanns oder die unterschiedlichen Stationen im Wald - sie wurden getanzt mit soviel Leben, soviel Bewegung erfüllt, dass man stets die Handlung gegenwärtig hatte. Und die Leistung der Tänzer war große Klasse, teilweise atemberaubend in ihren akrobatischen Anforderungen, begeisternd in der Eleganz der Darbietungen, immer aber von einer unglaublich dichten Darstellung der Emotionen geprägt. Häufiger Szenenapplaus war das Zeichen dafür.

Diese Geschichte fesselte und bewegte, auch durch die großartige Musik von Tschaikowski. Ob aus seinem berühmten Klavierkonzert "zitiert" wurde, der "Valse sentimentale" unterlegt war, verschiedene Sätze aus seiner Symphonie "Pathétique" erklangen, oder der sinnliche Walzer aus "Eugen Onegin" das Biest und Belle zueinander führte, stets passte die Musik genau zum Tanz.

Eindrucksvoll auch die geschickte Wandlungsfähigkeit der Bühnenbilder sowie der kritischen Szenen. Wie die Verwandlung des hochmütigen Prinzen in "das Biest" durch die respekteinflößende Fee erfolgte, das war absolut gekonnt. Natürlich gab es auch einige Szenen, die wohl dazu dienten, allen Nebenfiguren Gelegenheit zur Darstellung ihres tänzerischen Könnens zu geben. Sie wirkten etwas konstruiert. Denn eigentlich umfasste das Ensemble gut 30 solistische Tänzerinnen/Tänzer.

Akrobatische Perfektion

Aus dieser Truppe ragten einige heraus. Das Biest wurde verkörpert, nein gelebt von Bogdan Birsanescu. Wie er die so unterschiedlichen Gefühlsregungen, seine Verzweiflung, seine Resignation, auch sein Werben um Belle darstellte, das war große Klasse. Der Prinz (Adrian Mihaiu) stand ihm in Eleganz und akrobatischer Perfektion nicht nach. Einfach schön der Pas de Deux mit Belle nach seiner Rückverwandlung. Belles Brüder (Steward Douglas und Keito Shimomura) glänzten durch beinahe halsbrecherische, artistische Tanzszenen. Ihre hochmütigen Schwestern erlebten durch Mayura Takase und Iguacel Sanchez Casadella die glaubwürdige Verkörperung und Mizuki Kubota hatte als getanzte Rose eine besondere Rolle. Sehr stark auch Ryan Brown als Belles Vater und die unglaubliche Bühnenpräsenz der Fee (Cecilia Ursul).

Den größten Anteil am begeisterten Schlussapplaus erhielt aber Belle. Irina Mihaiu konnte all ihre Gefühle, die Skepsis, die erwachende Zuneigung und letztlich die Liebe in einer unglaublich wandelbaren Eleganz und Faszination ausdrücken und zwar mit einer solch tänzerischen Leichtigkeit, dass die enormen Schwierigkeiten bei den Hebe-Figuren, den Sprungkombinationen, der Körperbeherrschung unsichtbar blieben. Ovationen zum Schluss, "Bravo"-Rufe: Der Zauber dieses Märchens war ganz offensichtlich auf die Zuschauer übergesprungen.

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