Sie sitzt da und lässt übersetzen: "Ich kann mich an nichts erinnern." Die 31-Jährige rastet immer dann gewalttätig aus, wenn sie Alkohol in sich hineingeschüttet oder Drogen genommen hat.
Die Frau hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie wurde vor über drei Jahrzehnten in einem Staat der ehemaligen Sowjetunion geboren und ist seit ihrer Kindheit auf Wanderschaft. Die Odyssee führte durch eine Reihe von Ländern, endete irgendwann zumindest vorläufig in Deutschland. Hier sucht sie nun eine dauerhafte Bleibe. Doch das könnte schwierig werden angesichts des Ärgers, den die 31-Jährige verursacht.
Im Gerichtssaal gaben sich Zeugen die Klinke in die Hand. Einen ganzen Tag lang. Vornehmlich Polizeibeamte, dann aber auch Rettungssanitäter und Notärzte. Sie bekamen es mit der Frau bei Notfalleinsätzen zu tun. Zum Beispiel im Amberger Asylbewerberheim, wo die 31-Jährige im Rausch für Aufregung sorgte. "Da war ziemlich viel los", beschrieb ein Polizist seine Eindrücke. Der Beamte war mit dabei, als am 17. Dezember 2018 mehrere Uniformierte kommen mussten, um die randalierende Asylbewerberin zu bändigen. Dabei wurde ein Feuerlöscher aus der Verankerung gerissen und aktiviert. Wenige Tage später mussten die Uniformierten samt Notarzt und Sanitäter wieder ausrücken. Beim Eintreffen stellte sich heraus: Ein rauschgiftsüchtiger Mann wollte ein Drogenersatzmittel. Das bekam er nicht. Daraufhin schlug er sich eine Glasflasche auf den Kopf. Anschließend wurde es turbulent: Die sich mit im Zimmer aufhaltende 31-Jährige rastete aus und mischte mächtig auf. Die Frau tobte, griff abermals zu einem Feuerlöscher und machte ihn zum Wurfgeschoss. "Das war schon heftig", erfuhr Richter Florian Meißner von einem Oberarzt. Es gab noch weitere Begebenheiten, unter anderem im Bezirksklinikum Wöllershof (Kreis Neustadt/WN) oder am Bahnhof Nabburg.
Ziemlich viel auf einmal. Doch es kam noch hinzu, dass die 31-Jährige offenbar Schmerzpflaster gekauft hatte, die rezeptpflichtig waren. Sie selbst erinnerte sich angeblich an nichts. Doch fest stand: Der Richter hatte da jemanden vor sich, der alkohol- und drogensüchtig ist. Das machte ihm während der Verhandlung auch ein medizinischer Sachverständiger deutlich. Weil die Frau einige Monate lang abgetaucht war, hatte es einen Haftbefehl gegeben. Aus ihrer Zelle wurde die 31-Jährige jetzt vorgeführt. Richter Meißner verhängte für das gesamte Straftaten-Paket 18 Monate Gefängnis. Er setzte zudem eine längere Entzugstherapie in einer geschlossenen Einrichtung hinzu.















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