02.06.2020 - 17:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Gewalttat am "Zombieweg" Erinnerungslücken auf allen Seiten

Ein Raub, dessen Opfer 2019 unsägliche Misshandlungen über sich ergehen lassen musste, beschäftigt derzeit die Berufungsrichter am Landgericht Amberg.

Gegen zwei Tatbeteiligte gibt es bereits rechtskräftige Urteile. Ein 52-jähriger Mann sieht sich jetzt in der Berufungsverhandlung am Landgericht Amberg dem Vorwurf des Raubes und der gefährlichen Körperverletzung gegenüber.
von Autor HWOProfil

Der 52-Jährige aus Oberbayern ist nicht unbedingt das, was man ein unbeschriebenes Blatt nennt. In erster Instanz wegen Raub und gefährlicher Körperverletzung zu knapp vier Jahren Haft verurteilt, sitzt er nun vor Berufungsrichtern des Landgerichts. Ein Mann und eine Frau, die am 1. April 2019 mit dabei waren, als ein 27-Jähriger in Amberg auf unsägliche Weise misshandelt und um seine Barschaft gebracht wurde, sind bereits rechtskräftig geahndet.

Das Verbrechen nahm in einem Obdachlosenheim seinen Anfang. Eine damals dort lebende junge Frau (26) rief einen Bekannten an und bestellte ihn zu einem Treff am "Zombieweg". So wird ein unbeleuchteter Pfad im Süden der Stadt in einschlägigen Kreisen genannt. Auch deshalb, weil dort gelegentlich Deals vonstatten gehen.

Frau als Lockvogel eingesetzt

Der 27-Jährige kam und hatte 100 Euro dabei - wohl in der Meinung, er werde Drogen dafür bekommen. Die Frau, als Lockvogel eingesetzt, hielt sich im Hintergrund. Dann erschienen plötzlich zwei wie sie im Obdachlosenhaus lebende Männer. Das ahnungslose Opfer wurde am helllichten Tag angegriffen, zu Boden gebracht, mit Fäusten und Tritten traktiert.

Zeugin hört laute Schreie

Wer schlug zu? Der nun vor der 3. Strafkammer sitzende Metzger (52) hat den Richtern umfangreich versichert, er sei lediglich mitgegangen, weil ihn der 27-Jährige einmal beleidigt habe. Mit den Hieben, Tritten und dem Raub will er nichts zu tun gehabt haben. Doch merkwürdig: Eine gleich nebenan mit Gartenarbeiten beschäftigte Frau hörte laute Schreie, vernahm Gewimmer "wie von einem gepeinigten Hund". Sie eilte hinzu und sah zwei männliche Gestalten, die ihrer rohen Gewalt freien Lauf ließen. Allerdings konnte sie die Schläger nicht identifizieren. Auch nicht den jetzt angeklagten 52-Jährigen: "Das ging alles so schnell."

Unzweifelhaft beteiligt an dem üblen Verbrechen war ein heute 24-Jähriger. Inzwischen rechtskräftig zu drei Jahren Haft und einer Drogentherapie verurteilt, gab er zu, den Coup eingefädelt zu haben.

"Drogen zu verkaufen hatten wir nicht", hörte der Kammervorsitzende Peter Hollweck. Er fragte den Mann, der einen stählernen Schlagstock mit an den Tatort gebracht hatte: "Und was hat Ihr Begleiter getan?" Daran mochte sich der 24-Jährige nicht erinnern. Es folgte die nächste Merkwürdigkeit: Auch das malträtierte Opfer bestand darauf, keine Ahnung zu haben, "wer da geschlagen und getreten hat."

100 Euro wandern in BH

Der am Rande des Geschehens wartende weibliche Lockvogel heimste die Beute ein: 100 Euro in mehreren Scheinen. Das ausgeplünderte Portemonnaie lag später auf dem Weg. Zehn Euro zog die Frau nicht lange nach dem Verbrechen aus ihrem Büstenhalter, als sie in Begleitung des 52-jährigen Metzgers im Supermarkt einkaufte. Die anderen 90 Euro fand später eine Polizeibeamtin. Auch diese Banknoten waren im BH der 26-Jährigen versteckt.

Der Fall ist spannend. Denn die Kammer wird nachweisen müssen, dass der in U-Haft sitzende Angeklagte einer der Täter war. Einiges spricht dafür, auch wenn er selbst versichert: "Ich war zwar dabei, aber getan habe ich nichts." Der Prozess wird fortgesetzt.

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