13.06.2019 - 11:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Hinter Gittern - Einblicke in die JVA Amberg

Hohe Mauern, vergitterte Fenster – das ist der Arbeitsplatz von Justizbeamten. Einer von ihnen ist der Betriebsleiter der Schuhmacherei und Polsterei in der JVA Amberg. Neben der Kontrolle der Aufträge beaufsichtigt er die Gefangenen.

Eine nicht alltägliche Gelegenheit. LEO-Autorin Evi Wagner blickt hinter die Mauern der JVA Amberg.
von Autor EWAProfil

JVA Amberg, morgens 6.50 Uhr. Bevor der Arbeitstag in der Werkstatt beginnt, wird erst einmal jeder Gefangene, der gerade von seiner Zelle kommt, kontrolliert. „Es darf niemand gefährliche Gegenstände dabei haben“, erklärt der Betriebsleiter der Polsterei. „Hier darf nix mit rein und nix mit raus.“ Für ihn ist diese Kontrolle längst Routine, seit 1995 arbeitet der Handwerksmeister hinter Gittern – und das sehr gerne. „Mein Job macht mir wirklich Spaß“, sagt er, während um ihn herum bald geschäftiges Treiben herrscht. Bürostühle werden zusammengebaut, Sessel gepolstert und Schuhe repariert.

Der Betriebsleiter schaut, dass auch alles ordnungsgemäß abläuft. Ab und zu wird ein Witz gerissen, man unterhält sich über das Fußballspiel gestern. Es ist eigentlich alles wie in einer ganz normalen Werkstatt – wenn da nicht die Gitterstäbe vor den Fenstern und die großen Schlösser an den Türen wären. Und das Wort „Justiz“, das deutlich sichtbar in gelben Buchstaben auf dem dunklen Pullover des Polsterei-Leiters prangt. Vor seiner Zeit hinter Gittern war der Raumausstattermeister in einem Handwerksbetrieb „draußen“, wie es hier so schön heißt, beschäftigt. „Was die Arbeit angeht, gibt es keinen großen Unterschied“, sagt er. „Die muss schließlich überall genauso gemacht werden.“ Doch eins ist hier anders: Sich nach Feierabend noch mit den Kollegen treffen, das ist nicht drin. Eine bestimmte Distanz zu den Gefangenen muss eingehalten werden. „Über Persönliches spreche ich mit ihnen nicht“, erklärt der Justizbedienstete. „Denn man sollte die Jungs nicht zu nah an sich ranlassen.“ Ausführlichere Gespräche mit den Inhaftierten und das Kümmern um deren Ängste und Nöte überlässt der Betriebsleiter dann lieber seinen Kollegen im Vollzug. Die sind es auch, die die Strafgefangenen aus den verschiedenen Abteilungen morgens zu ihren Arbeitsplätzen in den Werkstätten bringen.

Vergitterte Fenster, an jeder Tür ein Schloss. In der JVA funktioniert nichts ohne Schlüssel.

Insgesamt 24 Betriebe gibt es auf dem Gelände der JVA Amberg, darunter etwa eine Kfz-Werkstatt, ein Elektrobetrieb, eine Schreinerei, eine Schlosserei, eine Schneiderei, ein Installationsbetrieb, eine Malerei, eine Gärtnerei oder ein Baubetrieb. Insgesamt 33 Handwerksmeister im Werksdienst sind hier beschäftigt. „Durch die geregelte Arbeit in den Werkstätten lernen die Gefangenen, ihren Tag zu strukturieren“, erklärt Georg Schmidl, Leiter der Arbeitsverwaltung. „Das ist natürlich sehr wichtig für später, wenn sie wieder draußen sind.“ Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Verdienstmöglichkeiten. Insgesamt 25 Inhaftierte machen in der JVA Amberg gerade eine Ausbildung – zum Beispiel als Maler, Kraftfahrzeugmechatroniker, Schreiner, Schlosser oder Bäcker. Rund 300 Arbeitsplätze für Gefangene stehen in der JVA zur Verfügung.

In der Schuhmacherei und Polsterei arbeiten jedoch vor allem die, die keine Berufsausbildung haben und nicht als Fachkräfte eingesetzt werden können. Sie erledigen einfache Sortier-, Verpackungs- und Montagearbeiten. „Es ist sehr wichtig, die Leute zu beschäftigen.“ Inzwischen ist es 11.30 Uhr, die Mittagspause steht kurz bevor. Die üblichen Kontrollen, bevor die Gefangenen die Werkstatt verlassen, dann hat auch der Betriebsleiter Pause. Die verbringt er entweder in der Kantine oder in seinem Büro. Die Gitter vor den Fenstern stören ihn dabei nicht. „Man gewöhnt sich einfach dran“, sagt er. „Das ist für mich eben Alltag.“

Im Innenhof der JVA Amberg haben die Gefangenen gelegentlich die Möglichkeit, die Sonne genießen zu können.
Die JVA Amberg:

Die Justizvollzugsanstalt Amberg ist zuständig für die Vollstreckung von Freiheitsstrafen bis zu sechs Jahren, bei zwei Gerichtsbezirken bis zur lebenslangen Freiheitsstrafe an erwachsenen männlichen Verurteilten im Regelvollzug. Der Einzugsbereich erstreckt sich über die Landgerichtsbezirke Amberg, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof, Nürnberg-Fürth, Regensburg und Weiden. Zudem wird Untersuchungshaft an männlichen Personen aus den Amtsgerichtsbezirken Amberg und Schwandorf vollzogen. Die Anstalt bietet Platz für 573 Gefangene, die durchschnittliche Belegung liegt bei rund 500 Gefangenen.

Die Aufgaben der Beaufsichtigung, Versorgung, Behandlung und Betreuung der Gefangenen werden von rund 280 weiblichen und männlichen Bediensteten gewährleistet. Neben Juristen, Geistlichen, Psychologen, Lehrern, Sozialpädagogen, Ärzten, Krankenpflegern und Verwaltungsbediensteten arbeiten Beamte im allgemeinen Vollzugsdienst und Beamte des Werkdienstes daran, das vom Gesetzgeber vorgegebene Ziel zu erreichen.

Wer sich für den Beruf des Justizvollzugsbeamten interessiert, hat am 29. November um 17.30 Uhr im Sozialheim der JVA Amberg die Gelegenheit, sich zu informieren.

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