15.11.2020 - 13:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Gottesdienst statt Konzertsaal: Erlöserkirche gibt Musikern im Lockdown eine Bühne

Der Lockdown light belegt Musiker wieder mit einem Auftrittsverbot. Die Erlöserkirche in Amberg bietet Künstlern in ihrem Gottesdienst Gelegenheit, trotzdem etwas zu musizieren. Toby Mayerl und Michael Dandorfer nutzen die Chance.

Toby Mayerl und Michael Dandorfer musizieren im Gottesdienst der Erlöserkirche. Die Auftritte sind als finanzielle Unterstützung für Musiker in der Corona-Pandemie gedacht.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Seit dem Lockdown light Anfang November dürfen Musiker nicht mehr vor Konzertgästen auftreten. Eine gebeutelte Branche, die schon das gesamte Jahr über kaum Geld mit ihrer Arbeit verdienen konnte. Wie also lässt sich Musikern und Künstlern wenigstens ein klein wenig unter die Arme greifen? Diese Frage hat sich David Scherf, Pfarrer der Erlöserkirche in Amberg, gestellt. Seine Idee: Man könnte einige von ihnen im Gottesdienst auftreten lassen. Dafür gibt es dann ein kleines Honorar und eventuell auch eine Spende der Gemeindemitglieder.

Corona stellt Musikkapellen vor große Probleme

Hirschau

Die ersten beiden Künstler sind Toby Mayerl und Michael Dandorfer, die am Sonntag den Gottesdienst unter dem Motto Gerechtigkeit und Frieden musikalisch umrahmt haben. Die zwei überlegten sich, was aus ihrem Repertoire zum Thema passt. "Zu viel will ich den Künstlern nicht vorgeben", sagt Scherf, der seine Idee Ende Oktober via Facebook in die Welt brachte.

Gutes Feedback

300 Mal geteilt worden sei das Posting, auch von Menschen, die mit der Erlöserkirche nichts am Hut haben, und hauptsächlich positive Reaktionen habe er dafür erhalten, sagt Scherf. Was aber noch wichtiger ist: "15 Musiker haben sich gemeldet. Nach und nach wollen wir ihnen bis Januar Gelegenheit geben, im Gottesdienst mitzuwirken." Das betont Scherf immer wieder. "Es ist kein Konzert." Denn das sei ja untersagt. Und auch der Gottesdienst unterliege einer Beschränkung. "Die Plätze sind begrenzt." Etwa 20 Haushalte dürften zum Gottesdienst kommen.

"Was können wir als Kirche tun, um Solidarität zu leben?"

Pfarrer David Scherf

Pfarrer David Scherf

Für die Gemeinde sei das ebenfalls eine neue Situation. "Bei großen Festen haben wir mal einen Gospelchor oder Blasmusik in der Kirche." Aber Corona stelle sowieso alles auf den Kopf, sagt Scherf. "Der Gottesdienst ist verkürzt, die Gemeinde darf nicht singen." Nun freue man sich, dass es schöne Musik in der Kirche gebe.

Weitere können sich melden

Scherf liegt das Angebot auch deshalb am Herzen, weil bei den aktuellen Beschränkungen die Religionsgemeinschaften ausgenommen sind. "Wir dürfen diesmal zumindest Gottesdienste feiern." Da stellte sich für ihn sogleich die Frage: "Was können wir als Kirche tun, um Solidarität zu leben?" Und er will noch mehr Musikern unter die Arme greifen als den bisher 15 Gemeldeten. "Es gibt wohl noch mehr, die um ihre Existenz kämpfen." Daher will Scherf noch weitere Künstler ermuntern, sich bei seiner Gemeinde zu melden.

Kommentar: Musiker in den Gottesdienst

Amberg

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