18.09.2019 - 10:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Graffiti in Amberg: "Hier gibt es keine Künstler"

Es ist ein Ärgernis für viele Amberger: Beschmierte Wände und wenig künstlerische Hinterlassenschaften durch Filzstift oder Spraydose an Brücken, Hausfassaden und Steinmauern. Eine aktive Szene gibt es laut Polizei hier aber nicht.

Unter der Brücke am Kurfürstenring haben sich schon viele mehr oder weniger kunstvoll verewigt.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

"Die beiden Wege unter der Kurfürstenbrücke sind gerade im Sommer eine viel genutzte Verbindung für einheimische und auswärtige Fußgänger und Radfahrer. Sie ist das wichtigste Eingangstor mit Postkartenidylle in die historische Altstadt mit der Vils, der Stadtbrille im Vordergrund und weiter für den Blick Richtung Fluss und Martinskirche. Was jeden Amberger und die Besucher der Stadt bei aller Idylle aber stören muss, ist die Verunstaltung der granitverkleideten Widerlager der Kurfürstenbrücke durch die Graffitischmierereien mit den plumpen Parolen." Mit diesen Worten hat sich ein Leser an die Redaktion der Amberger Zeitung gewandt.

Nicht nur an Hausfassaden hinterlassen manche ihre Schriftzüge.

Im Juli sind drei junge Männer auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichts in Amberg gesessen, weil ihnen unter anderem Sachbeschädigung durch Graffitis und mit Filzstift beschmierte Wände quer in der Innenstadt vorgeworfen wurden. Nach einem Schuldeingeständnis wurden der 21-Jährige, 22-Jährige und 18-Jährige insgesamt zu Arbeitsstunden, Geldstrafe beziehungsweise Freizeitarrest verurteilt.

Amberg

Es gebe aktuell immer wieder Meldungen - hauptsächlich von Privatleuten -, dass Hausfassaden in der Nacht beschmiert wurden, erklärt Marion Oberndorfer von der Polizeiinspektion Amberg. Die Beamtin beschäftigt sich mit den Sachbeschädigungen. "Von einer Szene kann man in Amberg aber nicht sprechen." Auch gebe es hier "keine Künstler", die sich in ihrem Blackbook Vorskizzen anlegten und diese dann kunstvoll an die Wand brächten. "Selbst diejenigen, die wir geschnappt haben, würden sich selbst nicht als Sprayer bezeichnen."

Langeweile und Drogenkonsum

Oft seien es Heranwachsende, die sich aus Langeweile oder nach dem Drogenkonsum hinreißen ließen, mit dickem Filzstift ein sogenanntes Tag irgendwohin zu schmieren. "Das ist willkürlich", sagt die Expertin der Polizei. "In Wohngebieten, im Stadtgraben, am Bahnhof. Wichtig ist, dass sich die Täter unbeobachtet fühlen. Also sind sie eher nachts unterwegs." Umso mehr zählen für die Polizei Hinweise von aufmerksamen Anwohnern und Zeugen, die jemanden auf frischer Tat beobachten. "Die Polizei kann präventiv Streifen, die Freiwilligen der Sicherheitswacht, Zivileinheiten und Beamte der Bereitschaftspolizei einbinden. Kommen Hinweise aus der Bevölkerung, erwischen wir die Täter immer", sagt der Amberger Polizeisprecher Achim Kuchenbecker. "Die Leute sehen es nicht gern, wenn ihre Stadt verschandelt wird."

40.000 Euro Schaden hinterlassen

Häufen sich Hinweise zu einzelnen Tags, kann die Polizei auch viele Sachbeschädigungen rückwirkend ermitteln und Verbindungen herstellen. "Drei Aussagen von Zeugen haben bei den drei jetzt verurteilten Männern zum Ermittlungserfolg geführt", sagt Oberndorfer. 500 Euro hat das Landeskriminalamt als Belohnung ausgesetzt. Das Geld wird nun unter ihnen aufgeteilt.

Besonders schön sind viele Hinterlassenschaften nicht.

Geld brauchen auch die Hausbesitzer, deren Fassaden beschmiert wurden. Um die 40.000 Euro Schaden hinterließen die drei Männer aus dem Prozess im Juli. "Über den angerichteten Schaden machen sich die Jugendlichen oft keine Gedanken", weiß Oberndorfer. Wenn die Schmierereien rückstandslos entfernt werden können, handelt es sich auch nicht um eine Sachbeschädigung. "Erheblicher Schaden entsteht vor allem durch Lacke. Problematisch ist es auch bei denkmalgeschützten Häusern." Teilweise müsse dann die komplette Fassade gestrichen werden, auch wenn nur ein kleiner Teil der Fläche betroffen ist.

Schaden bei der Stadt:

„Schmierereien sind immer ärgerlich, weil ein großer Aufwand dahintersteckt, dass wieder sauber zu kriegen“, sagt Thomas Graml, Sprecher der Amberger Stadtverwaltung. Vor allem sei es problematisch, wenn Denkmalgeschütztes wie Tore, Türme und die Stadtmauer oder betroffen ist. "Da braucht es spezielle Mittel zum Reinigen, die die Bausubstanz nicht angreifen."

Im Jahr entsteht der Stadt durch wilde Schmierereien laut Graml ein Schaden von rund 5000 Euro. Im Jahr 2018 waren es konkret acht Objekte, die betroffen waren. Beim Parkhaus Marienstraße säubere die Stadt nicht mehr. "Kaum ist es gereinigt, schmiert der Nächste schon wieder etwas hin." Eine Ausnahme gebe es freilich bei Nazisymbolen und provokanten Texten und Parolen, erklärt Graml. "Das kommt sofort weg."

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