Da sage noch mal einer, die heutige Jugend sei unmotiviert, handysüchtig und nicht interessiert an Kunst und Kultur. Den deutlichen Gegenbeweis für diese Behauptung haben jetzt zwölf junge Theatergruppen bei der Auftaktveranstaltung zu den diesjährigen 33. Schultheatertagen angetreten. Was die Ensembles an diesem Abend auf die Bühne brachten, war phänomenal und sorgte zu Recht auf den voll besetzten Zuschauerrängen im Amberger Stadttheater für große Begeisterung.
Das Schönste dabei: Auch und vor allem die Kinder und Jugendlichen, die gerade nicht an der Reihe waren, ließen sich mitreißen von den Darbietungen der anderen und sparten nicht an anerkennendem Applaus. Von Konkurrenz also keine Spur, stattdessen legten sie durchwegs großes Interesse und Bewunderung für jede Spielgruppe an den Tag. Kein Wunder aber auch, dass sich viele der anwesenden Angehörigen und Gäste fest vornahmen, möglichst alle Aufführungen zu besuchen, die in den kommenden Monaten und Wochen auf dem Veranstaltungsplan stehen.
Tolle Schauspieler und ausgezeichnete Stücke
Genau das ist ja auch die Idee hinter diesem Potpourri, bei dem die Schultheatergruppen jedes Jahr die Gelegenheit erhalten, eine aussagekräftige Szene aus ihrem Stück herauszugreifen und an diesem Abend dem Publikum zu präsentieren: Um die Neugier zu wecken auf ihre beeindruckenden Theaterproduktionen, die ab dem 24. März in den Räumen der jeweiligen Einrichtungen zu sehen sind. Denn neben der herausragenden Leistung der Schülerinnen und Schüler sind es vor allem auch die Stücke, die die hohe Qualität des Amberger Schultheaters ausmachen.
Dafür haben die Ensembles und ihre Spielleiter alias Lehrkräfte auch in diesem Jahr wieder eine Reihe von Produktionen selbst erarbeitet oder aber die Stücke so angepasst und weiterentwickelt, dass sie in den zeitgenössischen Kontext passen. Wie schon im vergangenen Jahr war es dabei an der Musicalklasse der 5. Jahrgangsstufe des Max-Reger-Gymnasiums (MRG), für einen fulminanten Auftakt zu sorgen. Stimmlich und choreographisch nahezu perfekt brachten sie eine Szene aus dem Kindermusical „Passwort: Zeitmaschine“ auf die Bühne und setzten damit den Standard für all das, was noch kommen sollte.
Vom Märchen bis zur Jugendstrafanstalt
Dies war im Folgenden die Theatergruppe „Die Eulenspieler“ des Erasmus-Gymnasiums (EG), die auf der Grundlage des Märchens „Das kalte Herz“ eine Geschichte über die Bedeutung menschlicher Wärme entwickelt hat. Danach eroberte die Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des MRG die Bühne und zeigte einen Ausschnitt aus „Die Akte Max und Moritz“ aus der Feder von Franzi Klingelhöfer.
„Mission Bildung – it’s possible“ lautet der Titel eines Abends, mit dem die Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule im Juli ihren 50. Geburtstag feiert und aus dessen Programm die Theatergruppe der 6. bis 10. Jahrgangsstufe eine Szene aus einem Märchen des Namensgebers zeigte. Auf ihren „überaus hervorragenden Schulkrimi“, in dem plötzlich eine Lehrerin spurlos verschwindet, machte die AG Theater der Luitpold-Mittelschule aufmerksam, bevor die Theatergruppe „Perfaction“ des Gregor-Mendel-Gymnasiums (GMG) mit ihrer Eigenproduktion „Locked up“ Szenen aus einer Jugendstrafanstalt nachstellte.
Blick hinter die Kulissen
Mit einem Auszug aus der „Welle“ nach Morton Rhue gelang es GMG-Theatergruppe „Spotlights“ danach, einen ersten Eindruck zu vermitteln, wie leicht mittels neuer Regeln und Gemeinschaft autoritäre Strukturen generiert werden können. Es folgten die Theatergruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen mit der ausgezeichnet inszenierten Ankunft von Dürrenmatts „alter Dame“, die GMG-Theatergruppe „Die wilden 13“ mit einer Szene aus „Der Frühling von morgen“ nach Stephan Hehl sowie die Theatergruppe Mittel- und Oberstufe des EG mit CONTRAste – einem Stück, das verdeutlicht, wie weit die Ansichten und Interessen von Menschen auseinanderliegen können.
Mit einem Ausschnitt aus „Der letzte Countdown“, das die Theatergruppe Mittel- und Oberstufe des MRG nach Motiven eines Schauspiels über die letzten Stunden der Menschheit entwickelt hat, und „backstage“, einem Blick der Oberstufentheatergruppe des GMG „Die Oscars“ hinter die Kulissen einer Hollywoodproduktion, erlebte das Publikum die letzten Höhepunkte dieses ebenso fröhlichen wie mitreißenden Veranstaltungsabends, der viel Spaß gemacht hat und Lust auf mehr.


























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