In Bayern steht die Krankenhausampel auf Rot, deshalb gelten seit dem 9. November schärfere Corona-Regeln – und die könnten massive Auswirkungen auf den Sportbetrieb haben. Denn unter anderem gilt für Sport in der Halle die 2G-Regel. Das heißt, nur noch Geimpfte und Genesene dürfen rein. Der Spielbetrieb in den Hallensportarten könnte möglicherweise zum Erliegen kommen, wenn Mannschaften auf ihre ungeimpften Spieler verzichten müssen. Oberpfalzmedien hat sich bei einigen Vereinen umgehört, wie die Lage ist.
Der ERSC Amberg hat am Wochenende zwei Spiele vor sich – und wird nicht komplett antreten können. "Wir haben in der Mannschaft drei Spieler, die nicht geimpft sind. Einer von ihnen hat ein Attest, dass er aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden darf", erklärt Mustafa Sugle. Was für den ERSC-Vorsitzenden schlimm ist: "Ich musste ihm sagen, dass er nicht mehr ins Training kommen darf und auch nicht mehr spielt, obwohl er überhaupt nichts dafür kann. Er wird praktisch von der Gesellschaft ausgeschlossen", moniert Sugle. Beim ERSC werde man die Regeln natürlich befolgen, obwohl einiges nicht nachvollziehbar sei. "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Beim Sport werden manche Menschen ausgeschlossen, aber privat dürfen sie Party feiern. Das verstehe ich nicht", ärgert sich Sugle.
"Vor einem Scherbenhaufen"
Ohne zwei muss der SC Luhe-Wildenau das Derby in der Kegel-Bayernliga am Samstag gegen Weiden bestreiten. "Wir haben noch Glück, wir haben einen Achter-Kader und können den Ausfall der zwei ungeimpften Spieler auffangen", erklärt Michael Grünwald. Ob die Saison wie geplant weitergespielt werden kann, ist für den Abteilungsleiter und aktiven Spieler fraglich. "Es ist eine Wettbewerbsverzerrung, andererseits hatten ja alle ausreichend Zeit, sich impfen zu lassen." Angesichts der neuen Situation sei es ihm lieber, wenn der Spielbetrieb zunächst eingestellt werden würde, andererseits befürchtet Grünwald, dass sich dann immer mehr Sportler vom Kegeln zurückziehen: "Wenn es so weitergeht, stehe ich vor einem Scherbenhaufen. Mir haben schon zwei, drei Spieler angekündigt, aufhören zu wollen."
Beim SKC GH SpVgg Weiden sieht man dem Derby-Wochenende relativ entspannt entgegen. "Wir haben in den drei Mannschaften, die im Spielbetrieb sind, einen Ungeimpften", sagt Sportlicher Leiter Stefan Heitzer. Dieser Spieler sei allerdings einer aus der ersten Mannschaft und würde jetzt eben fehlen. Auch wenn sich der Bayerische Sportkegler- und Bowling-Verband erst vor ein paar Tagen für eine Fortführung der Saison entschieden hat, hofft Heitzer zumindest auf eine Unterbrechung des Spielbetriebs. "Wir haben jetzt zwei Spielzeiten abgebrochen, in denen die Zahlen wesentlich besser waren. Und dieses Jahr würde man es nicht machen, das passt nicht".
SV Hahnbach: Spiel auf der Kippe
Der SV Hahnbach hat in der Volleyball Regionalliga am kommenden Wochenende zwei Spiele vor sich. "Theoretisch", sagt Trainer Sigi Meier. Und praktisch: "Ich habe gestern von VCO München einen Anruf bekommen, dass sie wahrscheinlich keine Mannschaft für das Spiel am Freitag zusammen bekommen", erklärt Meier. Was das zweite Spiel am Sonntag - ein Heimspiel gegen Regenstauf - betrifft, will Meier eine Entscheidung des Verbandes abwarten. Damit sei in den nächsten zwei Tagen zu rechnen, denn durch die 2G-Regel seien etliche Spielerinnen bayernweit vom Training und vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Beim SV Hahnbach ist nur eine Volleyballerin nicht geimpft, bei Regenstauf sind alle geimpft. "Am Sonntag könnten wir spielen, aber das hängt davon ab, was der Verband entscheidet. Aber bei uns handelt es sich um eine ganz wichtige Spielerin. Und bei der Enge der gesamten Liga ist das in meinen Augen Wettbewerbs verzerrend."
"Stehen verlassen da"
"Auch wir sind von der Entwicklung überrollt worden", sagt Bernd Eckl, Vorsitzender der HSG Nabburg/Schwarzenfeld und Trainer der Landesliga-Frauen. Vom Bayerischen Handball-Verband gebe es noch keine Richtlinien, "wir stehen noch etwas verlassen da". Bei ihm im Verein sei in den Erwachsenenteams der überwiegende Teil der Spielerinnen und Spieler geimpft, aber "natürlich gibt es pro Mannschaft, ein, zwei, drei Leute, die es nicht sind". Und: "Die anderen Mannschaften in der Liga trifft es ebenfalls, die einen bisschen mehr, die anderen bisschen weniger." Ganz wohl ist ihm vor dem kommenden Wochenende nicht: "Wir sind in Altötting, das ist aktuell ein Hotspot mit einer Inzidenz um die 600." Dass die Saison abgebrochen wird, hofft Eckl nicht. "Wir würden gerne weiterspielen. Es wäre das zweite Jahr, in dem die Saison nach wenigen Spielen schon wieder abgebrochen werden würde." Gerade für den Jugendbereich hätte das Konsequenzen, befürchtet der HSG-Vorsitzende: "Wenn sie jetzt im zweiten Jahr ihren Sport nicht machen dürfen, werden viele im dritten Jahr nicht mehr zurückkommen."
Hamm Baskets: Keine Probleme
Keine unmittelbaren Auswirkungen hat die 2G-Regel für die Hamm Baskets Weiden. "Bei uns sind alle geimpft und damit spielberechtigt, für uns ändert sich nichts", sagt Daniel Waldhauser, Spieler im Bayernligateam und stellvertretender Abteilungsleiter, vor dem Heimspiel am Samstag gegen den SV Oberdürrbach. Und auch auf den Zuschauerplätzen dürfte sich das 2G nicht bemerkbar machen. Bei rund 150 Besuchern des letzten Heimspiels waren laut Waldhauser nur zwei dabei, die einen Test vorzeigten. Die anderen waren alle geimpft oder genesen.
Ausnahme von 2G für über Zwölfjährige im Sport bis 31.12.2021
- Für die 12- bis 17-Jährigen ist bis 31.12.2021 auch bei roter Corona-Ampel die Teilnahme an Sportangeboten im Innenbereich weiterhin aufgrund der regelmäßigen Testungen in der Schule möglich (Ausnahme von 2G).
- „Auf die Härten für die 12- bis 17-Jährigen gerade bei ihrer Sportausübung durch die Verschärfung der Corona-Regelungen haben wir hingewiesen“, sagt der Präsident des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV), Jörg Ammon.
- Der BLSV wirbt weiter für die Impfung: "Wir haben die Impfkampagne des Freistaats von Anfang an unterstützt. Impfen, impfen, impfen ist die einzige Maßnahme, die uns aus dem Klammergriff der Pandemie befreien wird“, appelliert Ammon.
- Erstes Ziel: Kinder und Jugendliche kommen und bleiben wieder in Sport und Bewegung, so Michael Weiß, der Vorsitzende der Bayerischen Sportjugend im BLSV. „Daher ist die Ausnahme von der 2G Regelung für die 12- bis 17-Jährigen wichtig und richtig, denn durch diese bleibt der Sport auch im Innenbereich für diese Altersgruppe möglich."
- Nächstes Ziel: Bis 31.12.2021 viele Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren zu motivieren, sich impfen zu lassen, so dass auch im Januar Bewegung und Sport im Innenbereich weiterhin möglich ist.





















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