27.05.2019 - 14:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Grünen sind die neue Nummer Zwei

Die einen - von der SPD - schieben gewaltigen Frust, die anderen - von der CSU - sind noch mal davongekommen. Und über allem schwebt der Erdrutsch hin zu den Grünen. Die Europawahl ist vorbei, jetzt sind die Analysen gefragt.

Die Stimmen der Wähler sind abgegeben und ausgezählt. Jetzt geht es an die Analyse.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Erste Erkenntnis: So viele Amberger wie diesmal sind seit 1994 nicht zur Europawahl gegangen. Lag die Wahlbeteiligung 1999, 2004, 2009 und 2014 zum Teil deutlich unter der 40-Prozent-Marke, so machten 2019 rund 52,2 Prozent der Amberger ihr europäisches Kreuzchen.

Zweite Erkenntnis: Die Briefwahl wird immer beliebter beim Bürger. Fast 37 Prozent der Amberger machten diesmal von dieser Möglichkeit der Stimmabgabe Gebrauch. Auffällig dabei, dass die CSU bei den Briefwählern überdurchschnittlich gut (42,8 Prozent) abschnitt. In den Wahllokalen selbst stimmten nur 37,8 Prozent der Bürger für die Christsozialen. Übrigens lag hier auch die SPD über dem Schnitt - 13,8 Prozent der Briefwähler votierten sozialdemokratisch - an den Urnen waren es lediglich 11,7 Prozent.

CSU überall vorn

Aber wo liegen im Stadtgebiet die "Hochburgen" der einzelnen Parteien, wo kommen sie nicht gut an? Die CSU, die übrigens in allen Wahllokalen an erster Stelle steht, hat ihre Hochburgen in Ammersricht (49,02 Prozent) und Karmensölden (48,87). Aber auch die Region um das Wallmenichhaus (48,73) und das Milchhofviertel (43,12) sind christsoziale Schwerpunkte. Schwach hingegen schneidet die CSU da ab, wo sie früher traditionell stark war: in den gutbürgerlichen Vierteln und der Altstadt. 26,17 Prozent im Pfarrzentrum St. Georg, 26,73 in der ehemaligen Freiwilligenagentur oder 27,21 am Gregor-Mendel-Gymnasium sind eine Hausnummer, die der CSU nicht schmeckt.

Nummer Zwei in der Stadt sind die Grünen. Sie sind die neue Partei des Bildungsbürgertums, profitieren von der Ignoranz der Altparteien gegenüber Fridays for Future. 25,69 Prozent der Stimmen vereinen die Grünen im Bezirk rund um den Bürgermeister-Bartelt-Platz bei der ehemaligen Möhlkaserne auf sich. 23,76 sind es rund um den Hallplatz, 23,03 Prozent im Lokal Max-Josef-Schule II. Ihr schlechtestes Ergebnis fahren die Grünen am Milchhof ein (6,42), einstellig bleiben sie auch am Wagrain im Lokal Evangelisches Gemeindehaus I. Auffallend ist: Wo die Grünen stark sind, schwächelt die CSU gerne mal ganz deutlich.

Abgestraft. Ambergs Sozialdemokraten büßen für den Deutschlandtrend und halbieren ihren Stimmenanteil prozentual nahezu im Vergleich zu 2014. Und obwohl in absoluten Zahlen diesmal über 7000 Wähler mehr an die Urnen gingen, muss die SPD auch hier Verluste hinnehmen. Nur einmal schafft es die Amberger SPD auf 20 Prozent - am Wagrain, einem traditionellen Arbeiterviertel. 17,95 Prozent sind es in Luitpoldhöhe - auch hier leben viele traditionelle SPD-Wähler. Auf der anderen Seite bleibt die SPD gleich acht Mal einstellig. Absoluter Tiefpunkt sind die 7,58 Prozent im Evangelischen Gemeindehaus II und gar nur 7,43 Prozent im Bereich Hallplatz/Spitalgraben.

1842 Amberger haben die AfD gewählt. Das sind sowohl in absoluten Zahlen als auch prozentual mehr, als es 2014 waren. Die Hochburgen der AfD haben sich in den vergangenen Wahlen deutlich herauskristallisiert: Der Milchhof, der Bergsteig und Dreifaltigkeitsschule I. Allesamt sozial schwächere Wohnviertel in der Stadt. Ihr schwächstes Ergebnis fährt die AfD mit 6,25 Prozent im Raseliushaus ein, gefolgt von Raigering (7,05) und dem Vermessungsamt am Kirchensteig (7,73 Prozent).

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