13.07.2021 - 17:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Hackerangriff: Forstbetriebsgemeinschaft sollte Lösegeld zahlen

Erstmals seit 30 Jahren schreibt die Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach rote Zahlen. Das sagte Vorsitzender Gerhard Gradl bei der Hauptversammlung, bei der es auch um einen Hackerangriff und Lösegeld ging.

Das hat es seit Bestehen der Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach nicht gegeben - eine Jahreshauptversammlung im Bierzelt. Aber hier konnte Abstand gehalten werden.
von Autor GFProfil

Die Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach (FBG) hat ein ausgesprochen schlechtes Geschäftsjahr 2019/20 hinter sich. Das betonte Vorsitzende Gerhard Gradl bei der Jahreshauptversammlung, die mit Blick auf die Corona-Regeln im Festzelt auf dem Amberger Dultplatz stattfand. Der Holzpreis sei auf einem Tiefststand gewesen. Hinzu gekommen sei ein Hackerangriff, der das Büro für zwei Wochen lahmlegte. Auf Anraten der Polizei sei kein Lösegeld bezahlt worden. Gradl: "Wir haben unsere EDV-Anlage ausgewechselt."

Der Forstbetriebsgemeinschaft gehören 2279 Waldbesitzer mit fast 25000 Hektar Wald an. Waldpflegeverträge habe die FBG mit 12 Kirchenstiftungen, 16 Pfarrpfründe-Stiftungen sowie für gut 280 Hektar Privatwald abgeschlossen. Gradl sagte, dass der Zusammenschluss seit 30 Jahren keinen Verlust mehr erwirtschaftet habe. Im Jahr 2020 dagegen schon. Gradl fasste es so zusammen: "Die Waldbesitzer mussten Geld mitbringen, um ihren Wald zu bewirtschaften.“

Mengen drastisch zurückgegangen

Die FBG informierte ihre Mitglieder auch über Möglichkeiten der Waldverjüngung und Borkenkäferbekämpfung. Dazu äußerte sich Geschäftsführer Uli Hausmann: "Die von uns vermarkteten Holzmengen sind drastisch zurückgegangen." Von über 80.000 Einheiten im Vorjahr auf nur noch knapp 56.000. Auch der Umsatz sei durch den rückläufigen Holzmarkt und Sturmschäden auf knapp über drei Millionen Euro zurückgegangen.

Rückläufig auf nur noch 41,59 Euro ist der Erlös je Festmeter Holz laut Hausmann. Am besten ließen sich noch Fichten und Tannen verkaufen, auch Eichen fänden beständig Abnehmer. Weit über 30000 Fortpflanzen seien von privaten Waldbesitzern ausgebracht worden, weitere mehr als 30000 Pflanzen habe die Gemeinschaft eingesetzt. Das werde aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. „Mir blutet das Herz“, sagte Uli Hausmann und fügte hinzu: "Wenn das schönste Holz billig abgegeben werden muss." Aber der Holzpreis sei nun mal „am Boden“.

Glück habe die Region dagegen beim Borkenkäferbefall gehabt, sagte Hausmann. Da habe es die Franken schon schwerer erwischt. Die jüngste Entwicklung lasse die Holzpreise aber wieder ansteigen. Danach sprach stellvertretender Landrat Stefan Braun aus Kastl ein Grußwort: "Auf die FBG freue ich mich heute. Aber noch mehr freue ich mich, nach zwei Jahren endlich wieder in einem Bierzelt sitzen zu dürfen."

50-jährige Erfolgsgeschichte

Die weltweite Nachfrage nach Holz werde den Holzpreis positiv beeinflussen, so Braun. Er hoffe, dass dieser Trend anhält. 50 Jahre Forstbetriebsgemeinschaft als Interessensgemeinschaft für Waldbesitzer sei eine echte Erfolgsgeschichte: „Macht's weiter so!“ Abschließend stellte Leitender Forstdirektor Harald Gebhard die neue Verwaltungsstruktur der Landwirtschaftsämter vor.

Das ist die neue Struktur bei den Landwirtschaftsämtern

Amberg
Hintergrund:

Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach

Die Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach betreut für ihre 2279 Mitglieder fast 25000 Hektar Waldfläche.

Ein Drittel der Waldbesitzer hat bis zu fünf Hektar Waldfläche, über 1000 verfügen über Waldflächen von mehr als 5 Hektar bis 20 Hektar.

Fast 250 FBG-Mitgliedern gehören mehr als 20 Hektar Wald.

 

 

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