Amberg
22.03.2019 - 10:07 Uhr

Nach Handtaschen-Diebstahl in der Christmette: 25 Monate Haft für 34-Jährigen

Festliche Stimmung und kein freier Platz in der Christmette in der Basilika St. Martin. Weihnachtsabend 2017, der neben Weisen einen Paukenschlag mit sich bringt. Auf der Kirchenbank sitzt ein junges Paar, das Geld zur Sauferei braucht.

Symbolbild Bild: agentur_dpa
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Doch von Anfang an: Die 77-Jährige war aus dem Umland für den Gottesdienst nach Amberg gekommen. Denn diese Atmosphäre am späten Weihnachtsabend wollte die Seniorin nicht missen. Neben ihr saßen zwei seltsame Gestalten: eine Frau, die aus der Flasche trank, und ein Mann, der seinen Rucksack mitgebracht hatte. Was die Rentnerin keineswegs ahnen konnte: Das heute nicht mehr im Kontakt stehende Paar war zuvor drei Tage lang auf Sauftour.

Die 77-Jährige nahm am Bank-Ende Platz und wurde dann gebeten, kurz aufzustehen. Die merkwürdigen Christmettenbesucher wollten offenbar schon kurz nach Beginn des Gottesdienstes gehen. Als sie sich wieder setzte, bemerkte sie: Der Mann mit dem Rucksack hatte ihre abgelegte Handtasche mitgenommen.

Hektik in der stillen Nacht

Daraufhin kam Hektik in die stille Nacht: Die 77-Jährige eilte dem Paar hinterher. Sie bekam den Handtaschendieb zu fassen, wurde mit Ellenbogenstößen abgewehrt, gab nicht auf und erlitt Sekunden später eine weitere Niederlage, als sie ihre Tasche forderte. Draußen vor der Basilika trennte das Paar vor dem Rathaus seine Wege.

Doch als zwei Polizeistreifen kamen, wurden die 28-Jährige und ihr Begleiter vereint am Malteserplatz festgenommen. Die Beute betrug rund zehn Euro Bargeld. Erst später tauchte die geklaute Handtasche wieder auf. Ein Finder gab sie bei der Polizei ab.

Vor dem Schöffengericht saß nun der unterdessen 34 Jahre alte Dieb. Zuwächst mochte er nichts sagen, dann räumte er den dreisten Zugriff ein. Der Mann aus Amberg brachte zehn Vorstrafen mit und ist, weil alkoholabhängig, seit einem Jahr in gerichtlich angeordneter Therapie.

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"Ein dreistes Stück"

Unter Einbeziehung zweier zur Bewährung ausgesetzter Haftstrafen verlangte Staatsanwältin Franziska Meinl in ihrem Schlussvortrag 27 Monate Haft zum Absitzen. Dagegen stemmte sich Verteidiger Edgar Leibl und stellte infrage, ob denn die zum räuberischen Diebstahl notwendigen Abwehrbewegungen des Täters gegeben waren.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Markus Sand ("Das war schon ein räuberischer Diebstahl") verhängte 25 Monate ohne Bewährung und schrieb ins Urteil, dass der 34-Jährige seinen Alkoholentzug fortführen muss. "Ein dreistes Stück", bekam der Täter zu hören. Seine damalige Komplizin erhält demnächst einen von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafbefehl. Sie wird einige Hundert Euro auf den Tisch legen müssen.

 
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