06.08.2021 - 08:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Hans-Peter Drescher, König der Leserbriefschreiber, feiert 90. Geburtstag

Der fleißigste Amberger Leserbriefschreiber ist jetzt 90 Jahre alt. Hans-Peter Drescher ist ein Vorbild für die Kleinstädter – interessieren ihn doch die wichtigen Themen unseres Alltags mehr als so manches Amberger Urgestein.

An seinem Geburtstag feiert er vorerst im kleinen Rahmen: Enkelin Meike Drescher mit ihrem Sohn Johann, der Gefeierte Hans-Peter Drescher mit seinem Sohn Jochen, Clara auf dem Arm ihrer Tante Svenja Littwin und Schwiegertochter Katrin (von links).
von Dagmar WilliamsonProfil

Seinen Flüchtlingsausweis A behielt er zur Erinnerung. Der Wanderstock seines Großvaters aus dem Jahr 1926 überlebte jeden Umzug und ist Bestandteil des Haushaltes. Hans-Peter Drescher ist kein Weltfremder, aber sein Zuhause fand er vor 25 Jahren am Fuße des Mariahilfberges. Dass sein Gedächtnis dem eines Elefanten gleicht, ist kein Geheimnis. Dennoch ist der Mann, der 90 geworden ist, aber 20 Jahre jünger wirkt, bescheiden geblieben.

Geboren in Hannover, wuchs er im urpreußischen Neuruppin auf. Seine Jugend wurde geprägt durch Krieg und Flucht. Als 14-Jähriger erlebte er das sogenannte Ende an der Elbe und wurde so zum Zeitzeugen eines Stückes Weltgeschichte. Noch immer beschäftigen ihn die Geschehnisse um 1945. Seine Familie ließ sich in Braunschweig nieder, in Lüneburg machte er sein Abitur, und im Harz studierte er an der Bergakademie, die 1968 zur Technischen Universität Clausthal umbenannt wurde. Seine hohe Anstellung bei Krupp ermöglichte ihm gleich zweimal den Aufenthalt in den USA. Drescher erlebte in Wilmington, Illinois, die Kleinstadt und Anfang der 80er Jahre das urbane White Plains in New York. In Deutschland führte ihn sein Weg dann an den Niederrhein.

Es war schließlich sein Sohn Jochen, der ihn nach Amberg brachte. Dieser stieg in Sachen Karriere in die Fußstapfen seines Vaters, arbeitete in Hirschau und baute ein Haus am Fuße des Berges. Als Dreschers Ehefrau an Demenz erkrankte und er sich aufgrund des fortgeschrittenen Alters überlegte, ob betreutes Wohnen nicht die bessere Option sei, kaufte Jochen Drescher das Haus nebenan und holte seine Eltern in die Oberpfälzer Oase.

Der fleißigste Leserbriefschreiber der Amberger Zeitung bleibt weiterhin aktiv. Denkmalschutz und Kunsthistorik sind sein Steckenpferd. Der Erhalt einer wunderschönen Altstadt ist ihm wichtig, sagt er. Deswegen schreibe er auch leidenschaftliche Kommentare zum Thema Bürgerspitalgelände und hofft auf die Vernunft der Amberger in Sachen Bürger- und Ratsbegehren. Hans-Peter Drescher wirkte mit im Literaturkreis der Volkshochschule, nahm regelmäßig bei themenspezifischen Stadtführungen teil und erfreute sich an Vorlesungen seiner engen Bekannten Beate Wolters oder Vorträgen des Clubs der Nachdenklichen, die im Café Zentral abgehalten wurden. Hinweise auf Veranstaltungen fand er bisher immer in seiner geschätzten Amberger Zeitung.

Jetzt widmet er sich dem „Erlebten Zeitgeschehen“ seines Vaters. Dieser schrieb über 600 Seiten auf einer Schreibmaschine über sein Leben. Um diese, wie Drescher sagt, „Zettelwirtschaft“ loszuwerden, fand er ein Programm, mit dem er die Seiten digitalisieren konnte und begann zu editieren. Ein gebundenes Buch soll daraus entstehen.

Obwohl sich der Urpreuße immer eine Tochter wünschte, wurde er mit zwei Söhnen gesegnet. Die ihm aber wiederum acht Enkelinnen schenkten. Zur Familien-Dynastie gehören jetzt auch neun Urenkel. Als Ingenieur durch und durch, plante er seinen Geburtstag bis ins letzte Detail der perfekten Sitzordnung für die große Feierlichkeit am Wochenende. Hans-Peter Drescher sieht seiner Zukunft gelassen entgegen: „Ein Bayer werde ich nie – aber hier fühle ich mich wohl.“

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