07.08.2018 - 13:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Hastor-Gewitter zieht ab

Die Sonne scheint wieder über dem Firmensitz in Amberg: Grammer hat im ersten Halbjahr ausgesprochen gut verdient. Und das Hastor-Gewitter, das den Himmel lange verdunkelte, zieht ab.

Grammer präsentierte am Dienstag hervorragende Zahlen für das erste Halbjahr 2018.

(upl/dpa) Das Amberger Unternehmen hat eine Strategie gegen den umstrittenen Investor Hastor gefunden, die jetzt in konkrete Verträge mündet. Der chinesische Autozulieferer Jifeng kann seine Beteiligung bei Grammer deutlich ausbauen und damit die feindliche Übernahme durch die bosnische Investorenfamilie abwehren.

In der Nacht auf Dienstag lief die Frist für das Übernahmeangebot an die Aktionäre ab. 19 Prozent hatten ihre Anteile zum Umtausch eingereicht. Zusammen mit den 26 Prozent, die Jifeng bereits hält, kommt der chinesische Investor damit auf 45 Prozent der Stimmrechte und damit weit über die Mindestschwelle von 36 Prozent. Für den Abschluss der Übernahme stehen nur noch die Genehmigungen der Kartellämter in China und der Türkei aus. Sie werden im September erwartet. Alle anderen Wettbewerbshüter haben schon zugestimmt.

Jifeng "wird bei einem erfolgreichen Vollzug nun unser Ankerinvestor" und Partner in Asien, sagte Vorstandschef Hartmut Müller laut einer Mitteilung der Grammer AG vom Dienstag. Gleichzeitig verkündete das Unternehmen positive Zahlen für das erste Halbjahr 2018. Umsatz und Gewinn der Sparte Commercial Vehicles (Sitze für Baumaschinen und Lastwagen) legten so kräftig zu, dass sie den Rückgang in der größeren Autosparte mehr als ausgleichen konnten. Der Konzernumsatz stieg demnach um zwei Prozent auf rund 928 Millionen Euro zu, der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 20 Prozent auf knapp 42 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern stieg um ein Viertel auf 25 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Grammer ein Umsatzwachstum auf 1,85 Milliarden Euro und eine höhere Gewinnmarge.

Betriebsratsvorsitzender Lars Roder ist guter Dinge. "Wir haben mit Jifeng einen sehr guten Investorenvertrag abgeschlossen", sagte er am Dienstag. Die Chinesen hätten den Erhalt der Arbeitsplätze an den deutschen Standorten bis 2026 zugesichert. Außerdem würden sie auch ansonsten keinen Einfluss auf das Unternehmen ausüben. Roder: "Das heißt: Grammer wird die nächsten siebeneinhalb Jahre ein eigenständiges Unternehmen bleiben." Ähnlich äußerte sich in den vergangenen Tagen auch der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Amberg, Horst Ott. "Mit den Chinesen wurden weitreichende Vereinbarungen zur Sicherung von Beschäftigung und Standortentwicklung getroffen. Wenn sie sich dran halten, dann hat Grammer durchaus eine Perspektive", erklärte er. Grammer beschäftigt weltweit rund 15 000 Mitarbeiter, davon etwa 2000 in Amberg und Haselmühl.

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