09.08.2018 - 17:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Hastor hat endgültig die Nase voll

Erst wollte Familie Hastor überhaupt nicht verkaufen, jetzt trennen sich die Bosnier von fast allen Anteilen von Grammer. Damit hält Ningbo Jifeng jetzt 74,02 Prozent der Anteile.

Die Produktion bei Grammer in Haselmühl läuft ganz normal. Allerdings ist die AG jetzt zu 74 Prozent ein chinesisches Unternehmen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Horst Ott, der erste Mann der IG Metall in der Mittleren und Nördlichen Oberpfalz, hat es selbst aus der Zeitung erfahren: Familie Hastor trennt sich vom Großteil ihrer Anteile an der Grammer AG. Rund 19 Prozent hatten die Hastoren zuletzt noch über ihre Beteiligungsgesellschaften am Unternehmen gehalten.

Letztendlich gaben sie sich aber jetzt der Tatsache geschlagen, dass der chinesische Investor Ningbo Jifeng bereits rund 46 Prozent der Anteile kaufen konnte und die Möglichkeiten der Einflussnahme durch Hastor dadurch gegen Null gehen. "Wir sind bestimmt nicht traurig darüber", kommentierte Horst Ott den Hastor-Ausstieg. Im Gegenteil: "Unser Ziel war es, Hastor draußen zu haben, das haben wir erreicht."

Mit den Hastor-Aktien obendrauf haben die Chinesen laut offizieller Mitteilung 74,02 Prozent der Grammer-Aktien in ihren Besitz gebracht. Damit haben sie auch ihr Ziel erreicht, die vollständige Kontrolle über das Amberger Unternehmen zu bekommen. Für Familie Hastor bedeutet der Verkauf der Anteile zwar einen Verlust in Sachen Einflussnahme auf den Automobilzulieferer, finanziell dürfte sich der Deal mit Ningbo Jifeng aber gerechnet haben. Nach Schätzungen des Manager-Magazin sollte unter dem Strich ein Gewinn von rund 70 Millionen Euro übrig geblieben sein.

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien machte Horst Ott am Donnerstag deutlich, dass die IG Metall mit der geglückten Abwehrschlacht gegen Familie Hastor zwar sehr zufrieden ist. Trotzdem werde die Gewerkschaft natürlich penibel darauf achten, dass die neuen Eigentümer die vorher eingegangenen Verpflichtungen bezüglich der Mitarbeiter und der Standorte von Grammer auch einhalten. "Wir haben im Unternehmen eine relativ starke Position durch die Einheit in der Belegschaft", erteilte Ott vorab jedem Versuch eine Absage. Auch wenn er persönlich der Überzeugung ist, dass das Engagement der chinesischen Investoren wesentlich positiver zu beurteilen ist, als die Zeit mit Hastor.

Dennoch mahnte Ott die neuen Eigner, die Investoren-Familie Wang, sich an ihre Zusagen zu halten: "Wenn es falsch läuft, dann bekommen sie es mit uns zu tun", erinnerte er an den gemeinsamen Widerstand, den Belegschaft, Betriebsrat, Gewerkschaft und Vorstand gegen Hastor organisiert hatten, als die Familie daran ging, die Macht im Unternehmen an sich zu reißen. Hastor hatte über zwei Tochtergesellschaften 2016 rund 20 Prozent der Grammer-Aktien gekauft und versucht, Vorstand und Aufsichtsrat neu zu besetzen. Nur der massive Zusammenhalt in der Region verhinderte diese Absicht.

In einer denkwürdigen Aktionärsversammlung lehnte die überwiegende Mehrheit der Anteilseigner alle entsprechenden Anträge ab, welche von den Anwälten der Familie Hastor eingebracht worden waren. Die hat sich inzwischen bei Halberg-Guss eingekauft, wo seit einigen Wochen deswegen heftige Streiks toben.

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