19.08.2018 - 11:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Er hat (k)ein knallrotes Gummiboot

Nicht nur Wencke Myhre träumte einst von einem knallroten Gummiboot. Auch die Stadt Amberg will so etwas haben. Allerdings aus Stahl und nicht aus Gummi. Der Ferienausschuss zeigt sich da sehr spendabel.

Kapitän Wilhelm Koch durfte schon Probesitzen. Schon bald bekommen auch die übrigen Amberger die Gelegenheit, eine „virtuelle“ Rund mit dem Schlauchboot aus Stahl zu drehen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

An sich ging es in der Sitzung des Ferienausschusses, des höchsten Gremiums der Stadt während der Urlaubszeit, ja um Luft. Auf diesem Gebiet ist ja Amberg mindestens deutschlandweit führend. Als Luftkunstort, so stellte es Kulturreferent Wolfgang Dersch in der Sitzung fest, hat die Stadt außer dem Luftmuseum relativ wenig zu bieten, das diesem Ehrentitel auch sichtbaren Inhalt verleihen würde. Der Plan: Luftkunst muss her. Dafür stellte der Stadtrat ein Budget von 100 000 Euro zur Verfügung, das alle zwei Jahre abgerufen werden kann.

Für 2018 müssen von dieser Summe aber nur 20 000 Euro verwendet werden - so viel kostet das Gummiboot aus Cortenstahl, das demnächst am Ufer der Vils aufgebaut wird. Und zwar in der Nähe der Plättenanlegestelle beim alten Stadtarchiv. Dafür müssen aber die beiden blauen Plastiksitzgelegenheit entfernt und durch feste steinerne Bänke ersetzt werden - aber bitte mit Lehne, wie OB Michael Cerny in der Sitzung des Ferienausschusses anmerkte. Wobei der Standort der Bänke wohl noch mit der Nutzung des alten Archivs als Café abgestimmt werden muss.

Das Boot. Ausgesucht hat es eine Kommission auf Vorschlag von Wilhelm Koch, dem Direktor des Luftmuseums. Gerfertigt aus dem selbstrostenden Cortenstahl verbindet es laut Dersch die Amberg spezifischen Themen Luft, Eisen und Vils. Es wiegt rund eine Tonne und ist von daher schwer genug, um nicht von irgendwelchen Witzbolden tatsächlich zu Wasser gelassen zu werden.

Das Gummiboot muss übrigens nicht eigens angefertigt werden, es stammt aus dem Fundus des Schweizer Künstlers Jean-Marc Gaillard, der es 1994 für eine Ausstellung angefertigt hat. Gaillard kümmert sich heute im Museum Tinguely in Basel um die Pflege der hochkomplizierten Maschinen von Jean Tinguely. Als Künstler schuf Gaillard unter anderem das stählerne Gummiboot, das heute noch vor dem Museum in Basel steht und demnächst nach Amberg gebracht werden soll.

Ferienausschuss:

Deckung aus anderen Quellen

Mit 20 000 Euro fallen die Kosten für das Gummiboot von Jean-Marc Gaillard relativ moderat aus. Damit bleiben vom 100 000-Euro-Etat für die Anschaffung der Luftkunst noch 80 000 Euro übrig. "Was wird aus denen?" Das wollte SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth wissen. Die gehen in die Finanzierung der fünf Prototypen für das Digitale Klassenzimmer, deren Schaffung der Schul- und Sportausschuss im Juli beschlossen hat. Die Gesamtsumme dafür liegt bei 200 000 Euro, die über den normalen Haushalt aber nicht gedeckt sind. Das sollte ursprünglich über den Posten "Erschließung Drillingsfeld" passieren, dessen Mittel laut Baureferat nicht vollständig benötigt würden. Allerdings habe sich dann herausgestellt, so Kämmerer Franz Mertel, dass dieses Geld doch nicht zur Verfügung stehe.

Es mussten also neue Geldquellen angezapft werden: 80 000 Euro Rest von der Luftkunst, 80 000 Euro aus den Investitionszuweisungen für den Ausbau der Immenstetter Straße und 40 000 Euro Investitionszuweisungen des Freistaats für die Barrierefreiheit der Ammersrichter Schule werden in diesem Jahr nicht benötigt und können vorübergehend umgeschichtet werden. (ass)

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