17.08.2018 - 15:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Helfer brauchen selbst Hilfe

Der Weiße Ring sucht einen neuen Repräsentanten für den Bereich Amberg und Amberg-Sulzbach.

Normalerweise hilft der Weiße Ring den Opfern von Gewalttaten. Doch jetzt sucht der Verein im Raum Amberg nach Hilfe.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Fast 15 Jahre lang war Rüdiger Niethammer da, wenn jemand seine Hilfe brauchte. Der pensionierte Polizeibeamte repräsentiert die Opferhilfsorganisation Weißer Ring im Raum Amberg. Noch. Denn Ende August hört Niedhammer aus Altersgründen auf - er ist dann fast 77 Jahre alt. Landesvorsitzender Josef Wittmann ist nun auf der Suche nach einem Nachfolger.

Der Weiße Ring, 1976 gegründet von Eduard Zimmermann, dem Moderator von Aktenzeichen XY, wirft einen anderen Blick auf ein Verbrechen. Während Polizei und Justiz sich hauptsächlich mit dem Täter beschäftigen, bekommen hier die Opfer eine Plattform. Ob psychologische Hilfe oder juristische Unterstützung, die meist ehrenamtlichen Mitarbeiter der größten Opferhilfsorganisation Deutschlands wissen Rat und geben praktische Hilfe.

Viele der Mitarbeiter, die beim Weißen Ring für ein Vergelt's Gott arbeiten, waren früher im Polizeidienst tätig und allein von daher schon stark auf die Täter fixiert. Beim Weißen Ring ändert sich die Sichtweise schlagartig, die Opfer stehen hier im Mittelpunkt. Rüdiger Niethammer und Josef Wittmann sind zwei praktische Beispiele. Niethammer war lange Jahre Polizeidirektor in Amberg, Josef Wittmann hatte dieses Amt fast 25 Jahre lang in Weiden inne. "Es ist mit Sicherheit nicht von Nachteil, wenn der Nachfolger von Rüdiger Niethammer auch aus dem Polizeidienst kommt, es ist aber natürlich nicht zwingend", sagt Josef Wittmann mit dem Hinweis auf unzählige Berufsgruppen, die sich mittlerweile auch in der Führungsebene des Weißen Rings tummeln.

Mehr der Repräsentant

Wittmann selbst fing gleich nach seiner Pensionierung an. Erst war er Leiter der Außenstelle Weiden/Neustadt/Tirschenreuth, schon 2010 übernahm er den Vorsitz des Landesverbandes Bayern-Nord, den er seither ununterbrochen inne hat. Zuständig ist er für die drei fränkischen Regierungsbezirke sowie die Oberpfalz, Sitz seines Landesverbands ist Bayreuth, wo zwei Hauptamtliche dafür sorgen, dass alles rund läuft. Wittmann selbst ist mehr Repräsentant, Ansprechpartner für Polizei oder Justiz, unermüdlich unterwegs in Sachen Opferhilfe auf Veranstaltungen und Empfängen. In Nordbayern repräsentieren rund 170 ehrenamtliche Mitarbeiter den Weißen Ring. Freiwillige zu finden, die mitarbeiten, sei auch gar nicht so schwer, plaudert Wittmann aus dem Nähkästchen. Sobald es aber auf die Leitungsebene gehe, werde es schwierig. Dabei halte sich im Bereich Amberg die Aufgabenstellung im Rahmen, beruhigt Josef Wittmann. Denn nach wie vor bleibe unser Raum vom Verbrechen weitgehend verschont, entsprechend gering auch die Opferzahlen.

Aber was macht ein Dienststellenleiter des Weißen Rings? Er redet hauptsächlich mit Menschen. "Das Gespräch mit einem Opfer steht absolut im Vordergrund", schildert Josef Wittmann die Aufgabenstellung. "Wichtig ist das Mitmenschliche." Erst werde zugehört, dann gehandelt. Beispielsweise durch die Vermittlung eines Rechtsanwalts oder eines Therapeuten oder mit praktischer Hilfe beim Gang zu den Ämtern. "Wer zu uns kommt, der muss spüren, da kümmerst sich jemand um mich."

Wichtigtuer fehl am Platz

Was sie beim Weißen Ring nicht suchen, das sind Wichtigtuer oder Rambos. Aus diesem Grund werden Bewerber, die hier mitarbeiten wollen, erst einmal gründlich geschult. "Wir brauchen Menschen, die helfen wollen." Jetzt aber brauchen die Helfer selbst Hilfe in Form eines neuen Repräsentanten für Amberg und Amberg-Sulzbach. Wer sich interessiert, kann mit Josef Wittmann Kontakt aufnehmen. Telefonisch unter 0921/81401 oder per E-Mail unter lbbayernnord@weißer-ring.de.

Josef Wittmann, der Landesvorsitzende des Weißen Ring.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp