Das wird diesmal nichts: Corona hat die Faschingsgesellschaften im Raum Amberg-Sulzbach ausgebremst. Schon der sonst üblich Start in die neue Saison, die Prinzenpaar-Vorstellung am 11.11., fällt heuer aus. Eine Umfrage unter Faschingsgesellschaften zeigt: Fast alle ihre Termine sind gestrichen.
Narrhalla Rot-Gelb Amberg
Die Amberger stellen heuer kein Prinzenpaar vor. „Das ginge auch gar nicht“, sagt Präsident Jürgen Mühl mit Verweis auf die Corona-Vorschriften. Die sind auch der Grund dafür, dass alle Bälle abgesagt sind – aus „gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen“. Abgesehen davon, dass solche Veranstaltungen, selbst wenn sie mit starken Einschränkungen hätten laufen dürfen, finanzielle Einbußen bedeutet hätten: Die Narrhalla wollte nicht, dass einer ihrer Bälle zum Auslöser einer lokalen Corona-Infektion wird. Die Amberger Garden hatten trotzdem trainiert und „für alle Fälle“ auch ein Programm in petto, allerdings ohne neue Showtanzkostüme. Diese Ausgabe wollte man sich sparen. Aus demselben Grund gibt es diesmal auch keinen Faschingskalender. Selbst das Ordensfest fällt aus. Hier bekommen die Gardetänzer ihre Leistungsabzeichen. Damit hier „niemand einen Nachteil hat“, weil die Garden ja trainiert haben, gibt es vom Dachverband die Zusage, dass das Coronajahr ganz normal angerechnet wird. Für die Narrhalla sei es natürlich schade, dass die Saison ausfällt, meint Mühl. „Aber das tut uns nicht weh, weil wir noch nicht finanziell in Vorleistung gegangen sind. Damit haben wir außer den normalen Fixkosten Gott sei Dank keine Ausgaben.“
Narrhalla Haselmühl-Amberg-Kümmersbruck
Die Kümmersbrucker sind offenbar die einzige Faschingsgesellschaft, die heuer Tollitäten gekürt und sie auch offiziell vorgestellt hat – allerdings schon vor dem 11.11. und nur vor wenigen Gästen im Rathaus. Das Prinzenpaar sind Anna-Sophie I. (Anna-Sophie Klein) und Fabian I. (Fabian Lorisch), das Kinderprinzenpaar Emily I. (Emily Alina Hayer) und Luis I. (Luis-Philipp Rex). Weil sie aber nicht auftreten dürfen, wurde ihre Amtszeit einfach auf zwei Jahre ausgedehnt.
Auch in Kümmersbruck haben die Garden trainiert, berichtet der Präsident: „Draußen, im Freien beim Sportzentrum, den ganzen Sommer über.“ Kostüme wurden nicht gekauft. „Wenn ich keine Veranstaltungen machen darf, wie soll ich dafür Geld reinbringen?“, verweist Streber auf Ausgaben, die man sich lieber gespart habe. Wegen des Lockdowns darf Streber momentan „niemanden ins Vereinsheim lassen“. Kosten, etwa für Strom oder Versicherungen, entstehen aber weiter. Immerhin gibt es einen Faschingskalender: Die Sponsoren sind der Narrhalla treu geblieben und die Fans freuen sich auf die Bilder vom vergangenen Jahr. Veranstaltungsmäßig geht auch in Kümmersbruck wegen Corona „absolut null“. Die Narrhalla wolle keine Corona-Ausbrüche auslösen, sagt Streber: „Wir wollen, dass die Leute gesund bleiben, das ist das Wichtigste. Wenn wir uns alle dran halten, wird’s auch schneller wieder.“
Knappnesia Sulzbach-Rosenberg
Im Sommer hatten die Sulzbach-Rosenberger noch gehofft, dass es trotz Pandemie einen Fasching geben würde. Doch als die Fallzahlen stiegen, sagte auch die Knappnesia die gesamte Session ab. „Wegen eines Prinzenpaares haben wir noch überlegt“, erzählt Präsident Christian Kellner, doch auch hier entschied man sich dann für ein Nein. Bis vor dem Lockdown haben die Gruppen und das Tanzmariechen noch trainiert und neue Tänze einstudiert, obwohl sie da schon wussten, dass es nichts werden würde mit den Auftritten. Der Präsident erklärt das so: Die Aktiven hätten einfach Spaß an Bewegung und Musik. Und mit dem einstudierten Programm und der Ausstattung seien sie gleich bereit „für den nächsten Fasching, da brauchen wir uns nicht neu auszurüsten“. Für die nun eigentlich beginnende Saison sieht Kellner allerdings wenig Chancen: „Wenn in diesem Fasching noch was gehen sollte, dann nur intern.“
Kindergarde Freudenberg
Die Freudenberger veranstalten eigentlich immer einen Kinderfasching: Daraus wird diesmal nichts, wie Betreuerin Daniela Brunner sagt. Zum kultigen Freudenberger Faschingszug soll eine offizielle Entscheidung im Dezember fallen. Brunner glaubt, wenn es überhaupt eine Art Umzug geben kann, „dann nur im ganz kleinen Kreis“. Falls sich doch noch Möglichkeiten auftun würden, „würden wir im Hauruck-Verfahren was auf die Beine stellen“. Die Kindergarde hat die Betreuerin ab Juli regelmäßig im Freien zusammengetrommelt, fürs Training oder zu kleineren Aktivitäten wie einer Wanderung. „Wir haben viel Spiel und Spaß eingebaut. Einfach, um gemeinsam etwas zu erleben und die Gruppe zusammenzuhalten.“ Das sei nun schwierig. „Im November wurde alles verboten. Wie es im Dezember wird, da müssen wir mal schauen.“ Daniela Brunner sieht den Lockdown jetzt einfach als „kleine Winterpause: Wir hoffen aufs Frühjahr, nach dem Fasching, dass wir dann wieder etwas Neues machen können“.
Faschingskomitee Schmidmühlen
„Alles abgesagt“ vermeldet Fabian Simon, der Präsident des Faschingskomitees Schmidmühlen. Wegen der Pandemie habe man erst gar kein Prinzenpaar gesucht. In einer Sitzung im September wurden alle Aktivitäten abgesagt: „Da war schon abzusehen, dass das nichts wird.“ Damit sind auch die beliebten Schmidmühlener Bälle gestrichen. „Noch nicht offiziell abgesagt ist der Faschingszug“, berichtet Simon, geht aber davon aus, dass das noch geschehen wird. Die fünf Garden des Komitees haben bis zum Lockdown trainiert. „Der Gardemarsch wäre fertig gewesen“, sagt Simon, aber „mit dem Showtanz haben sie nicht mehr angefangen.“
Narrhalla Hirschau
Besonders heftig ausgebremst hat die Corona-Pandemie die Narrhalla Hirschau: Die hat sich offiziell erst Anfang September gegründet. Davor war sie ein Teil des Musikzugs. Es sei „mega angelaufen“, berichtet Präsidentin Regina Merkl und freut sich über 96 Mitglieder. Dass die nun von Corona ausgebremst wurde, trägt sie mit Fassung. Sie blickt nach vorn: „Wir haben jetzt Zeit, uns zu perfektionieren.“ Auch die Hirschauer hatten viel geplant: einen Ball, Kinderfaschingszug, einen Familiennachmittag. Kinder-, Jugend- und Prinzengarde hatte kurzzeitig trainiert, auch per Video und WhatsApp. Ein Kinder- sowie ein großes Prinzenpaar sollten am 11.11. vorgestellt werden: Das wurde verschoben. Die Hirschauer halten alles, was vorbereitet wurde, geheim – und übertragen das komplette Paket auf den nächsten Fasching.
Die Ausgaben, die der neue Verein durch den Kauf von Kostümen hatte, waren nicht gering. „Aber dann sparen wir uns das im nächsten Jahr“, sagt Merkl ganz ohne Frust. „Da werden die Kostüme dann ja auch noch passen.“ Aus dem Faschingszug werde wohl auch nichts. „Fünf Prozent haben wir uns noch offen gelassen“, verweist Merkl auf eine winzige Hoffnung, dass bis dahin vielleicht doch noch etwas gehen könnte. „Das ist dann ja in vier Wochen organisiert.“ Trotz Corona gilt: „Alle sind sehr euphorisch und optimistisch. Wir stehen eigentlich in den Startlöchern.“ Durchstarten nach den Zwangspause heißt die Devise in Hirschau: „Wir werden das schon irgendwie hinkriegen.“
Stadtgarde Auerbach
Der Stadtgarde Auerbach war schon früh klar, dass der Fasching der Pandemie zum Opfer fallen würde. „Wir waren die Ersten, die im Verband Franken abgesagt haben“, berichtet der Vorsitzende der Faschingsgesellschaft, Martin Steiner. Im Juni sei das gewesen. Sechs Garden und ein Männerballett hatten sich zu diesem Zeitpunkt langsam mit Workouts auf den Fasching vorbereitet. Sechs Prunksitzungen waren geplant und sind nun gestrichen. Angst, durch die Zwangspause Mitstreiter zu verlieren, hat Steiner bei über 200 Aktiven nicht. Aber es sei „schade, dass wir für die Kinder nichts machen können“. Klar sei auch: „Uns fehlt ein Jahrgang“ – der sonst übliche Einstieg in über die Lollis, die Vier- bis Fünfjährigen der Stadtgarde, falle heuer aus.
Narrhalla Rot-Weiß-Gold Rieden
Die Narrhalla Rot-Weiß-Gold war vorbereitet auf den Saisonstart, mit einem Prinzenpaar. Aber auch hier gilt jetzt: „Wir machen gar nichts“, wie es Vorsitzender Daniel Kellner zusammenfasst. Also keine Prinzenpaar-Vorstellung, keine Inthronisation, kein Kinderfasching, kein Narrhalla-Ball und auch kein Kehraus. Kellner bleibt gelassen: „Man muss es so hinnehmen.“ Im Sommer sei es zwar kurzzeitig „noch ein bissl spannend“ geworden, weil die Corona-Situation entspannt war. Nun, im zweiten Lockdown, sieht es Kellner so: „Wir machen jetzt halt ein Jahr Schaffenspause und starten dann wieder durch.“
Nur Kümmersbruck hat offizielle Prinzenpaare
Die meisten Faschingsgesellschaften im Raum Amberg-Sulzbach haben wegen Corona keine Tollitäten berufen. In Hirschau hält man sie geheim und schickt sie nächstes Jahr an den Start. Nur Kümmersbruck hat zwei offizielle Prinzenpaare vorgestellt.
Anna-Sophie Klein (Anna-Sophie I.)
- 22 Jahre alt, Kassiererin beim Kaufland
- Mitglied bei der Narrhalla seit 2007
- war bereits 2008 Kinderprinzessin
- Hobby: Tanzen in der Garde
Fabian Lorisch (Fabian I.)
- 26 Jahre alt, Elektriker für Automatisierung bei Baumann
- Hobby: Motorrad fahren
- Fabian ist für jeden Spaß zu haben
Emily Alina Hayer (Emily I.)
- 7 Jahre alt; Grundschule Kümmersbruck Klasse 1c
- Hobbies: Gardetanz, Ballett, Ju-Jutsu
- spielt gerne mit Freundinnen
- ist bereits vier Jahre in der Garde
Luis-Philipp Rex (Luis I.)
- 7 Jahre alt; Grundschule Kümmersbruck, Klasse 2a
- leidenschaftlicher Fußballer beim TSV Kümmersbruck
- ist erst im Sommer von München nach Kümmersbruck gezogen
- Seine Eltern stammen aus Amberg.























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