19.07.2019 - 14:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Hitze soll gegen Spinnerhärchen helfen

Irgendwann hilft die Natur sich wahrscheinlich selbst. Bis dahin wird die Stadt Amberg noch viel Geld ausgeben, um den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen. Und vielleicht auch über einige populistische Stöckchen springen.

Das Besprühen der Eichen im Stadtgraben und den angrenzenden Flächen im Frühjahr hat etwas gebracht. Hier ist der Eichenprozessionsspinner kein Problem mehr.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Das Konzept zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners hatte der Umweltausschuss am Donnerstag zu genehmigen. Vorgestellt wurde es aber schon vor einigen Monaten, als es um die Finanzierung der Maßnahmen ging, die darin aufgezählt waren, um die lästigen Raupen des an sich harmlosen Falters zu bekämpfen. Nun hatte sich aber damals bereits Protest erhoben, weil laut Konzept die abgeschnittenen Hinterlassenschaften von befallenen Bäume offen im ehemaligen Munitionsdepot in Atzlricht gelagert werden sollten, bis sie gehäckselt und verbrannt werden können.

Jetzt doch Container

"Auf diesem Gelände ist eine Gefährdung der Besucher ausgeschlossen", lautete damals die offizielle Stellungnahme der Stadt. Von daher werde von der offenen Lagerung auch nicht abgerückt. Im "neuen" Konzept liest sich das aber ganz anders. Gelagert wird jetzt zwar immer noch vor den alten Munitionsbunkern in Atzlricht - aber in geschlossenen Containern.

Zusätzlich ist laut Aussage des städtischen Landschaftsarchitekten Thomas Blank geplant, diese Hinterlassenschaften vor dem Häckseln auch noch zu erhitzen, um die Eiweiße in den Spinner-Härchen zu zerstören, die beim Menschen allergische Reaktionen hervorrufen können. Die Verwaltung sei diesbezüglich derzeit mit der Fachhochschule in Verbindung, sagte er am Donnerstag im Umweltausschuss.

Erklärvideo zum Thema Eichenprozessionsspinner

Grundsätzlich gilt laut Blank ein enger Bekämpfungsplan. Beginnend mit dem Spritzen der im Vorjahr befallenen Bäume mit dem Öl des tropischen Neembaums. "Wir wollen das aber nicht flächendeckend ausbringen", sagte Blank und erklärte: "Denn es schadet ja sämtlichen Insekten, nicht nur dem Eichenprozessionsspinner." Zeigt das keinen Erfolg, wird mit einem anderen Insektizid nachbehandelt, das den Bacillus Thuringiensis enthält. Heuer wurde dieses Mittel laut Blank einmal am Raigeringer Waldfriedhof ausprobiert, wo der Spinner trotz intensiver Bekämpfung nicht recht in Griff zu bekommen war. Kein Problem hingegen ist er mehr im Stadtgraben, dort hat die Spritzaktion voll gewirkt.

Nach dem Spritzen folgt das Saugen. Wo sich trotz vorheriger Bekämpfung die Gespinste des lästigen Insekts finden, werden sie abgesaugt. Die Stadt Amberg hat nach Angabe von Thomas Blank einen Rahmenvertrag mit einer Firma abgeschlossen, die auch andere Arbeiten für sie erledigt. Innerhalb von zwei Tagen, so seine Erfahrung, sind die Gespinste damit weg. Das letzte Mittel der Wahl ist das Entfernen von befallenen Bäumen und Ästen an besonders gefährdeten oder schwer zugänglichen Stellen. Hier folgt dann das Problem mit der Lagerung und dem Häckseln.

Problem Laubbläser

Aber nicht überall wird bekämpft in der Stadt Amberg. "Am Mariahilfberg wird oft trotz Befalls nichts getan, weil da unter anderem meist auch nur eine kurze Aufenthaltsdauer vorliegt", begründete Blank das. An solchen Stellen würden vor allem Schilder aufgestellt, um die Menschen vor der Gefahr zu warnen. Gefahren, die nach Ansicht von Rudolf Leitl, Mitglied des Naturschutzbeirats der Stadt, aber oft auch menschengemacht sind. Wirbelnde Messer in Mähgeräten, Laubbläser und andere moderne Erntemaschinen würden die Hinterlassenschaften des Eichenprozessionsspinners oft erst verbreiten, vertrat er die Meinung. Sein Vorschlag: Umstellung auf alte Methoden wie den Balkenmäher, Verzicht auf Laubbläser und eine Veränderung in der Landwirtschaft.

"Unsere Grünflächen sind heute schon genauso steril wie unsere Äcker", sagte Leitl im Umweltausschuss. Kein Wunder, dass die natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners aus der Insektenwelt keine Chance hätten. Trotzdem sieht Rudolf Leitl nicht ganz schwarz, was den Spinner angeht.

Im Mittelmeerraum, wo der Falter herstamme, sei er überhaupt kein Problem. Und auch in Deutschland würden die Antipoden, also die Feinde des Spinners wie Vögel, Fledermäuse und andere Insekten irgendwann heranwachsen. Bis dahin muss die Stadt Amberg ihn aber noch bekämpfen. Heuer gibt die Stadt inklusive des neuen EPS-Beauftragten dafür rund 100 000 Euro aus.

Mehr zum Thema

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.