12.06.2020 - 11:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Hoch über Amberg: Per Webcam in die alte Heimat

Für ehemalige Amberger sind die beiden Kameras am Marktplatz ein unverzichtbares Utensil. So können sie sich immerhin digital mit ihrer Heimat verbinden. Ein Dauergast vor dem virtuellen Fernrohr sitzt im äußersten Südwesten Kaliforniens.

Freier Blick auf das Amberger Rathaus und das Treiben auf dem Marktplatz. Die Webcam der Stadt Amberg verzeichnete im Mai über 25000 Aufrufe.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Jeden Tag, früh am Morgen oder spätabends gegen Mitternacht, schaut Anna Luger auf dem Amberger Marktplatz vorbei. Aus fast 10.000 Kilometern Entfernung. Luger, die ihren wahren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, lebt seit über 30 Jahren in Kalifornien, genauer gesagt in La Jolla ("das Juwel"), einem Vorort von San Diego. Aufgewachsen ist sie im Allgäu, mit 13 Jahren zog ihre Familie nach Amberg.

Zusammen mit ihrem Ehemann, einem Unternehmer, ging es über den Atlantik, zunächst nach Chicago. Nach einem Jahr entschieden sich die beiden aber für die Wärme Kaliforniens. Ihre Heimat Amberg, den Ort, wo sie ihre Jugend verbrachte, trägt sie nach wie vor im Herzen. "Ich fühle mich noch immer als Ambergerin", sagt sie heute. Nicht nur, dass sie gerne an die Zeit zurückdenkt, sie möchte stets wissen, was gerade in Amberg passiert. Ein unverzichtbares Hilfsmittel, gewissermaßen ihre Fernverbindung, ist dafür die Webcam auf der Homepage der Stadt Amberg.

Leere während der Pandemie

Zwei hat die Stadtverwaltung davon installiert. Eine hängt direkt am Rathaus in einem der Spitzfenster unter dem Giebel und überblickt den Marktplatz nach Westen hin. Die zweite erlaubt den Blick auf das Rathaus selbst, die Kamera ist am Gebäude neben der Martinskirche angebracht. Anna Luger hält immer Ausschau nach Freunden, ein paar hat sie schon mal "erwischt", glaubt sie zumindest. Bei den großen Amberger Festen oder an Fasching, wenn auf dem Marktplatz Hochbetrieb herrscht, schaut sie zu. "Während der Ausgangsbeschränkung war natürlich nicht viel los, die ganzen Cafés und Restaurants, wo sich die Leute tummeln, das fehlte alles."

Die zweite Kamera ermöglicht den Blick auf die Martinskirche und Richtung Georgenstraße.

Ausgerechnet jetzt, wo die Menschen langsam wieder ins Freie, durch die Altstadt strömen, fiel eine der Kameras aus. Kein Drama, denn "das passiert öfter mal", weiß Luger. Schade sei es trotzdem. Die Erklärung ist simpel: Die beiden Webcams sind kabellos, über WLAN, mit dem Rechner im Rathaus verbunden, bricht die Verbindung ab, bleibt der Bildschirm schwarz. Schuld ist oftmals das Wetter. Dann müsse die Verbindung erst wieder neu aufgebaut werden, erklärt ein Mitarbeiter der IT-Abteilung. Eigentlich keine große Sache, aber es könne natürlich dauern, bis der Verbindungsabbruch jemandem auffalle.

Im Januar überarbeite die Stadtverwaltung Amberg die eigene Homepage

Amberg

Allein ist Luger mit ihrem Interesse am Marktplatz-Geschehen keineswegs: Die Webcam ist die mit Abstand beliebteste Seite der Stadt-Homepage. Über 15 Prozent aller Zugriffe gehen auf das Konto der Kamera, allein im Mai waren es 25367 Klicks. Mittlerweile ist das Problem auch behoben, das Rathaus ist wieder zu sehen. Grünes Licht von der Stadtverwaltung und Daumen hoch aus Kalifornien.

Hintergrund:

Keine Speicherung

Die Kameras auf dem Marktplatz zeichnen so einiges auf. Immerhin laufen sie 24 Stunden lang und jeden Tag. Ist das überhaupt erlaubt? In Deutschland ist eine Überwachung öffentlicher Plätze schließlich nur dann erlaubt, wenn keine Personen identifizierbar sind. Aber Entwarnung: Die Stadtverwaltung hält die gebotenen Richtlinien zum Datenschutz ein. Auf Nachfrage erklärte Pressesprecherin Susanne Schwab: "Die Bilder, die unsere Kameras einfangen, werden nicht gespeichert." Also: Keine chinesischen Verhältnisse in Amberg.

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