26.06.2019 - 17:41 Uhr
AmbergOberpfalz

"Hoch Ulla" bringt Amberg zum Schwitzen

Bei "Hoch Ulla" kommt die Stadt Amberg ins Schwitzen. Wenn die Temperaturen an die 40-Grad-Marke kratzen, gerät der Alltag fast schon ein wenig aus den Fugen. Im Freibad ist bei der Hitze die Hölle los.

Im Freibad kann man es bei diesen Temperaturen gut aushalten.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Stadtwerke-Pressesprecherin Karoline Gajeck-Scheuck berichtet von etwa 2500 Besuchern am Dienstag, die im Hockermühlbad Abkühlung suchten. Auch am Mittwoch springen ähnlich viele Gäste in die Becken. "Das ist schon viel, wenn man bedenkt, dass noch keine Ferien sind und es unter der Woche ist."

Gleich ganz verzichtet Metzger Luber auf den mobilen Verkauf am Eisberg. Normalerweise steht in der Eglseer Straße vor dem Getränkemarkt von Dienstag bis Freitag ein mobiler Metzgerwagen, in dem Wurst und Fleisch verkauft werden. Am Mittwoch nicht. "Es wäre unmöglich, bei Außentemperaturen von bis zu 40 Grad die Kühlkette zu halten", sagte Markus Luber. Die Entscheidung hatte er bereits tags zuvor getroffen. Ob der Metzgerwagen den Rest der Woche seinen Platz auf dem Asphalt einnimmt, ist noch nicht sicher. "Das entscheide ich dann spontan."

Urlaub auch für Pferde

Auch die 37 Schulpferde von Sandra Weiß in Altmannshof haben hitzefrei. In der Reitschule wurden ab Dienstagmittag alle Unterrichtsstunden bis einschließlich Samstag abgesagt. "Die Hitze ist eine Belastung für Mensch und Tier", erklärt die Reitstallbesitzerin. Auch Pferde können einen Hitzschlag und Probleme mit dem Kreislauf bekommen, wenn es ihnen zu heiß ist. An Tagen wie diesen suchen sie freiwillig den Schatten. "Sie stehen meistens nur da, dösen und wollen, dass man sie in Ruhe lässt. Sie schwitzen schon vom Nichtstun."

"Das ist den Kindern nicht zumutbar", sagt ein Fußballtrainer angesichts der für Mittwoch um 17 Uhr prognostizierten 35 Grad Celsius. Deshalb sagt er das Training seiner zehn- und elfjährigen Schützlinge ab. Das werde in seinem Verein generell so gehandhabt. Anders schaut's aus, wenn die Wettervorhersage Gewitter ankündigt. "Wenn es nur angesagt ist, trainieren wir trotzdem." Denn das heiße nicht zwangsläufig, dass auch ein Gewitter wirklich kommt. Und selbst wenn: "Es kann am Eisberg so schütten, dass die Keller voll Wasser laufen, und in Raigering regnet es keinen Tropfen." Jedoch: Wenn es blitzt, dann schickt der Trainer alle seine Spieler vom Platz und stellt den Übungsbetrieb ein. Aktuell beschert "Hoch Ulla" dem Rettungsdienst Amberg-Sulzbach nach Angaben seines Leiters Erwin Gräml kein erhöhtes Einsatzaufkommen. Noch nicht. "Das tritt erfahrungsgemäß immer erst nach mehreren Hitzetagen auf und wenn auch die Nächte nicht mehr abkühlen." Für die Mitarbeiter des Roten Kreuzes sei die extreme Wärme durchaus eine Belastung. Sie tragen Sicherheitsstiefel, lange Hosen und Einsatzjacken. Der Rettungswagen sei zwar gut klimatisiert. "Sind unsere Leute aber im Einsatz und stehen die Türen des Rettungswagens offen, dann geht es schon in Richtung 40 Grad." Wie Gräml weiter erklärt, werde für die Mitarbeiter Wasser bereit gestellt. Generell rät der Rettungsdienstleiter dazu, derzeit viel zu trinken. "Trinken, trinken und nochmals trinken", mahnt er.

Gräml warnt davor, in der größten Hitze Sport zu treiben. "Das verlegt man besser in die frühen Morgenstunden oder auf den späten Abend." Nicht verkehrt sei es, mit dem Sport an besonders heißen Tagen generell zu pausieren. Der BRK-Mitarbeiter rät zur südländischen Gelassenheit: "Man kann den Sport auch mal sein lassen, das tut auch mal gut."

Dachdecker mit Strohhut

Heißer Job: Dachdecker schützen sich bei tropischen Temperaturen mit Hüten.

Gut eincremen, Strohhut aufsetzen, dünne lange Hosen anziehen, um sich vor der UV-Strahlung zu schützen: Michael Höcherl, Chef einer familiengeführten Spenglerei, versucht so gut durch die heißen Tage zu kommen. Versucht werde, die Arbeiten so zu terminieren, dass man nachmittags, wenn die Hitze am größten ist, in der Werkstatt zu tun hat. Das klappt nicht immer. Am Mittwoch zum Beispiel musste von einer Garage das Flachdach runter. "Das ging zäher als erwartet, damit sind wir vormittags nicht fertig geworden."

Das, was die Bau-Berufsgenossenschaft für die Hitze empfiehlt, ist für ihn teilweise ein Traumszenario, das nichts mit der Realität zu tun hat. Ein Tipp lautet, früher anzufangen. "Aber kommen Sie mal um 6 Uhr in ein Wohngebiet und fangen mit dem Arbeiten an. Da findet sich immer einer, der sich beschwert und fragt, ob dass denn sein muss zu dieser Zeit." Gleiches gelte für die Abendstunden.

Michael Höcherl trinkt derzeit enorm viel bei der Arbeit. "Am Dienstag waren es so sieben bis acht Liter." Allerdings sei er nur einmal zur Toilette gegangen - "man schwitzt das alles wieder raus."

Trotz der tropischen Temperaturen ist ein Hitzerekord noch nicht in Sicht. Beim Geophyisikalischen Messzug der Bundeswehr in Kümmersbruck wird in regelmäßigen Abständen die Temperatur abgelesen. Es sind offizielle Messungen, die in ein deutschlandweites Netz des Wetterdienstes eingespeist werden und nach bestimmten Regeln erfolgen. Zum Beispiel in zwei Meter Höhe und im Schatten. Nur so können auch passende Vergleiche gezogen werden. Am Dienstag lag die Tageshöchsttemperatur um 17 Uhr bei 32,6 Grad. Am Mittwoch kletterte der Wert um 16.12 Uhr auf 35,4° Celsius Höchsttemperatur. "Gefühlt ist es natürlich noch heißer", sagte Oberstabsfeldwebel Markus Bergmann. (san/roa)

Die Vils als Abkühlung: Das tut gut.
Die Türen bleiben geschlossen, damit die kühle Luft nicht entweicht. Trotzdem haben die Geschäfte geöffnet. Darauf wird in der Amberger Fußgängerzone hingewiesen.
Heißer Job: Baustelle in der Bayreuther Straße.

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