08.11.2020 - 13:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Hochzeit in Corona-Zeiten: "Wir ziehen das jetzt durch"

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Corona-Zeit ist Absagen-Zeit. Das betrifft auch Hochzeiten. Reihenweise fallen Trauungen aus. Nicht aber die von Nadine und Johannes Schneider aus Ursensollen: "Wir ziehen das jetzt durch." Doch das ist gar nicht so einfach.

Johannes und Nadine Schneider am Ziel: Sie sind nun auch kirchlich verheiratet. Der Weg dahin war wegen Corona aber ein weiter und steiniger.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Es ist die Geschichte einer großen Liebe. Es ist aber auch die Geschichte von vielen Herausforderungen, Unwägbarkeiten und Rückschlägen: Heiraten inmitten der Pandemie und während des zweiten Lockdowns. Was Nadine (28) und Johannes Schneider (30) aus Ursensollen in den vergangenen sechs Monaten durchleiden mussten, bis sie am Samstag, 7. November, endlich vor dem Traualtar standen, hat mit den üblichen Vorbereitungen nicht mehr viel zu tun. Es war alles perfekt geplant: Termin am Standesamt in Ursensollen am 30. April, kirchliche Trauung am 2. Mai auf dem Habsberg bei Neumarkt, danach mit 60 Gästen in das Weiße Roß nach Illschwang und später für drei Wochen in die Vereinigten Staaten. "Wir wollten die Ostküste entlang von New York bis runter nach Miami", erzählt Nadine Schneider, geborene Kellner. Der geplante Trip lässt sich im Nachhinein aber auf drei Worte reduzieren: gebucht, bezahlt, storniert.

"Absage hat uns echt zerrissen"

"Es ist schon ein blödes Gefühl", sagt Johannes Schneider und meint damit nicht nur die abgesagte Reise: "Es ist schon ein blödes Gefühl, fast hoffen zu müssen, dass die Infektionszahlen in den USA steigen, damit man sein Geld wieder bekommt." Das ist dann der Fall, wenn ein Land zum Risikogebiet wird. Die Leidensgeschichte der Schneiders beginnt aber schon viel früher: Eine Woche vor ihrem April-Termin am Standesamt erfuhren sie, dass an der Zeremonie maximal zehn Personen teilnehmen dürfen, die kirchliche Trauung wurde verboten. Ein Plan B war aber schnell parat: Das Jawort vor dem Standesbeamten wurde auf den 2. Mai verschoben, den Jahrestag der Schneiders. "Wir sind froh, dass wir wenigstens das mit dem Standesamt gemacht haben. Jetzt sind wir zumindest mal verheiratet und das mit der kirchlichen Zeremonie kann man ja noch nachholen", sagte Nadine Schneider damals. Auch jetzt macht sie aus ihrer Gefühlslage kein Geheimnis: "Die Absage hat uns echt zerrissen."

Einzig möglicher Termin

Es begannen Wochen des Hoffens, Wartens und Bangens, bis Ministerpräsident Markus Söder Mitte Juni bekanntgab, dass Feiern mit bis zu 100 Personen wieder möglich sind. Und damit auch die Hochzeit von Nadine und Johannes Schneider, die 60 Namen auf ihrer Gästeliste hatten. Voller Euphorie begann das Paar, das sich in der Bauzeichner-Klasse der Weidener Berufsschule kennengelernt hat, noch im Juni erneut mit den Vorbereitungen: "Wir wollten das alles nochmal in Ruhe so machen, wie wir es auch ursprünglich geplant hatten", blickt der Bräutigam zurück und ergänzt: "Kirchliche Trauung also dann am 7. November. Das war der einzige Termin, den das Weiße Roß in Illschwang noch frei hatte."

Nadine und Johannes Schneider am Tag vor ihrer Hochzeit in ihrem Haus in Ursensollen: Die Tischdekoration besteht aus einem Unendlichkeits-Kunstwerk. Es steht symbolisch für die unendliche Liebe der beiden.

So weit, so gut. Doch schon wenige Tage später, als ein zweiter Lockdown noch lange nicht in Sicht war, mussten die Schneiders ein weiteres Mal umplanen. Der Ursensollener Pfarrer Konrad Willi, der die Zeremonie vornehmen sollte, kündigte an, die Gemeinde im September in Richtung Bergheim (Dekanat Eichstätt) zu verlassen. Das Ehepaar suchte nach Ersatz und wurde am Habsberg bei Wallfahrtsrektor Elmar Spöttle fündig. Bei der ökumenischen Zeremonie an seiner Seite: Pfarrerin Julia Sollinger von der Paulanergemeinde aus Amberg. Doch die Geschichte von vielen Herausforderungen, Unwägbarkeiten und Rückschlägen ist noch lange nicht zu Ende. Als die Schneiders all ihre Planungen erneut abgeschlossen hatten, begannen die Infektionszahlen wieder zu steigen. Mit jedem höheren Wert wuchsen die Zweifel: Kann die Hochzeit am 7. November überhaupt stattfinden? Eine Gewissheit gab es erst Ende Oktober mit der Bekanntgabe des aktuellen Teil-Lockdowns. Nadine Schneider versucht, ihre emotionale Lage in Worte zu fassen: "Auf der einen Seite waren wir froh, weil die Entwicklung der Infektionszahlen langsam heikel wurde. Auf der anderen Seite war es wieder herzzerreißend. Wir standen vor der zweiten Absage und der zweiten Katastrophe. Das fragt man sich wirklich, womit man das verdient hat."

Floristin positiv getestet

Doch die Schneiders, die seit 2. Mai 2009 zusammen sind, mussten nicht lange überlegen, bis ihr Entschluss feststand: "Wir ziehen das jetzt durch." Schon allein wegen der vier Blumenkinder im Alter von zwei bis sechs Jahren, die bei der erste Absage sehr enttäuscht gewesen seien. Vor dem Weg zum Traualtar gab es aber trotz dieser Entscheidung aus Liebe noch immer ein Problem zu lösen. Die Floristin, die sich um den Blumenschmuck kümmern sollte, ist an Corona erkrankt. Die Meldung erreichte das Paar acht Tage vor der Zeremonie. Aber auch davon ließen sich die beiden nicht aus der Ruhe bringen. Erneut machten sie sich auf die Suche nach Ersatz und bekamen Hilfe aus Amberg - in Person von Sandra Haller von Ulrikes Blumenpavillon, die kurzfristig einsprang.

So weit, so gut, letzter Teil: Die Schneiders gaben sich am Samstag mitten in der Corona-Pandemie das Jawort. Mit allen Konsequenzen, wie der Bräutigam sagt: "60 Leute auf Abstand in der Kirche, kein Sektempfang, kein Essen, nach der Kirche raus und heim." Die Gäste kamen damit klar, wie Nadine Schneider weiß: "Es waren bloß ein paar Stunden. Aber jeder freut sich."

Was ist im November verboten und was erlaubt?

Bayern
Hintergrund:

Diese Regeln gelten im Standesamt Amberg

Wer darf mitgehen?

Gesellschaften dürfen im November nur aus zwei Hausständen mit insgesamt höchstens zehn Personen bestehen. Mehr Leute dürfen nicht ins Rathaus.

Was ist mit Trauzeugen?

Werden Trauzeugen gewünscht, müssen auch diese in einem der beiden Haushalte wohnen. Insgesamt sind maximal zwei Trauzeugen erlaubt.

Gibt es Ausnahmen?

Ja. Ein eventuell notwendiger Dolmetscher kann ausnahmsweise aus einem dritten Hausstand kommen, wobei die Höchstzahl von zehn Personen jedoch auch dann einzuhalten ist. Vollständig ausgenommen von diesen Beschränkungen ist der Standesbeamte.

Wie lange gelten die Regeln?

Diese Regelungen gelten vorerst für den Monat November. Neuregelungen für den Dezember bleiben vorbehalten.

Was ist noch zu beachten?

Unverändert besteht die Pflicht, sich unmittelbar vor der Trauung die Hände zu desinfizieren und einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Der darf vom Standesbeamten und den Brautleuten nur während der Trauung abgenommen werden.

Wer beantwortet Fragen?

Wer unter den gegebenen Voraussetzungen noch abwarten möchte oder seinen Termin verschieben will, soll mit dem Standesamt Kontakt aufnehmen. Erreichbar ist es unter der E-Mail-Adresse standesamt[at]amberg[dot]de.

Kommentar:

Das Leben trotzdem genießen

Es gibt mit Sicherheit romantischere Sätze als diesen: „Wir ziehen das jetzt durch.“ Das klingt nach allem, nur nicht nach Liebe. Beispielsweise nach einem Bauvorhaben, einem Projekt in der Arbeit oder einer leidigen Pflicht. Nicht so in Zeiten von Corona. Dann bekommen diese fünf Worte die Bedeutung von drei anderen: „Ich liebe dich.“ Um nicht falsch verstanden zu werden: Wer jetzt seine Hochzeit verschiebt und auf bessere Zeiten hofft, macht nichts falsch. Aber Nadine und Johannes Schneider haben mit ihrem Ja ein Zeichen gesetzt. Ja, es gibt dieses Virus. Ja, wir alle haben mit teils massiven Einschränkungen zu leben und ja, es nervt. Aber nein, das Virus hindert uns alle nicht daran, das Leben dennoch zu genießen. Denn wie hat es die Braut so schön gesagt: „Das Wichtigste ist, dass wir gesund sind.“

Thomas Kosarew

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