13.02.2020 - 10:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenn Hundekot in Sträuchern baumelt

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Es ist ärgerlich, eklig und stinkt. Ein unbedachter Schritt und Hundekot klebt am Schuh. Oft sind die Haufen zwar in Beuteln verpackt - trotzdem bleiben sie auf Gullydeckeln liegen oder hängen im Strauch. Ein echtes Problem für die Umwelt.

Jonas Nelhiebel ärgert sich, wenn er wieder einmal einen mit Hundekot gefüllten Plastikbeutel bei seinem Rundgang aus einem Strauch fischt.
von Angela LöslProfil

Jonas Nelhiebel ist seit mehr als zehn Jahren für den Naturschutz aktiv und seit Anfang des Jahres Ranger im Naturpark Hirschwald. Richtig verärgert ist er, wenn er nicht entsorgte Kotbeutel sieht. „Direkt am Schmidmühlener Rathaus ist ein Mülleimer und nur 20 Meter weiter am Lauterach-Ufer und im Gestrüpp finden sich die Plastiktüten. Aus zwei Metern Höhe kann ich sie aus dem Gebüsch fischen", sagt der Ranger.

Unterwegs mit den beiden Naturpark-Rangern

Hirschwald bei Ensdorf

Die Liste der Orte, an denen ihm die vollen Hundekotbeutel auffallen, ist lang. In Schmidmühlen, bei Fuchsstein, entlang der Vils und in der Nähe des ehemaligen Landesgartenschaugeländes. Vor allem in der Nähe von Wohngebieten, nicht selten direkt am Wegrand und teilweise sogar in Sichtweite eines Abfalleimers. „Dabei gehen gerade Hundebesitzer gerne in unsere Natur. Vor allem sie müssen ihren Müll wieder mitnehmen.“ Weshalb die Tüten aus den Spendern überhaupt in der freien Natur landen, ist ihm unerklärlich. Denn nur in den entlegensten Gebieten seien nicht ausreichend Abfalleimer.

Zu Silvester ließen es nicht nur Herrchen und Frauchen am Eisberg knallen.

Zudem werde der richtige Umgang mit Müll schon in der Schule vermittelt. Er schließt daraus, dass es Leute gibt, die sich nicht über die Folgen der falschen Entsorgung im Klaren sind, die „den Umgang mit Müll nicht beherrschen.“

Kot kann Krankheiten übertragen

Aus dem Amberger Rathaus heißt es, dass auch im Amberger Wald immer wieder wild entsorgte Hundekotbeutel auffallen. Die Rede ist hier von Beuteln, die an Zweige und an den Gartenzaun des Forsthauses gebunden werden oder entlang der Wege liegen.

Dass Hundekot Ärger auslöst, ist nicht neu. Nicht nur unschön, sondern auch gefährlich kann er sein. Sofern der Kot Krankheitserreger enthält, stellt er ein gesundheitliches Risiko für andere Hunde und Nutztiere dar. Für die nötige Hygiene wurden vielerorts Hundeklos installiert und die Hundehalter verpflichtet, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zu entsorgen.

In Windischeschenbach sind regelmäßig Gullys verstopft

Windischeschenbach

Trotzdem beschweren sich etwa in Windischeschenbach (Landkreis Neustadt/WN) Mitarbeiter des Bauhofes über Hundekotbeutel, die Gullys verstopfen. Jugendliche in Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) wundern sich über die schiere Anzahl der aufgelesenen Plastikbeutelchen bei einer Ramadama-Aktion. Im Hirschauer Stadtparkteich verendeten Fische, weil Leute achtlos Kotbeutel hineinwarfen.

Der Teichboden war übersät mit Hundekotbeuteln

Hirschau

Oft wird der Hundekot zwar aufgesammelt, aber nicht alle Beutel landen im Müll. Das Resultat ist portionsweise in Plastik verpackter Hundekot entlang der Wege. „Das Material bleibt in der Natur, weil es sich nicht abbaut“, erklärt Jonas Nelhiebel. „Anscheinend gibt es Menschen, die sich nicht vorstellen können, wie aus ihrem Hundekotbeutel Mikroplastik wird. Dabei haben genügend renommierte Studien bereits Mikroplastik in unseren Böden nachgewiesen“, bemerkt der Experte.

Für Gullys werden die gefüllten Plastikbeutel zum Problem: Sie verstopfen das Sieb.

Nelhiebel beobachtet, dass immer mehr Kotbeutel, aber auch anderer Müll achtlos in die Landschaft geworfen werden. Er glaubt an ein „gesamtgesellschaftliches Problem“. Für ihn steht fest: Was das Plastik in der Natur angeht, müsse ein Umdenken stattfinden. Um den Müll vor Ort loszuwerden, arbeitet der Naturpark Hirschwald mit dem Fischereiverein Schmidmühlen zusammen. Für den 13. Mai ist wieder eine gemeinsame Ramadama-Aktion geplant.

Etwa 10.000 Tüten im Jahr

Andere Erfahrungen macht indes der städtische Bauhof in Sulzbach-Rosenberg. Leiter Erwin Thurner berichtet, dass es aus der Kommune nur noch vereinzelt Beschwerden gibt. Auch wenn es natürlich für seine Kollegen sehr unangenehm sei, wenn sich der Kot im Mähgut verteile. „Vor zwei Jahren wurden zusätzliche Hundeklos installiert und die Farbe der enthaltenen Tüten gewechselt.“ Die nun rot leuchtenden Hundekotbeutel fallen dank ihrer Signalfarbe zwischen der Vegetation viel mehr auf. „Ich hätte es selbst kaum geglaubt, aber die Leute sind mehr angehalten, richtig zu entsorgen", sagt Erwin Thurner.

Rund 10.000 solcher Beutel teilt die Kommune im Jahr aus. Wenn doch einmal ein Hundekotbeutel liegen bleibe, dann in den Außengebieten und nicht im Stadtkern.

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