Passioniert und eine selbstverständliche Fachkenntnis in den Bereichen Kunst und Druck: Dies zeichnet die Tochter von Günter Dietz aus, der mit Hundertwasser zwei Jahre lang intensiv arbeitete. Petra Roßner-Dietz war 22 Jahre, als der Künstler zu ihnen kam, um im Familienbetrieb das Druckverfahren zu nutzen - noch vor seinen Holzschnitten und der unverkennbaren Architektur. Im Dietz-Offizin bekam Hundertwasser ein Atelier und ein eigenes Zimmer.
"Das Familienleben war für ihn Neuland", erzählt die Spezialistin der Kunstdrucke. Anfangs wirkte Hundertwasser etwas unbeholfen, aber nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass er einfach nur ein ruhiger Beobachter war, erzählt Roßner-Dietz. Seine vielen namhaften Gäste aus der Film- und Kunstszene empfing Hundertwasser nur am Küchentisch. Niemals gewährte er anderen Einblick in seine privaten Gemächer - dazu zählte er auch seine Werkstatt. "Seine Arbeiten sollten nicht gestört werden", erklärt Petra Roßner-Dietz.
Hundertwasser habe stundenlang zuhören und lachen können, aber selber habe er nie eine Unterhaltung initiiert. Außer, es sei um Beginn und Vollendung seiner Arbeiten gegangen. Eine Besonderheit entstand laut Petra Roßner-Dietz 1971 im Dietz-Offizin: Die Werke der Regentag-Kassette sind vom Künstler handschriftlich nummeriert und signiert. Petra Roßner-Dietz beschreibt den Künstler als unheimlich bescheiden und einen Weltenbummler.
Er sei gerne und viel mit seinem Schiff gereist, aber nie habe jemand genau gewusst, wo er sich gerade aufgehalten habe. "Damit wir ihm unsere neuesten Andrucke präsentieren konnten, suchten wir sämtliche Häfen Italiens ab", erzählt die Frau. Kaum gesichtet, hätten sie und ihr Vater ein Boot angemietet, um zu Hundertwasser zu paddeln: "Da stand er dann, auf seinem Schiff, splitterfasernackt und winkte."
Die Andrucke wurden besprochen und seine Anweisungen notiert. Regelmäßig bekam die Familie Dietz Postkarten von Hundertwassers Reisen. "Danke an alle, die es mir ermöglichen, immer so gut zu sein": Prägnante Sätze bildeten seine Grußworte. Seine Art, sich erkenntlich zu zeigen, hinterließ manchmal auch Verwunderung. Als der Neffe von Petra Roßner-Dietz das Licht der Welt erblickte, feierte Hundertwasser mit. Sofort gab er die Geburtsdaten und den Namen des Neugeborenen an seinen Astrologen weiter und verkündete auch gleich, dass dieses Leben unter einem guten Stern stünde. Regelmäßig brachte der Künstler Wolle aus Wien mit, damit ihre Mutter Socken für ihn stricken konnte, erzählt Roßner-Dietz weiter. Und aus der Knöpfe-Schachtel suchte er sich die buntesten aus, um sich seine Jacken von ihr verzieren zu lassen. Weil Haarpflege nicht zu den Prioritäten Hundertwassers gehörte, übernahm Dietz gelegentlich das Schneiden, Waschen und Föhnen. Der Bart war ihr dann aber doch etwas ungeheuer und sie verweigerte mit einer Ausrede diese Gefälligkeit.
Hundertwasser schenkte ihr das "Testament in Gelb" - handsigniert, aber seltsam datiert. 37. April heißt es auf dem guten Stück. Mit einem Augenzwinkern habe er es so begründet: "Damit du es nicht verkaufen kannst." Das würde Petra Roßner-Dietz auf keinen Fall wollen. Sie wünschte, sie hätte mehr fotografiert, und bedauert, dass ihr nur wenige Erinnerungsstücke an das Leben mit Hundertwasser geblieben seien. Darunter ist ein Holzschiff, das ihr Vater mit Hundertwasser bis ins kleinste Detail im Wohnzimmer baute. Petra Roßner-Dietz wusste ganz genau mit wem sie da unter einem Dach lebte. "Aber es war mir damals nicht bewusst, dass er so ein Großartiger war."















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