18.10.2021 - 16:58 Uhr
AmbergOberpfalz

IG drückt beim Bürgerspital-Areal mächtig aufs Planungstempo

Stillstand in Sachen Bürgerspital-Areal geht gar nicht. Die IG Menschengerechte Stadt drückt nach dem gewonnenen Amberger Bürgerentscheid aufs Tempo. Sie will möglichst schnell in eine neue Planung eintreten.

Wenn es nach der IG Menschengerechte Stadt geht, dann laufen die Neuplanungen für das Bürgerspital-Areal sofort an.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Nur wenige Wochen nach dem gewonnenen Bürgerentscheid in Sachen Bürgerspital-Areal drückt die Interessengemeinschaft (IG) Menschengerechte Stadt aufs Gaspedal. "Die Stadt muss jetzt zügig daran gehen, dass dieses Grundstück bebaut wird", sagt Vorstandsmitglied Norbert Scharf im Pressegespräch. "Ja, auch wir wollen dort eine Bebauung", tritt Vorsitzender Achim Hüttner allen Unkenrufen entgegen, die IG stehe für einen weiteren Park in der Altstadt - und für Stillstand sowieso. Das "Kompliment" mit dem Stillstand geben Hüttner, Scharf und Wolfgang Schimmel gerne weiter an die Stadtspitze. "Ich habe schon den Eindruck, dass Oberbürgermeister Michael Cerny bremsen will", sagt beispielsweise Norbert Scharf mit Blick auf die gemeinsame Presserklärung von Stadt und Ten Brinke vor einigen Tagen.

Bremsen oder gar nachtreten will die IG nach Aussage ihrer Vorstandsmitglieder jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Schon am Mittwoch, 20. Oktober, um 19 Uhr ruft die Gruppierung zum Bürgerforum ins Ringtheater am Spitalgraben. Ziel der Veranstaltung ist es, die Ideen der Amberger zu sammeln, was sie sich auf dem leeren Grundstück an der Bahnhofstraße alles so vorstellen können oder wünschen. IG-Vorsitzender Achim Hüttner wird dazu eine kurze Einführung geben, anschließend zeigt Wolfgang Schimmel auf, wie viele und vielfältige alternative Vorschläge es allein in den vergangenen Jahren in Sachen Bürgerspital-Areal gegeben hat. "Vier junge Architektinnen aus der Region haben zum Beispiel Entwürfe für das Gelände vorgelegt", sagt Wolfgang Schimmel. "Das hat aber überhaupt niemand interessiert. Obwohl alle wesentlich besser sind als dieser stupide Baukörper, der dort geplant war."

Bürger sind gefragt

Nach Wolfgang Schimmel sind am Mittwoch die Bürger gefragt. Die IG wird an diesem Abend eine ganze Reihe von Tafeln aufstellen, auf denen bereits vorhandene Vorschläge aufgeführt sind: Betreutes Wohnen, sozialer Wohnungsbau, kleine Geschäfte zum Bummeln und Einkaufen, kleinere Baukörper und vieles mehr. Zusätzlich bekommen die Besucher an diesem Abend aber auch die Gelegenheit, ihre eigenen Vorstellungen einzubringen. Auch dafür wird es einen Platz und offene Ohren geben. Alle Vorschläge werden anschließend gesammelt und ausgewertet. Ziel ist es, diese dann an die städtische Bauverwaltung weiterzuleiten, um sie in die weitere Planung für das Bürgerspital-Areal einfließen zu lassen. Aus dem Baureferat hat es nach Informationen von Oberpfalz-Medien bereits vorsichtige Signale dazu in Richtung IG gegeben.

Achim Hüttner lässt aber keinen Zweifel daran, dass die IG Menschengerechte Stadt entschlossen ist, den Prozess der Bürgerbeteiligung - der ja im Bürgerentscheid so angelegt war - durchzusetzen. Sollte die Politik eine Blockadehaltung einnehmen, so sagt es Hüttner, werde die IG eben den Planungsprozess auf eigene Regie fortsetzen. "Dann werden wir eigene Stadtplaner, Architekten und Denkmalspezialisten einsetzen - und einfach weitermachen." Auch die IG wolle eine Bebauung auf dem Bürgerspital-Areal haben, sagt Hüttner. Auch die IG wolle Impulse für die Altstadt setzen, wolle Geschäfte anlocken und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität auf dem Gelände erhöhen und dazu das Ensemble Altstadt schützen. "Das alles müssen wir unter einen Hut bringen", sagt Hüttner. "Weil der Ten-Brinke-Bau eben nicht alternativlos ist."

Es muss altstadtgerecht sein

Was auf dem Bürgerspital-Areal entsteht, muss nach Aussage von Norbert Scharf "altstadtgerecht" sein. "Aber es muss deutlich erkennbar sein, dass es aus dem 21. Jahrhundert stammt." Ein Tabu ist laut IG Menschengerechte Stadt eine Blockbebauung, wie sie Ten Brinke vorgesehen hatte. "Wir wollen eine gelockerte Bebauung erreichen", sagt Norbert Scharf. "Und wir wollen durch eine gelungene Durchwegung die Verbindung in die Ziegelgasse oder Herrenstraße herstellen." Norbert Scharf ist es wichtig, dass das Grundstück nicht an einen Investor verkauft wird, um mit dem Erlös irgendwelche Haushaltslücken der Stadt Amberg stopfen zu können. Warum das Areal nicht in Erbpacht vergeben? "Das würde dann auch die Baupreise nicht so hoch werden lassen, wenn der Investor nicht so viel für das Grundstück zahlen müsste."

Wichtig ist den Vertretern der IG, dass die Resolution des Landesdenkmalrats in Sachen Bürgerspital-Areal Einzug hält in die Planung. Der Bau muss sich demnach einfügen in das Ensemble Altstadt, muss in Harmonie und Dialog mit der direkten Umgebung stehen. Das Ringtheater oder die Spitalkirche, so sagt es Achim Hüttner, würden beispielsweise einen kulturellen Impuls setzen. Norbert Scharf erinnert an den eigentlichen Zweck des Bürgerspitals, die Betreuung von alten Menschen. Sein Vorschlag: Es braucht hier Platz für betreutes Wohnen, es sollte auch sozial geförderter Wohnraum für Menschen entstehen, die nicht so viel Geld haben. Nicht vergessen werden dürfen laut IG Geschäfte, die sich hier ansiedeln könnten. Praktisch als Fortsetzung der Entwicklung, wie sie gegenüber in den Drei Höfen angestoßen worden ist. Dort werden eher kleine Läden mit regionalem Schwerpunkt entstehen.

Positive Signale aus der Region

Bleibt noch die Frage, wer das alles bauen soll. Nicht gelten lassen will die IG das Argument, nach dem Rückzug von Ten Brinke finde sich kein Bauträger mehr, der sich hier engagieren will. Er habe inzwischen von einigen regionalen Akteuren ganz andere Signale empfangen, sagt dazu IG-Vorsitzender Achim Hüttner. Das Interesse sei durchaus da. "Und tatsächlich wollte die städtische Tochter Stadtbau ja auf dem Gelände bereits vor Jahren bauen", ergänzt Wolfgang Schimmel. "So viel zum Argument, es gibt für das Bürgerspital-Areal sonst keinen Bauträger."

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Kommentar:

Stillstand ist die falsche Reaktion

Von wegen Stillstand. Die IG Menschengerechte Stadt lässt keinen Zweifel daran, worum es ihr beim Bürgerspital-Areal geht. Möglichst schnell sollen die Neuplanungen für das Gelände an der Bahnhofstraße anlaufen, nachdem die Amberger im Bürgerentscheid mehrheitlich für ein Ende des Ten-Brinke-Projekts an dieser Stelle gestimmt haben. Und am liebsten würde die IG diese Planungen Hand in Hand mit dem städtischen Baureferat laufen lassen: Die IG sammelt die Ideen, die Baufachleute schauen, wie man die sinnvoll auf dem Bürgerspital-Areal umsetzen kann. Dieser Weg - für den übrigens kein neuer Wettbewerb gestartet werden muss - wäre eindeutig der richtige. Und dem Vernehmen nach auch im Sinne der städtischen Bauverwaltung. So könnten von Anfang an Fehlentwicklungen vermieden und der Planungsprozess in die richtige Richtung geleitet werden. Und Reibungsverluste blieben weitgehend aus. Um das zu erreichen, sind aber nicht nur die IG Menschengerechte Stadt und das städtische Baureferat gefragt. Auch die Politik muss mitmachen, muss sich aktiv einbringen und nach neuen, altstadtgerechten Möglichkeiten suchen, um das Kapitel Bürgerspital-Areal zu einem guten Ende zu bringen. Der Platz im Schmollwinkel jedenfalls ist der falsche Ort, um Politik zu machen. Denn ein politisch gesteuerter Stillstand für das Bürgerspital-Areal, das wäre jetzt die vollkommen falsche Reaktion.

Von Andreas Ascherl

"Ja, auch wir wollen dort eine Bebauung."

Achim Hüttner, Vorsitzender der IG Menschengerechte Stadt zum Bürgerspital-Areal

Achim Hüttner, Vorsitzender der IG Menschengerechte Stadt zum Bürgerspital-Areal

"Es muss deutlich erkennbar sein, dass es aus dem 21. Jahrhundert stammt."

Norbert Scharf zur Art der Bebauung auf dem Bürgerspital-Areal

Norbert Scharf zur Art der Bebauung auf dem Bürgerspital-Areal

 

 

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