19.10.2020 - 12:03 Uhr
AmbergOberpfalz

IG Metall zeigt sich gewappnet für einen Tarifkonflikt

Auch die Amberger IG Metall will ein Zeichen setzen in der Krise. Als Gegengewicht zu den Arbeitnehmern, "die immer zuerst an Nullrunden und Stellenabbau denken." Und sie will allen Aluhutträgern zeigen: "Die Straße gehört uns."

Antonia Enßner, Horst Ott und Sabrina Feige (von links) von der IG Metall in Amberg zeigen sich im Gespräch sehr zufrieden mit dem Verlauf der bayernweiten Aktionswoche im Bereich der Verwaltungsstelle.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Horst Ott, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Verwaltungsstelle Amberg, die hinauf reicht bis Tirschenreuth und darüber hinaus, ist müde an diesen Vormittag. Um 3 Uhr ist er aufgestanden, um unter dem Motto "Fairwandel statt Zukunftsangst" beim Walzenhersteller Hamm in Tirschenreuth und bei der Constantia in Pirk bei Weiden Flagge zu zeigen. Die IG Metall befindet sich am Ende einer Aktionswoche, in der sie kreativ und machtvoll demonstrieren wollte und nach Einschätzung von Ott auch hat, dass Entlassungen keine Lösung der derzeitigen Krise sind.

Innerhalb einer Woche hat die Amberger IG Metall elf Aktionen in 13 Betrieben gemacht. Angefangen bei der PIA in Amberg, über Siemens Amberg und Kemnath, die EMZ in Nabburg, Novem in Vorbach oder Heim & Haus in Auerbach. "Wichtig war, dass alle Aktionen coronakonform waren", betont Horst Ott. Der IG-Metall-Chef für die nördliche und mittlere Oberpfalz glaubt, dass viele Arbeitgeber jetzt Corona ausnützen, um Personaleinsparungen oder eine tarifliche Nullrunde durchsetzen zu können. Dabei sei gerade unsere Region – abgesehen von den schmerzhaften 150 Stellenverlusten bei Grammer – kaum betroffen. Im Gegenteil: Die PIA in Amberg habe vor der Pandemie kurzgearbeitet, jetzt habe dank der Herstellung von Masken-Automaten auf einen Zweischicht-Betrieb umgestellt werden müssen.

Die IG Metall zeigt während der gesamten Corona-Krise ihre Präsenz

Amberg

"Wir können uns nicht leisten, dass wir wegschauen", machte Ott am Freitag im Pressegespräch deutlich. Nicht nur die rund 16.000 Mitglieder der IG Metall Amberg schauen erwartungsvoll darauf, wie die Gewerkschaft in der Krise auftritt, wie sie agiert und welche Forderungen sie stellt. "Die wirtschaftlichen Zahlen sind schlechter als 2008", das machte auch Horst Ott deutlich. Doch gebe es gerade in unserer Region noch immer Betriebe, die Facharbeiter suchen. Aber auch Kurzarbeit und das Auslaufen befristeter Verträge. Trotzdem wehrt sich die IG Metall gegen die Forderung der Arbeitgeber, bei der kommenden Tarifverhandlung erwarte man eine Null-Runde. "Die Arbeitgeber sollen wissen, dass wir Widerstand leisten. Und wir haben jetzt gezeigt: Wir können es", lobte Ott die Begeisterungsfähigkeit und Streikbereitschaft der Kollegen in den Betrieben.

Wir überlassen die Straße doch nicht den Aluhut-Trägern.

Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Amberg

Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Amberg

Äußerst zufrieden mit dem Verlauf der Aktionen sind auch die beiden Fachsekretärinnen Sabrina Feige und Antonia Enßner, die zum Großteil für die Organisation verantwortlich zeichnen. Die Leute in den Betrieben hätten mit großer Leidenschaft und Kreativität Flagge gezeigt. Auch unter dem Aspekt, dass die Straße zuletzt nur noch den Corona-Leugnern gehört habe. "Wir überlassen die Straße doch nicht den Aluhutträgern", macht Horst Ott deutlich und schildert, wie die Mitarbeiter der Amberger Luitpoldhütte wortwörtlich die Sulzbacher Straße als Demonstrationsraum für sich zurückerobert haben. Die Verantwortlichen bei der IG Metall sehen sich dabei nicht als unverantwortliche Antreiber, wie es die Arbeitgeberseite gerne darstellen würden. "Wenn es in den Betrieben wirtschaftliche Probleme während Corona gegeben hat, dann waren die schon vorher da", macht Ott die Sicht der Gewerkschaft deutlich.

Bei der Amberger IG Metall sind sie mehr als zufrieden über den Verlauf der Aktionswoche. Die sie auch als ein Warm-Up für einen möglicherweise heißen Tarifkampf sehen. Vor den sie sich auch unter Corona-Bedingungen im Gewerkschaftsbüro am Amberger Schrannenplatz nicht fürchten. Selbst wenn die äußeren Bedingungen noch schlechter werden, als sie jetzt sind, werde die IG Metall in der Lage sein, ihre Mitglieder zu mobilisieren. Das machen Sabrina Feige, Antonia Enßner und Horst Ott an diesem Tag deutlich.

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