27.12.2019 - 09:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Improvisation an Amberger Dreifaltigkeits-Orgel

50 Jahre Dreifaltigkeits-Orgel: Der Regensburger Domorganist Franz-Josef Stoiber stellte die klanglichen Möglichkeiten des Instruments anhand eines sorgsam geplanten adventlichen Programms mit Improvisation und Literatur vor.

Domorganist Franz-Josef Stoiber aus Regensburg entlockte den über 4000 Pfeifen der Weise-Mühleisen-Orgel (1969/2013) ihre klanglichen Facetten.
von Peter K. DonhauserProfil

Die Wurzeln der Orgel in der Dreifaltigkeitskirche reichen zurück bis 1901: 27 von 31 Registern der Vorgängerin (1939) stammen aus der Werkstatt der renommierten Firma Steinmeyer (Opus 720), eine Handvoll hat zwei Weltkriege überlebt und beeindruckt noch heute mit Klangqualität.

Die Orgel von 1969 mit 43 Registern baute die Firma Weise (Plattling) als eines ihrer größeren Werke - und das in einer Krisenzeit: Im April war der Chef Michael Weise tödlich verunglückt. Für eine dem Raum angepasste Mensurierung und differenzierte Intonation der Pfeifen fehlte es offensichtlich an Kompetenz, mangelnde Klangfülle wurde unzulänglich durch stechende, ja schier fräsende Mixturen ausgeglichen.

2013 führte die Firma Mühleisen eine Generalsanierung durch. Vorzüglich die Leistung von Intonateur Christoph Dörr, nun sticht und fräst niemand mehr. Die Finanzmittel wurden optimal und effizient eingesetzt.

Notenfreie Zone

Franz-Josef Stoiber weiß, dass man die Klangpalette einer Orgel sehr gut mit Improvisationen darstellen kann. Drei sind zu hören: Zu Beginn orientiert er sich an deutscher Barockmusik (Bach) bei Präludium, Choral und Fuge über "Macht hoch die Tür". Ohne Extravaganzen die Harmonik, knapp, klar (und ein wenig zu voraussehbar) die Formgestalt, die Thematik immer nahe am Choral; so könnte man das in einem Improvisations-Lehrbuch abdrucken. In der Programm-Mitte lässt er sich von französischem Barock (Grigny) zu einer 6-teiligen Suite anregen, nun dürfen Aliquot- und Zungenregister an die Klangfront. Bei den fünf Teilen der abschließenden, wieder choralorientierten Adventssonate (französisch-romantische Stil-Anleihen) läuft Stoiber zu Form auf.

Streicher und Schwebung haben ihre große Stunde. Im Scherzo ("Wir sagen euch an den lieben Advent") stellt er mit hintergründigem Witz und Humor die aparten Flötenregister vor. Im Adagio erzeugt er mit Salicional und Schwebung eine meditativ-andächtige Stimmung bei "Maria durch ein Dornwald ging". Die virtuose Schlusstoccata (in der Mitte ein etwas banal geratenes Fugenthema) jubelt mit vollem Wind und Werk "Großer Gott wir loben dich".

Gespielt wie gedruckt

Stoiber spielt aber auch Literatur, zwei der 3-stimmigen "Schübler-Choräle" von Bach: Zügig voran schreitend "Wachet auf, ruft uns die Stimme" BWV 645, ebenso "Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter". Beide sind die technisch heikelsten Stücke des Programms, Stoiber meistert sie souverän.

Vor der Adventssonate regert es, Eberhard Kraus hatte die Stücke bei der Orgelweihe am 21. 12. 1969 gespielt: "Benedictus" und "Te Deum" aus Opus 59 von Max Reger. Sie wären auf der Steinmeyerin von 1901 ein grandioses Heimspiel geworden, auf der Weise-Mühleisen sind sie immerhin stilistisch akzeptabel darstellbar. "Gestandener" Applaus in der bestens besuchten Kirche, als Zugabe eine Improvisation über "O du fröhliche".

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