28.05.2021 - 17:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Internationaler Filmpreis für Amberger Ehepaar: "Wer fährt schon in die Oberpfalz"

Ein Film, der zeigt wie schön die Oberpfalz ist. Damit haben Wolfgang und Heidemarie Sander aus Amberg den ersten Preis des renommierten internationalen Multimedia-Wettbewerbes "Das Goldene Stadttor 2021" in Berlin gewonnen.

Ein bisschen mussten Heidemarie und Wolfgang Sander auf ihren Preis warten, den Bären für das „Goldene Stadttor 2021“. Das Filmemacher-Ehepaar hat ihn in der Kategorie Region für Deutschland gewonnen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Die Oberpfalz ist öde, außer Steinen und grimmigen Leuten gibt es dort gar nichts. Am schönsten ist es, wenn man wieder aus der Oberpfalz herausfährt. Das Ehepaar Heidemarie und Wolfgang Sander haben etwas gegen diese Vorurteile. Sie haben einen Film gedreht, der heißt „Wer fährt schon in die Oberpfalz“. Der Streifen ist eine Liebeserklärung an die oberpfälzer Eigenarten, an die Städte des Bezirks und an die Sehenswürdigkeiten. Das ist den beiden so gut gelungen, dass sie dafür den ersten Preis in der Kategorie Deutschland-Region des renommierten internationalen Film-Print-Multimedia-Wettbewerbes „Das Goldene Stadttor 2021“ bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin gewonnen haben.

Sehen Sie hier das Video über Heidemarie und Wolfgang Sander

Dass der Streifen so einen durchschlagenden Erfolg haben würde, hat die Sanders selbst enorm überrascht. Der Film sei im Februar fertig geworden. Gerade zu der Zeit, als die Ausschreibungen für den Preis liefen. „Wir haben da nur mitgemacht, weil wir wissen wollten, wo wir stehen und eine professionelle Einschätzung haben wollten.“ Die Sanders hätten eigentlich nicht einmal mit einer Nominierung gerechnet. „Das wäre ja schon toll gewesen“, sagt Heidemarie Sander.

Sieg überrascht Ehepaar Sander

Plötzlich sei die Mitteilung gekommen, dass das Paar den Preis gewonnen habe. Zunächst nur in Form einer vagen Mitteilung, als der Name der Eheleute auf der Gewinnerliste stand. „Ich habe gesagt, ein erster Preis in der Kategorie Region für Deutschland. Das kann doch gar nicht sein.“ Weil ihr die Mitteilung keine Ruhe mehr gelassen hatte, rief Heidemarie Sander in Berlin an, um nachzufragen, ob es sich um einen Irrtum handelt. Siehe da: Die Bekanntgabe war richtig. Besonders freut sich das Paar darüber, die Wertschätzung, einer 45-köpfigen Experten-Jury bekommen zu haben. Heidemarie Sander: „Eine echte Beurteilung von Profis ist sehr viel wert. Die mussten jeden Film anschauen und beurteilen. Das sind alles sehr kompetente Leute. Das ist noch einmal etwas anders, als wenn jemand einfach nur sagt, der Film ist schön.“

Bär wurde virtuell überreicht

Die Preisvergabe findet unter normalen Umständen auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin statt. Diesmal ging das wegen der Pandemie nur virtuell. Die Verleihung habe sich laut Heidemarie Sander dann noch etwas in die Länge gezogen, weil die Teilnehmerländer ihre Flaggen auf dem Preis, einem goldenen Bären haben wollten.

Als sich unsere Redaktion persönlich mit dem Ehepaar Sander trifft, hat das Ehepaar einen Ort gewählt, der für die Schönheit und die Geschichtsträchtigkeit Ambergs spricht. Am Maxplatz neben dem Brunnen, den zwei Löwenfiguren und der Büste des bayerischen Königs Max Joseph I. haben Heidemarie und Wolfgang Sander den Preis, den goldenen Bären, bereits mit dabei. Heidemarie erklärt, was sie und ihr Mann mit dem Film eigentlich bezweckt haben. Der Film habe zwei Ansprechpartner. Sander: „Die einen sind die, die die Oberpfalz noch nicht kennen, damit sie erfahren, was für ein besonderes Land das ist.“ Die anderen seien die Oberpfälzer selbst, denen die Sanders recht geben wollen, wenn diese denken, ihre Heimat sei ein Juwel. „Die Oberpfalz ist durch die vielen Kriege so ausgeblutet, dass sie ein armes Land geworden ist“, sagt Heidemarie Sander. Sie glaubt, die Oberpfalz und ihre Menschen hätten noch immer etwas leicht gedemütigtes in ihrer Mentalität. „Wenn der Boris Becker damals in Amberg gespielt hat, wurde da in den Nachrichten schnell mal Bamberg draus, weil das besser gepasst hätte. Wo ist denn Amberg? Wer weiß das schon?“, sagt Heidemarie Sander.

Zu zeigen, was die Region zu bieten hat, das war das selbstgesteckte Ziel der Sanders – mit Erfolg, wie der Preis zeigt. Heidemarie Sander zufolge werbe der Film für die Oberpfalz, ohne direkte Werbung dafür zu machen. „Wir sagen nicht: ,Hey, kommt hier her, hier ist es billig und ihr könnt viel Radfahren.’ Die Leute sollen sehen, wie schön es ist und aus dieser Intention hierherkommen.“ Auch hätten die Filmemacher mit dem Vorurteil aufräumen wollen, dass die Oberpfälzer nichts weiter als grimmige Stoffel sind, bei denen man Sprache nicht vom Bellen eines Hundes unterscheiden kann.

Film eine Partner-Arbeit

Gearbeitet an dem Film haben nur Heidemarie und Wolfgang Sander. Von außen kam lediglich der Sprecher und die Gemeinden seien dem Paar mit den Ausnahmegenehmigungen für Drehtage während der Coronapandemie sehr entgegengekommen. „Alle Filme machen wir nur zu zweit“, sagt Heidemarie. Dafür reicht dem Paar ein kleines Studio zu Hause und die Erfahrung, die Wolfgang bereits damals gesammelt hatte, als er noch Filme für das Landratsamt machte.

Auf die Frage, wie lange die beiden denn schon im Filmgeschäft tätig sind, sagt Heidemarie: „30 Jahre. Wobei, das reicht schon gar nicht mehr.“

Film schnell entstanden

Erfahrung hin oder her, der Film ist innerhalb weniger Monate entstanden. Warum das am Ende so schnell ging, kann Heidemarie Sander erklären. „Der Film hatte den Vorteil, dass ich bereits früher damit angefangen habe und das Konzept schon fix und fertig war.“ Demnach hätten die Filmemacher einfach nach dem Wort filmen und schneiden können, weil alles ausrecherchiert war. „Wir konnten zum Beispiel an einen Drehort fahren und ich konnte genau sagen, dass ich jetzt diese Gauben oder diese Sechskantsteine haben möchte“, sagt Heidemarie.

Film zeigt die schönsten Ecken

Aber was genau kann man eigentlich im Film der Sanders sehen? Einfach gesagt: Die schönsten Flecken in der Oberpfalz. Es gibt Aufnahmen von Cham bis Neumarkt und von Waldsassen bis Regensburg. Die Sanders würden nicht aus Amberg kommen, hätten sie nicht auch einen Schwerpunkt auf ihre Heimatstadt und den Landkreis gesetzt. Der Film zeichnet sich durch wunderbare Stadtansichten Ambergs aus. Hinzu kommen Bilder vom Kloster Ensdorf, vom Monte Kaolino, von Theaterauftritten der Freudenberger Bauernbühne sowie beeindruckende Landschaftsimpressionen aus dem Amberg-Sulzbacher Land. Wer die Oberpfalz noch nicht wie seine eigene Westentasche kennt, der wird, wenn er sich den Film anschaut, auch feststellen, dass das tiefste Bohrloch Deutschlands in Windischeschenbach zu finden ist. Dazu passt dann auch gleich die Oberpfälzer Zoiglkultur.

Info:

Das ist der Preis „Golden-City-Gate 2021“

  • 122 Teilnehmer aus insgesamt 24 Ländern haben am Wettbewerb des 21. „Golden-City-Gate 2021“ Preisverleihs teilgenommen. Darunter Mitbewerber aus Japan und Italien.
  • In mehreren Kategorien wurden Preise vergeben. Aufmacher der Preisvergabe war die internationale Tourismusbörse in Berlin.
  • Die Jury setze sich aus 45 Experten zusammen, die in den Bereichen Tourismus, Stadt- und Hotel-Marketing, Film, IT, Öffentlichkeitsarbeit, Musik, Werbung, Design arbeiten. Unter ihnen waren zudem Minister, Botschafter und Vertreter öffentlicher Einrichtungen.
  • Das Ehepaar Sander gewann mit seinem Film „Wer fährt schon in die Oberpfalz“ den Preis für Deutschland in der Rubrik Region.

 

 

Kommentare

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Günter Pflamminger

Hallo Lucia, danke für die schnelle sonntägliche Antwort!

30.05.2021
Günter Pflamminger

Tschuldigung, hab jetzt den Kommentar leider mehrfach gepostet, da nach dem "Absenden" leider nix passiert ist, warum kann man den eigenen Kommentar nicht löschen?

30.05.2021
Günter Pflamminger

Na Servus, netter Artikel, aber kein Wort wie ich das schöne Filmchen zu sehen bekomme! Bitte um Ergänzung! G P (oder hab ichs überlesen?)

30.05.2021
Lucia Seebauer

Hallo, vielen Dank für die Nachfrage. Laut Heidemarie Sander wird der Film öffentlich gezeigt, wenn es die Corona-Situation wieder zulässt. Noch ist der Veranstaltungsort nicht bekannt. Die DVD gibt es für 18 Euro in den Oberpfälzer Filialen der Buchhandlung Rupprecht zu kaufen. Viele Grüße, Lucia/onetz 

30.05.2021