08.11.2018 - 13:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Investor baut Wohnanlage neben Einfamilienhäusern

Als Familie Ullrich vor zwölf Jahren ihr Haus in der Richthofenstraße baut, wähnt sie sich in bester Wohnlage. Schnucklige Häuser in einer ruhigen Straße mit netten Nachbarn - so der Traum. Der findet jetzt ein gar nicht schönes Ende.

OB Michael Cerny spricht bei der Bürgerversammlung in der Aula des Beruflichen Schulzentrums.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Dem Oberbürgermeister, der Verwaltung und den anwesenden Stadträten war das Thema nicht neu, das Gerhard Ullrich am Dienstagabend in der Bürgerversammlung vortrug. Offenbar hatten sie bereits in nichtöffentlichen Gremien ausführlich darüber debattiert - aber eben unter Ausschluss der Bürger. Der meldete sich nun in "seiner" Versammlung zu Wort und bat in Person von Gerhard Ullrich um Hilfe in seiner Angelegenheit.

Sein Problem trifft in Zeiten der Wohnungsnot inzwischen zahlreiche Bürger in Amberg: In einer bis dahin ruhigen Wohnlage - im konkreten Fall die Richthofenstraße im Sebastianviertel - wird ein altes Haus verkauft und abgerissen. Damit es sich richtig lohnt, baut der Käufer aber kein Einfamilienhaus mehr sondern eine ausgewachsene Wohnanlage. Und weil es für diesen Bereich keinen Bebauungsplan gibt, unterliegt er dabei lediglich den Vorschriften des Baugesetzbuches, die in Sachen Nachverdichtung bei richtiger Auslegung sehr viel zulassen in so einem Bereich.

Familie Ullrich in der Richthofenstraße ist genau das passiert. Ein auswärtiger Investor wolle statt des alten Einfamilienhauses auf dem Nachbargrundstück ein Gebäude mit den Grundmaßen 25 auf 30 Meter und einer Giebelhöhe von 13 Metern hochziehen. "Der hat alles ausgereizt, was er ausreizen kann", so Gerhard Ullrich, der von Mondpreisen gehört haben will, die der Mann für das Areal bezahlt haben soll. Das Verhältnis von Bebauung zu Grün von 90 zu zehn Prozent sei das Ergebnis.

Die Anwohner haben daraufhin 250 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt, die sie am Dienstag an den Oberbürgermeister übergaben. Ihr Ziel: Aufnahme in den Bebauungsplan Richthofenstraße Süd/Housing Area, der so einen "Monsterbau" untersagen würde. "Wir sind doch nicht in München oder Nürnberg", forderte Ullrich allgemein zur Mäßigung in Sachen Nachverdichtung auf.

Es schaut schlecht aus für die Bewohner der Richthofenstraße. Wie Baureferent Markus Kühne ausführte, leben sie in keiner typischen Wohnsiedlung, in unmittelbarer Nähe würden auch höhere Gebäude stehen, die ein Vorhaben wie das geplante durchaus rechtfertigen würden. "Und es gibt keine Planungserfordernis für einen Bebauungsplan", so machte er deutlich. OB Michael Cerny versprach, man werde das Ganze noch einmal thematisieren in den Gremien. Aber: "Es scheinen hier alle Vorschriften penibel eingehalten worden zu sein."

Verkehrssicherheit an der Barbaraschule

Die Angst um ihre Kinder treibt die Eltern um, deren Sprösslinge Tag für Tag zur Barbara- und Willmannschule im Milchhofviertel gehen müssen. Fotos, die sie für die Bürgerversammlung gemacht haben, zeigen kleine Menschen, die sich durch parkende Autoschlangen zwängen, um über die Straße zu kommen oder von riesigen Milchlastern an den Rand gedrängt werden. Stellvertretend für sie alle hatte Kathrin Holzner den Antrag gestellt, die Verkehrssituation in diesem Bereich zu verbessern. Sei es durch größere Verkehrszeichen, die auf die Schule hinweisen, sei es durch die Schaffung eines Zebrastreifens, um den Kindern eine gewisse Querungssicherheit zu geben.

Dass gerade eine Zebrastreifen kein Lieblingskind der Verkehrsbehörden und der Polizei ist, wiederholte der zuständige Referent Bernhard Mitko. Die Sicherheit hier sei sehr trügerisch, die Straßenquerung für Kinder wegen der möglichen Unaufmerksamkeit von Autofahrern oft noch gefährlicher als wenn es keinen Streifen geben würde. Wie Baureferent Markus Kühne sagte, habe es für diesen Bereich vor Jahren schon einmal eine Neuplanung gegeben, die sie aber letztendlich nicht weiterverfolgt worden.

Eine neue Beschilderung, die wäre eventuell möglich, so der Rat der Verwaltung. Im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften. OB Michael Cerny ging dann aber einen großen Schritt auf die Eltern zu: „Ich würde an dieser Stelle auch mal eine Bedarfsampel prüfen“, schlug er vor, ohne versprechen zu wollen, dass die auch Wirklichkeit wird. (ass)

Bürger wollen Mariahilfbergkirche besser sehen

Der Mariahilfberg mit seiner Bergkirche obendrauf – bei diesem Anblick wird dem echten Amberger das Herz so richtig warm. Wobei das mit dem Anblick so allmählich zum Problem wird. Denn der Wald auf dem Mariahilfberg, er stirbt nicht, er wächst. Die Bäume werden immer höher, der Turm der Bergkirche, der aus dem Grün herausspitzt gleichzeitig immer kürzer.

Gleich zwei Anträge in der Bürgerversammlung haben das zum Thema gemacht. Hans Ott und Birgit Wittmann beantragen, den Baumwuchs im Umfeld der Kirche etwas einzuschränken, auszuholzen quasi, damit das Gebäude wieder etwas majestätischer über der Stadt thront. Vor einigen Jahren hatte es schon einmal eine solche Aktion gegeben, damals zur größten Zufriedenheit der meisten Bürger. Es gibt ein großes Problem dabei, wie Kämmerer Franz Mertel als der für den Stadtwald zuständige Referent sagte. „Die Bäume, die im Weg stehen, gehören uns gar nicht.“

Denn ausgerechnet in der Blickachse von der Bahnhofstraße hoch zur Kirche stünden Privatbäume im Sichtfeld. Das allerdings ist laut Mertel nicht das einzige Hindernis. Denn für eine Abholzung größeren Mengen an Bäumen müsste das Staatliche Forstamt erst seine offizielle Erlaubnis erteilen, so sagte er. „Diese Rodungserlaubnis würden wir nicht bekommen“, so seine Auskunft.

Aber ist ein Ausholzen gleichbedeutend mit Rodung? Die Frage stand durchaus im Raum, bis der Oberbürgermeister in die Bresche sprang. Man könne ja, so sein Vorschlag, in dem Rahmen tätig werden, in dem man vor einigen Jahren schon einmal gewesen ist und damit für bessere Blickachsen sorgen.

Stadtbahn nicht so einfach

Ein Bähnchen (wie in Regensburg) für Touristen, Einheimische oder auch Bergfestbesucher. Hans Ott könnte sich so etwas auch in seiner Heimatstadt Amberg gut vorstellen. Deshalb machte er es bei der Bürgerversammlung auch zum Thema. Ganz so einfach scheint das aber nicht umzusetzen zu sein, sagte Kulturreferent Wolfgang Dersch und zählte gleich eine ganze Latte an Vorschriften auf, die für so ein Projekt nötig wären. Aber zumindest will er es den örtlichen Busunternehmen anbieten.

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