09.12.2018 - 18:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Ismail Ertug auf Platz 10, Katarina Barley auf Platz 1 der SPD-Europaliste

Über die Europawahlen will die SPD wieder zurück ins politische Rennen finden. Ihr Star ist Bundesjustizminister Katarina Barley - dagegen scheint Parteichefin Andrea Nahles nur mehr geduldet.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) spricht bei der Delegiertenkonferenz ihrer Partei im Willy-Brandt-Haus. Sie wurde zur SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl gewählt.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Am Tag nachdem die europäischen Sozialdemokraten in Lissabon den niederländischen Politiker Frans Timmermans zu ihrem Spitzenkandidaten gekürt haben, hoben die deutschen Genossen in Berlin Katarina Barley auf den Schild. Die Bundesjustizministerin wurde bei der Europadelegiertenkonferenz der SPD am Sonntag in Berlin mit überragenden 99,0 Prozent auf Platz 1 der deutschen Europaliste für die Europawahl am 26. Mai 2019 gewählt. Der Fraktionschef der europäischen Sozialdemokraten im Europaparlament, Udo Bullmann, kam mit 97,4 Prozent auf Platz 2. Auf Platz 3 kandidiert die Europaabgeordnete Maria Noichl (Rosenheim).

Bei der letzten Europawahl 2014 war die SPD mit Spitzenkandidat Martin Schulz bei 27,3 Prozent gelandet - in Umfragen liegen die Sozialdemokraten bundesweit derzeit nur noch bei knapp 15 Prozent. Entsprechend der Faustformel je Prozentpunkt ein Europaabgeordneter wäre der Wiedereinzug des Oberpfälzer Europaabgeordneten Ismail Ertug sicher. Der 43-jährige Amberger wurde auf Platz 10 gewählt.

Ertug setzt darauf, dass die Sozialdemokraten ein ähnlich gutes Ergebnis wie bei der Europawahl im Jahr 2014 mit ihrem damaligen Spitzenkandidaten Martin Schulz holen und wieder mehr als 25 Abgeordnete ins Parlament nach Straßburg und Brüssel entsenden. Dann wäre auch die Europaabgeordnete Kerstin Westphal aus Schweinfurt wieder mit dabei. Sie landete auf Platz 23 der Liste,

Seinen Optimismus zieht Ertug aus der "sehr guten Stimmung" beim Parteitag. Nichts werde so heiß gegessen, wie es gekocht werde, sagt Ertug am Sonntag mit Blick auf die Kritik an Parteichefin Andrea Nahles. Schon im Jahr 2014 habe die SPD bei der Europawahl gegen den Trend ein gutes Ergebnis erzielt. Das wolle die SPD im Mai 2019 wiederholen. Ertug baut dabei auf Spitzenkandidatin Barley. Sie ist für ihn sogar besser als Spitzenkandidatin geeignet als Schulz. Ihr würden die Sympathien der Menschen zufliegen und sie verkörpere Europa in ihrer Biografie.

Das große Thema ist für die Sozialdemokraten der Kampf um "die Seele Europas", wie es der ehemalige niederländische Außenminister und derzeitige Vizepräsident der EU-Kommission Timmermanns in Lissabon formulierte. Der 57-Jährige will Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker werden. Timmermanns ist der große Konkurrent des niederbayerischen Europaabgeordneten und europäischen Spitzenkandidaten der Konservativen, Manfred Weber (CSU).

Der Niederländer versprach in der portugiesischen Hauptstadt beim Treffen seiner Parteienfamilie einen Pakt für ein sozialeres Europa und Widerstand gegen nationalistische Populisten. "Wer die liberale Demokratie verteidigen will", wer Europa zur Sicherung von Freiheie und Stabilität wolle, müsse sich genau überlegen, wenn er wähle, betont Ertug. Der Amberger verweist darauf, dass das Europäische Parlament die größte Erfahrung im Umgang mit den Rechtspopulisten habe.

Der Amberger Europaabgeordnete Ismail Ertug (SPD) kandidiert auf Platz 10 der SPD-Europaliste.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.