27.11.2020 - 16:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Israelische Generalkonsulin bewundert Tora-Schmuck

Beim Ausräumen eines Schranks hat die jüdische Gemeinde alten Tora-Schmuck gefunden. Rabbiner Elias Dray ließ ihn restaurieren. Das Ergebnis bewunderte die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich bei ihrem Besuch in Amberg.

Rabbiner Elias Dray und die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich entziffern die hebräische Schrift auf den 228 Jahre alten Spulen für Torarollen. Die hölzernen Rollstäbe sind 60 bis 80 Zentimeter groß, die Torarolle selbst hat eine Länge von 40 bis 42 Meter.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Seit Mitte August 2017 leitet Sandra Simovich das Generalkonsulat des Staates Israel für Süddeutschland. Zuständig ist die Diplomatin, die 1974 in Rumänien geboren wurde und mit ihrer Familie 1981 nach Israel ausgewandert war, nicht nur für Bayern, sondern auch für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland. Ein großes Anliegen ist es ihr, in den Bundesländern unterwegs zu sein, zum Beispiel an Schulen zu gehen und dort über das Leben in Israel zu sprechen - auch wenn persönliche Kontakte wegen Corona derzeit nur eingeschränkt möglich seien, was sie nach eigener Aussage "sehr bedauert".

Lebendiges jüdisches Leben

Am Donnerstag hat sie Amberg besucht. Sandra Simovich freute sich, hier eine lebendige jüdische Gemeinde und mit Elias Dray einen engagierten Rabbiner vorzufinden. Sie sah sich zunächst die Synagoge in der Salzgasse an und bewunderte dann in den Räumen der Israelitischen Kultusgemeinde im Obergeschoss alten Tora-Schmuck.Dieser war beim Ausräumen eines Schranks in den Räumen der Israelitischen Kultusgemeinde gefunden worden, berichtete Rabbiner Elias Dray. Er hatte sich entschieden, den Schmuck von Goldschmied Sebastian von der Recke restaurieren zu lassen. Das Ergebnis präsentierte er Generalkonsulin Sandra Simovich.

Die Tora zu schmücken, das sei eine sehr alte Tradition, sagte Dray und verglich es mit einer Frau, die man liebe: Auch ihr schenke man kostbaren Schmuck. Zu den Funden aus dem Schrank der Israelitischen Kultusgemeinde gehören zwei Rimonim (bekrönende Aufsätze der hölzernen Rollstäbe einer Torarolle). Ebenso ein Torazeiger, also ein kleiner Stab (meist aus Silber), an dessen Ende eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger sitzt. Ihn verwendet man beim Lesen der Tora in der Synagoge. So verhindere man, die Schrift mit bloßen Händen zu berühren, so Dray.

Gravur weist auf Spender hin

Eine Gravur trägt ein alter Tora-Schild. "Synagogengemeinschaft Amberg" ist darauf zu lesen. Und der Name Emil Knopf. Für Dieter Dörner, Kreisheimatpfleger und ein Experte für jüdisches Leben in Amberg, ist klar, dass Emil Knopf diesen Tora-Schild gestiftet hat. Vermutlich auch die Tora-Rolle, die er einst zierte. Aber darüber gibt es heute keine Unterlagen mehr. Emil Knopf war aus Franken nach Amberg gekommen und hatte in der Georgenstraße, wo sich heute der H&M befindet, ein Stoffgeschäft betrieben. Goldschmied Sebastian von der Recke erläuterte der israelischen Generalkonsulin die Restaurierung des Tora-Schmucks. Teilweise seien die Stücke lackiert gewesen, weshalb sie abgeschliffen wurden. Schadstellen wurden repariert, Dellen beseitigt. Alle Objekte wurden in Säuberungsbäder eingelegt, um sie zu reinigen, erklärte von der Recke, der gestand, dass es für ihn das erste Mal war, Judaica zu restaurieren. Auch machte er Angaben zum Material, aus dem die Stücke einst gefertigt wurden: Kupfer, das dann versilbert wurde.

Dieser Tora-Schild ist graviert und weist damit auf seinen Stifter hin: Emil Knopf. Der Kaufmann hatte in Amberg ein Stoffgeschäft in der Georgenstraße betrieben.

Anhand der Anzahl der Tora-Rollen, die in ihrem Besitz waren, habe sich auch immer der Reichtum einer jüdischen Gemeinde ablesen lassen, so Kreisheimatpfleger Dieter Dörner. Die Amberger hatten vor dem Krieg 20 Tora-Rollen. 17 davon stammten aus der aufgelösten Synagoge in Sulzbach-Rosenberg. Und die wiederum war sehr angesehen in ganz Europa, wie Dörner der Generalkonsulin erzählte.

Auch diese Tora-Krone wurde beim Ausräumen eines alten Schranks der israelitischen Kultusgemeinde gefunden und wurde von Goldschmied von der Recke restauriert.

Im Februar war die Generalkonsulin in Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg

Konsulin Sandra Simovich im Gespräch

Amberg

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