Amberg
22.02.2024 - 09:06 Uhr

Im Jahr 2023 wieder mehr Unfälle auf Oberpfälzer Straßen

Wie oft hat es im vergangenen Jahr auf Oberpfälzer Straßen gekracht? Was waren die häufigsten Unfallursachen? Wie viele Menschen wurden dabei verletzt oder getötet? Die Polizei gibt einen Einblick in die Entwicklung der Verkehrsunfälle.

Wie viele Unfälle sind passiert?

35.888 Unfälle hat die Polizei im Jahr 2023 registriert – und damit 3 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr berichtet die Polizei in ihrem am Donnerstag veröffentlichten "Verkehrslagebild 2023" auch von mehr Unfällen mit Verletzten (Anstieg von 4,9 Prozent) – trotzdem sind im vergangenen Jahr 4,6 Prozent weniger Unfälle passiert als noch 2019 (37.616 Unfälle), dem laut Polizei letzten Jahr mit "normalen" Verkehrsverhältnissen vor der Corona-Pandemie.

Wie viele Menschen sind 2023 auf Oberpfälzer Straßen gestorben?

57 Menschen sind im vergangenen Jahr bei Unfällen getötet worden, das sind 16 mehr als im Vorjahr (ein Plus von 39 Prozent). Die Polizei weist allerdings für 2022 auf einen "historischen Tiefstand" hin, was Unfälle mit Todesfolge angeht. Auf Staatsstraßen starben 19 Menschen, auf Autobahnen und Gemeindestraßen jeweils 11.

Was weiß die Polizei über die Hintergründe der Unfälle und der Unfalltoten?

33 der Getöteten waren Fahrer oder Mitfahrer in einem Fahrzeug, 10 dieser Menschen – und damit jeder Dritte – hatten ihren Sicherheitsgurt nicht angelegt. Bei insgesamt 897 Unfällen war zu hohes Tempo der ausschlaggebende Unfallgrund, 9 Menschen starben deshalb. 4 Menschen starben bei Alkoholunfällen, insgesamt war bei 442 Unfällen (und damit um 5 Prozent seltener als im Vorjahr) Alkohol im Spiel. Zwei Unfälle, bei denen die Fahrer Drogen genommen hatten, hatten tödliche Folgen. 3 junge Erwachsene (zwischen 18 und 24 Jahren) kamen bei Unfällen ums Leben, 8 Menschen wurden bei Unfällen getötet, die durch junge Erwachsene verursacht worden sind. 18 Senioren kamen bei Unfällen in der Oberpfalz ums Leben, 15 Menschen wurden getötet, weil Senioren Unfälle verursacht hatten.

Wie sind diese Zahlen im bayernweiten Vergleich zu betrachten?

Insgesamt ereigneten sich in ganz Bayern im vergangenen Jahr 388.817 Unfälle, rund 13.000 mehr als 2022. 321 Unfälle gab es auf Landstraßen, 52 auf Autobahnen und 126 innerhalb von Ortschaften. Die Zahl der Verletzten stieg leicht auf mehr als 62.000. 499 Menschen starben, 20 weniger als 2022. Abgesehen von den beiden Jahren der Corona-Pandemie ist das laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der niedrigste Stand seit 70 Jahren. Als Beispiel verwies er auf das Jahr 1970. Damals seien 3897 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben. In der Oberpfalz hat die Zahl der Verkehrsopfer gegen den landesweiten Trend zugenommen –besonders der Zuwachs der Todesopfer ist bayernweit mit Abstand am höchsten. Komplett gegenläufig war die Entwicklung im benachbarten Oberfranken. Hier sank die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Personen um 18 auf 32 (minus 36 Prozent) und die der Schwerverletzten um 1,7 Prozent auf 871. Insgesamt nahm in Oberfranken die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Personen um 2,4 Prozent auf 4754 ab.

Wie hat sich die Zahl der Schwerverletzten und Verletzten entwickelt?

Die gute Nachricht zuerst: Seit 2014 gab es noch nie so wenige Schwerverletzte wie im vergangenen Jahr – 828 Schwerverletzte und damit minus 9,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit 5435 Verletzten insgesamt – 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr – setzt sich diese positive Entwicklung allerdings nicht fort.

Wie oft werden Kinder bei Unfällen verletzt oder getötet?

Bei 268 Unfällen, bei denen Kinder beteiligt waren, wurden 287 Kinder verletzt, eines getötet: In Parkstein (Landkreis Neustadt/WN) war im vergangenen März ein achtjähriger Junge auf seinem Fahrrad mit einem Bus zusammengestoßen. Der Junge wurde dabei tödlich verletzt. Bei 55 Schulwegunfällen wurden 58 Schülerinnen und Schüler verletzt. Der letzte tödliche Schulwegunfall in der Region ist im Jahr 2005 passiert.

Welcher "Rekord" in Sachen Geschwindigkeitsüberschreitung wurde in der Oberpfalz 2023 aufgestellt?

Ein Autofahrer auf der A 6 bei Ebermannsdorf (Kreis Amberg-Sulzbach) war mit 237 Kilometern pro Stunde unterwegs – erlaubt wären aber nur 120 gewesen. Er gehört zu den 1311 Fällen, in denen Autofahrer die zulässige Geschwindigkeit so deutlich überschritten haben, dass neben einem Bußgeld auch ein Fahrverbot ausgesprochen wurde. Insgesamt wurden 34.154 Anzeigen erstattet und 38.354 Verwarnungen erteilt.

Wie oft sind Unfälle mit Radfahrern und Motorradfahrern passiert?

Bei 1348 Unfällen mit Radfahrern (ein Plus von 1,8 Prozent) wurden 1266 Fahrradfahrer verletzt – ein Höchststand im Zehnjahresvergleich. Acht Fahrradfahrer kamen ums Leben – so viele wie seit sieben Jahren nicht mehr. 913-mal registrierte die Polizei die Radfahrer als Unfallverursacher. Auch stieg der Anteil der Pedelec-Unfälle (gesamt: 380) an allen Fahrradunfällen auf fast 30 Prozent an.

Insgesamt 507 Unfälle mit Motorradfahrern verzeichnete die Oberpfälzer Polizei im vergangenen Jahr (plus 14,7 Prozent). Zehn Biker wurden dabei tödlich verletzt.

Unfallort Landstraße: Wie sicher sind die Landstraßen in der Oberpfalz?

Die Polizei verzeichnete auf Oberpfälzer Landstraßen einen Anteil von 58 Prozent aller Getöteten (33) sowie 53 Prozent aller Schwerverletzten. Insgesamt sind hier 14.727 Unfälle passiert (2,9 Prozent mehr als 2022).

Was sagen die Zahlen über Unfälle mit reinen Blechschäden?

Auch hier registriert die Polizei einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, sowohl bei den Unfällen mit Sachschaden (7753 Fälle, plus 5,4 Prozent) als auch bei den Kleinunfällen ohne Anzeige (23.985 Fälle, plus zwei Prozent).

(mit Material von dpa/jum)

Info:

Noch mehr Zahlen aus dem Jahr 2023

  • Wildunfälle: Im sechsten Jahr in Folge hatte kein Wildunfall tödliche Folgen für einen Menschen. Zuletzt starben im Jahr 2017 zwei Menschen bei oder nach Unfällen mit Wildtieren.
  • Unfallflucht: Es entstanden 14,8 Millionen Euro Schaden bei Unfällen mit Unfallfluchten. Im Jahr zuvor waren es noch 12,9 Millionen Euro gewesen (plus 15,1 Prozent).
  • E-Scooter: Mit 85 Unfällen verzeichnet die Polizei einen Anstieg von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hier ist die Quote der Verletzungen sehr hoch: 73 der 85 Scooter-Fahrer wurden bei den Unfällen verletzt.
 
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