25.11.2021 - 15:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Ein Jahr nach dem Großbrand in Amberg: Betroffene berichten

Am 24. November 2020 wütet ein Feuer in Amberg. Eine Halle der Zimmerei Holzner brennt nieder, ein mehrgeschossiges Geschäftsgebäude steht in Flammen. Ein Treffen mit den Betroffenen ein Jahr danach.

Ein Trümmerhaufen: So sah es vor einem Jahr nach dem Brand auf dem Gelände der Zimmerei Holzner aus.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Es ist ein Déjà-vu, auf das Armin Nentwig gut und gerne verzichten hätte können. Am 24. November 2020 brennt sein Geschäftsgebäude an der Bayreuther Straße. Genauso wie schon 1986. Damals brach das Feuer in der benachbarten Schreinerei Bösl aus, vor einem Jahr war es die benachbarte Zimmerei Holzner. Beide Male greift das Feuer auf das Geschäftsgebäude über, dessen Eigentümer der 78-jährige Alt-Landrat Armin Nentwig ist.

Mittlerweile herrscht schon wieder geschäftiges Treiben in dem Haus. Im obersten Stockwerk gehen die Angestellten des Bundesverbands "Schädel-Hirnpatienten in Not" ihrer Arbeit nach. Einen Stock tiefer sind die Büros des "5 Sterne Personalservices" wieder voll eingerichtet. Auch ein IT-Unternehmen und eine Physiotherapie haben ihre Räumlichkeiten zurück.

Bis dahin war es aber ein weiter Weg. Der halbe Dachstuhl war abgebrannt, die Wasserschäden zogen sich durch alle Stockwerke, die komplett entkernt werden mussten. Nentwig vergleicht den Anblick mit "vier großen Tennishallen". Nur der vordere Anbau, der von der Bayreuther Straße aus zu sehen ist, blieb unbeschadet.

Büroarbeit im Wintermantel

Knapp ein halbes Jahr sind die Beschäftigten in Containern untergebracht, die auf dem Gelände aufgestellt worden sind. Mittlerweile sind fast alle wieder abgebaut, nur noch einer dient als Lagerstätte. "Teilweise sind die Mitarbeiter in Wintermänteln da gesessen. Aber es hat keiner krankgemacht", erzählt Nentwig und meint das ganz bewusst als Lob. Ein solches hat er auch für die Feuerwehren, die Polizei und die Hausgemeinschaft übrig. Alle hätten geholfen und angepackt.

Ähnlich äußert sich Michaela Holzner, die Geschäftsführerin der abgebrannten Zimmerei. Als sie am Morgen nach dem Großbrand auf ihrem Firmengelände stand, habe sie ihre Mitarbeiter gefragt, ob die Arbeiten sofort weitergeführt werden sollen. Auf den Baustellen war das schließlich möglich. Weil alle mitzogen, lief der Betrieb wenige Stunden, nachdem eine Halle, eine Überdachung und ein Lastwagen abgebrannt waren, weiter.

An die Nacht, als die Flammen wüteten, erinnert sich die Geschäftsführerin noch gut. Sie konnte damals nicht verstehen, warum die Feuerwehren nicht gezielter das Feuer löschten. "Es war einfach nicht einzudämmen. Jetzt kann ich sagen: Wir hatten schon Glück, wenn man sieht, was dafür gehalten werden konnte." Eine Halle etwa, die bereits saniert worden und in der gerade übergangsweise die Schreinerei untergebracht ist.

Denn bei dem Unternehmen ist noch längst nicht alles aufgebaut. Derzeit sind die Geschäftsführerin und fünf weitere Bürokräfte immer noch in Containern untergebracht. "Wir haben es heuer geschafft, die Baustelle zu räumen. Das war schon rein psychologisch wichtig", erklärt Holzner. Mit dem Wiederaufbau der abgebrannten Halle soll im Frühjahr begonnen werden. Dafür braucht es aber zuerst eine neue Bodenplatte, weil die alte weggerissen werden musste. Sie würde der neuen Konstruktion nicht standhalten, rechnete ein Statiker aus. Für den Lastwagen hat die Versicherung nicht so viel gezahlt, dass die Firma davon komplett einen neuen anschaffen hätte können, erzählt Holzner. Stattdessen habe ein 30 Jahre alter Lkw vorübergehend gute Dienste geleistet. Für einen neuen sei ein Darlehen aufgenommen worden, um ihn zu finanzieren. Ansonsten arbeite man aber gut mit der Versicherung zusammen, betont die Geschäftsführerin. Wenngleich sie immer noch dabei sei, alle Verluste zusammenzuschreiben. Bis zu drei Jahre habe sie dafür Zeit. Sie wolle lieber alles gründlich als schnell erledigen, sagt sie.

Den größten Verlust stellen für Holzner die abgebrannten Unterlagen da. Besonders dramatisch ist das, weil es auch den Server erwischt hat. "Es war schwierig, weil wir so vieles wieder rekonstruieren haben müssen", erklärt sie.

Fragenkatalog an OB Cerny

Ähnlich ist das bei Armin Nentwig. Mit dem Unterschied, dass seine Akten dem Wasser zum Opfer gefallen sind. Eine Spezialfirma hat die Papiere getrocknet. Kosten: 40.000 Euro. Aber einerseits konnte wegen des Schimmels nicht alles gerettet werden, zum anderen muss das alles erst mal wieder gesichtet und sortiert werden. Nentwig ist jedenfalls froh darüber, dass trotz der vollen Auftragsbücher der Handwerksbetriebe im vergangenen Winter schnell Arbeiter anrückten. "Was die Zimmerer und Dachdecker bei Schnee und Glatteis vollbracht haben, ist nicht vorstellbar. Die sind im Dezember und Januar auf den verkohlten Balken rumgetanzt", erinnert sich der Alt-Landrat. Trotzdem kann Nentwig seine Enttäuschung nicht verbergen. "Weil sich wochenlang keiner um uns gekümmert hat und keiner da war, der sich das Ausmaß angeschaut hat." Seine Kritik richtet sich dabei vor allem gegen die Versicherung und die Stadt Amberg, die Eigentümerin des Grundstückes und der Gebäude der Firma Holzner ist, wo der Brand im vergangenen Jahr seinen Ursprung hatte. An Oberbürgermeister Michael Cerny habe Nentwig deshalb vor vier Wochen einen Fragenkatalog geschickt. Einen zwischenzeitlichen Bescheid hat er bereits bekommen. Das Schriftstück soll derzeit beim Bauamt liegen, das sich der Fragen annimmt.

Der 78-Jährige befürchtet nach eigenen Aussagen, dass er auf rund 100.000 Euro an Kosten sitzen bleibt. Denn längst sind noch nicht alle Arbeiten im und am Haus abgeschlossen. Innen und außen müssen etwa noch die Maler ran. Außerdem wird aktuell das Pflaster erneuert. Das sei dringend notwendig, weil die tonnenschweren Feuerwehr- und Baustellenfahrzeuge Spurrinnen verursacht hätten. "Die Versicherung zahlt aber bestenfalls die Hälfte", erklärt Nentwig.

Die Vorgeschichte: Millionenschaden nach Großbrand in Amberg

Amberg

Kurz nach dem Großbrand hat Oberpfalz-Medien bereits einmal mit den Betroffenen gesprochen

Amberg
Info:

Der Brand vor einem Jahr

  • Das Feuer am 24. November 2020 ist um 1.15 Uhr von Polizeibeamten entdeckt worden, die gerade einen Autofahrer kontrollierten
  • Im Einsatz sind 100 Kräfte der Feuerwehren Amberg, Ammersricht, Gailoh, Karmensölden und Raigering
  • Noch in den Morgenstunden und auch noch tagsüber versuchen die Feuerwehrkräfte den Brand zu löschen, was vor allem wegen der Glutnester rund um den Holzverarbeitungs-Betrieb nicht immer einfach ist
  • Bereits 1986 gab es einen Brand an gleicher Stelle und mit ähnlichem Schadensausmaß
  • Vor einem Jahr ging man von einem technischen Defekt als Brandursache aus. Bisher gibt es keine neuen Erkenntnisse, wie das Feuer letztlich ausgebrochen ist

Was die Zimmerer und Dachdecker bei Schnee und Glatteis vollbracht haben, ist nicht vorstellbar. Die sind im Dezember und Januar auf den verkohlten Balken rumgetanzt.

Alt-Landrat Armin Nentwig

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