ONETZ: Herr Helm, Sie und Ihre Mitstreiter haben sich auf Ihre Initiative hin die enorme Mühe gemacht und mit der Jubiläumschronik St. Martin ein rund 300-seitiges Werk geschaffen. Welcher persönlicher Beweggrund steht dahinter? Wie lange es gedauert?
Thomas Helm: Als wir uns erstmals Gedanken über die Feierlichkeiten zum 600. Jahrestag der Grundsteinlegung machten – die geplante Festwoche wurde ja wegen Corona ins nächste Jahr verschoben – da zeigte sich rasch, dass wir dabei unbedingt auch der spannenden Geschichte der Basilika und der Pfarrei Raum geben sollten. Für einen Kirchenbau dieser Bedeutung ist das, was es an Schriften dazu gibt, doch recht wenig. Es gibt zwar einen neuen kompakten Kirchenführer, der vor zwei Jahren von uns herausgegeben wurde, sowie verschiedene Beiträge in Publikationen wie dem "Eisengau", aber kein Werk, das sich insgesamt ausführlich mit der Basilika St. Martin und seiner Geschichte auseinandersetzt. Also haben wir eine kleine Arbeitsgruppe gegründet und in dieser die Themen festgelegt und mögliche Autoren dazu angefragt, die alle sofort zugesagt haben, was uns sehr gefreut hat. Erste Überlegungen und Vorbesprechungen fanden letztes Jahr im Frühjahr statt. Die fertigen Artikel kamen dann im Herbst. Dann ging es ins Lektorat. Es gab Korrekturläufe, verschiedene grafische Versionen zum Abstimmen. Alles in allem dauerte die Erstellung ein gutes Jahr. Da durch Corona mit Ausnahme der Gottesdienste nahezu alle Veranstaltungen in der Pfarrei wegfielen, hatte ich selbst entsprechend Zeit, mich intensiv damit zu befassen, und es hat mir auch Freude gemacht, den Entstehungsprozess der Chronik intensiv zu begleiten.
ONETZ: Welche Absicht verfolgen Sie mit der Herausgabe der Chronik?
Thomas Helm: Mit der Jubiläumschronik wollen wir "Geschichten aus der Geschichte" dieser 600 Jahre St. Martin erzählen – und da gibt es so einiges zu berichten. Auch den imposanten Kirchenbau wollen wir besonders würdigen. Viele Aspekte und Besonderheiten kann man in diesem Rahmen ausführlicher bzw. auch andere Themen behandeln als es etwa in einem Kirchenführer möglich ist. Außerdem beinhaltet die Jubiläumschronik auch zahlreiche neue Erkenntnisse, die durch die Beiträge zutage gefördert werden, zum Beispiel Überlegungen zum Vorgängerbau anhand von archäologischen Ausgrabungen. Mit der Jubiläumschronik wollen wir einen Beitrag zur Geschichte unserer Stadt leisten, in der ja die Basilika als Ort seit jeher eine sehr wichtige Rolle spielte.
ONETZ: Welchen Leserkreis wollen Sie erreichen?
Thomas Helm: Der Leserkreis, den wir ansprechen wollen, ist breit. Da sind natürlich die Mitglieder der Pfarrei St. Martin, für die die Basilika als ihre Pfarrkirche die Mitte ihres religiösen Lebens ist. Wir haben natürlich auch die historisch und kulturell interessierten Amberger Bürger im Blick sowie die wissenschaftliche Fachwelt. Dabei war es uns wichtig, dass die einzelnen Beiträge zwar Anspruch haben, aber trotzdem allgemeinverständlich sein sollen.
ONETZ: Unter welchen Aspekten haben Sie die Chronik zusammengestellt?
Thomas Helm: Bei der Auswahl der Beiträge haben wir überlegt, was denn wichtig bzw. interessant ist und auch was bisher noch nicht erforscht oder publiziert ist. Da hat sich dann recht schnell die Themenpalette herauskristallisiert. So widmet sich etwa ein Beitrag der Frage, wie die Amberger seinerzeit überhaupt darauf kamen, eine so große Kirche zu bauen. Ein weiterer Beitrag ist dem Dachstuhl von St. Martin und seiner besonderen Konstruktion gewidmet. Ein anderer beleuchtet die Geschichte der Pfarrer von St. Martin, die ja seit über 350 Jahren recht gut belegt ist und wo die einzelnen Pfarrer seither mit Gemälden vertreten sind, eine seltene Besonderheit. Da werden die herausragenden Gemälde von Caspar de Crayer in der Basilika kunstgeschichtlich beschrieben oder etwa die Buntglasfenster. Natürlich dürfen die Glocken nicht fehlen. St. Martin hat ja einen sehr alten und wertvollen Glockenbestand. Dieser wird aktuell ertüchtigt und wir hoffen, dass wir schon bald wieder alle Glocken läuten können. Die neugotische Ausstattung unter Dekan Helmberger, die noch heute die Ausstattung prägt, wird näher beleuchtet. Neben den Texten sind die zahlreichen teils historischen, teils aktuellen Fotos wirklich herausragend und haben auch mich persönlich beeindruckt.
ONETZ: Warum sollte man die Chronik lesen und nicht ein anderes Buch?
Thomas Helm: Die Jubiläumschronik ist ein herausragendes Werk geworden und für jeden, der sich mit der Basilika beschäftigt und daran interessiert ist, ein echtes Muss. Ich bin überzeugt, dass auch der kundige Leser noch das eine oder andere Neue oder ihm Unbekannte darin entdecken wird. Wenn es um die Basilika, die Pfarrei und ihre Geschichte geht, dann ist die Jubiläumschronik dank der Beiträge der einzelnen Autoren wirklich ein Meilenstein geworden. Ich bin überzeugt: Es ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch. Ich möchte an dieser Stelle allen Autorinnen und Autoren, dem Redaktionsteam mit Stadtarchivar i.R. Dr. Johannes Laschinger und Kirchenpfleger Josef Beer sowie dem Büro Wilhelm für die Umsetzung herzlich danken und freue mich auf die offizielle Vorstellung am 18. Mai.
Jubiläumschronik 600 Jahre Basilika St. Martin
- Verfasser: Thomas Helm
- Vorstellungstermin: 18. Mai
- Verkauf: ab 19. Mai im Pfarramt St. Martin
- Preis: 24,80 Euro















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